REUTLINGEN. Der starke Auftritt der deutschen Handballerinnen mit Weltmeisterschafts-Silber war auch in der Region das Gesprächsthema.
Ekke Hoffmann
, der in drei Amtszeiten insgesamt zwölf Jahre lang Frauen-Bundestrainer war, lobte: »Das war wirklich eine Leistung, mit der man zur Weltspitze gehört.«
Dass es eine Heim-WM war, sei ein Vorteil gewesen. Hoffmann weiß das nur zu gut aus eigener Anschauung. 1997 hatte sich das deutsche Team mit ihm als Coach die Bronzemedaille im eigenen Land gesichert. Er selbst war bei der Vorrunden-Partie gegen Uruagay in der Stuttgarter Porsche-Arena, wo er vom Niveau der Partie enttäuscht war. Wie Hoffmann überhaupt »die verfluchte Aufstockung« des Wettbewerbs attackiert, die für das Leistungs-Niveau der Weltmeisterschaft kontraproduktiv sei. Mit der Auslosung habe das deutsche Team Glück gehabt, sagt der ehemalige Sportdirektor des Handball-Weltverbands IHF.
Aber man habe diese Aufgaben in der Vor- und Hauptrunde souverän gelöst und sei in einen Spielrhythmus gekommen. Was ihm am meisten gefallen hat beim Team von Bundestrainer Markus Gaugisch: Dass alle Spielerinnen torgefährlich waren. Zudem die Ausgeglichenheit, die für Stabilität in der Mannschaft sorgte. »Wenn’s kritisch wurde, war immer eine andere Spielerin da. So eine ausgeglichene Mannschaft haben wir seit Jahrzehnten nicht mehr gehabt. Früher hing’s von ein, zwei Goalgetterinnen ab. «
Dass man im Finale das bis dahin ungefährdete Norwegen verunsichert habe, indem man drangeblieben sei, hebt der Frauenhandball-Experte ebenfalls positiv hervor. Was ihm dagegen nicht gefiel, war die Linie, die die Schiedsrichter im Finale zuließen: »Sie haben heute Rugby zugelassen.«
Auch
Miriam Hirsch
ließ es sich nicht nehmen, Spiele der WM vor Ort live zu erleben. Die Trainerin der Metzinger Bundesliga-Handballerinnen erlebte in Stuttgart und Dortmund WM-Feeling als Zuschauerin. »Es ist total cool, dass sie es endlich unter die Top Vier geschafft hat«, kommentiert sie das Abschneiden der deutschen Mannschaft. Der Spielplan sei den Gastgebern ein bisschen entgegengekommen. Was sie beeindruckt hat: »Schon lange nicht mehr wirkte die Mannschaft so athletisch und so geschlossen, auch das Konzept passte.« Sie hofft, dass die Auftritte des Teams dem Frauenhandball in der öffentlichen Wahrnehmung »Schwung gibt«.
Laura Wohnus
, Oberligaspielerin und Pressesprecherin beim VfL Pfullingen, bezeichnete den Gewinn der Silbermedaille als »Mega-Erfolg«. Es wäre »schön, wenn die starken Auftritte des deutschen Teams den Frauen- und Mädchenhandball pushen« würden. Vielleicht bringe dieser Erfolg »einen Stein ins Rollen«, lautet die Hoffnung von Wohnus. Eine Pfullinger Jugend-Mannschaft war in der Vorrunde in Stuttgart bei einem Spiel dabei. Das sei »ein tolles Erlebnis für die Mädchen« gewesen, so Wohnus. Stolz ist man im Pfullinger Handball-Lager auf das deutsche Trainerteam. Bundestrainer Markus Gaugisch spielte einst für den VfL in der 1. und 2. Bundesliga, sein »Co« Frederick Griesbach coachte den VfL in der Drittliga-Saison 2018/19. (GEA)
