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Aktuell INTERVIEW

Pliezhäuser Journalist zur Tour de France: »Noch keinen wie Pogacar erlebt«

Der Pliezhäuser Walter Rottiers hat Jahre lang über die Tour de France berichtet. Und fast alle Stars kennengelernt.

Tadej Pogacar hat in Nizza seinen dritten Tour-de-France-Sieg eingefahren.
Tadej Pogacar hat zahlreiche Siege bei der Tour-de-France eingefahren. Foto: BernardPapon
Tadej Pogacar hat zahlreiche Siege bei der Tour-de-France eingefahren.
Foto: BernardPapon

PLIEZHAUSEN. Seit 1948 bis heute verfolgt Walter Rottiers er die Tour de France: Am Radio, TV, insgesamt 16 Mal hat er als Journalist für zahlreiche Medien in Belgien, Frankreich, Niederlande, die Schweiz und Deutschland die Tour vor Ort begleitet. Rottiers bewertet die aktuelle Tour-Auflage, die am Sonntag in Paris zu Ende geht, äußerst positiv. Im Interview mit GEA-Mitarbeiter Ewald Walker sprach Radsport-Experte Walter Rottiers über Verlauf und Ausgang der Tour, den überragenden Tadej Pogacar und eine besondere Episode mit Radsport-Legende Eddy Merckx.

GEA: Walter Rottiers, wie bewerten Sie die 112. Ausgabe der Tour de France 2025?

Walter Rottiers: Für mich ist es die schönste und spannenste Tour seit vielen Jahren: man spürt, dass die Fahrer hochmotiviert sind, die Tour ohne Skandale verläuft, die Sprints ohne Unfälle bleiben und es schön ist zu sehen, wie Pogacar mit einer scheinbaren Leichtigkeit seine Gegner düpiert.

Walter Rottiers aus Pliezhausen.  FOTO: WALKER
Walter Rottiers aus Pliezhausen. Foto: Ewald Walker
Walter Rottiers aus Pliezhausen.
Foto: Ewald Walker

Am vierten Sieg von Tadej Pogacar ist nicht mehr zu zweifeln. Wie würden Sie den derzeit weltbesten Rennfahrer charakterisieren?

Rottiers: Er ist ein großes Naturtalent, mit der passenden Rennintelligenz ausgestattet. Ich hab in meiner langjährigen Tour-Erfahrung noch keinen solchen Fahrer erlebt. Für den Radsport ist er ein Glücksfall.

Kann man den erst 26-jährigen Slowenen jetzt schon unter die ganz Großen des Radports einreihen, mit Eddy Merckx, Fausto Coppi, Bernard Hinault, Jacques Anquetil, Miguel Indurain, fast alle Fünffach-Sieger der Tour?

Rottiers: Auf jeden Fall, auch angesichts seiner erst 26 Jahre. Er hat fast alles gewonnen, ist amtierender Weltmeister und hat über 100 Etappensiege bei der Tour errungen. Er ist enorm vielseitig: Im Zeitfahren als auch am Berg. Er ist der perfekte Rennfahrer.

Wenn man den voraussichtlichen Tour-Sieger immer wieder gesehen hat, wie er in den entscheidenden Momenten des Rennens von den anderen regelrecht »weggeflogen« ist, weckt dies Erinnnerungen an die Überflieger Marco Pantani, Lance Armstrong oder Jan Ullrich – und die sind alle des Dopings überführt worden. Haben Sie da bei Pogacar keine Bedenken?

Rottiers: Ich hoffe, dass nichts passiert in dieser Richtung. Das Thema ist immer spekulativ.

Der größte Rennfahrer aber ist und bleibt Ihr Landsmann Eddy Merckx. Wie haben Sie den »Kannibalen«, wie er ob seiner überragenden Erfolge, unter anderem mit je fünf Siegen bei der Tour und dem Giro d’Italia genannt wurde, selber erlebt?

Rottiers: Ich habe tatsächlich alle Stars diese Sports persönlich kennengelernt. Aber Eddy Merckx war in der Tat der Außergewöhnlichste. Natürlich hat es mich sehr gefreut, als er mich zu Hause besucht hat. Er war und ist bis heute ein Mensch mit großer Ausstrahlung.

Gibt es eine besondere Episode in Ihren Begegnungen mit ihm?

Rottiers: "Als Eddy in meinen Bildergrafiken "The World of Cycling" seine Grafik gesehen hat, wollte er diese unbedingt haben. Statt eines Honorars haben wir einen "Deal" gemacht: Er hat die Grafik bekommen, ich dafür ein "Eddy Merckx-Rennrad" aus seiner Produktion. (GEA) 

ZUR PERSON

Walter Rottiers ( 82) lebt seit 43 Jahren in Pliezhausen. Der Belgier hat sich als Maler und Grafiker rund um den Radsport einen internationalen Namen geschaffen und fünf Bücher geschrieben. Rottiers berichtete von der Tour de France, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Er organisierte Radrennen, darunter 1996 die deutsche Straßenmeisterschaft in Metzingen. (ewa)