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Aktuell Kommentar

Mutmacher trotz der Niederlage

Die deutschen Fußballerinnen haben den Schalter umgelegt. Nach der spielerischen Enttäuschung bei der Europameisterschaft sind die Auftritte in der Nations League ein Mutmacher für die Zukunft, findet GEA-Redakteur Frank Pleyer.

Die deutschen Fußballerinnen - links Sjöke Nüsken - haben als größten Trumpf ihre Unbekümmertheit.
Die deutschen Fußballerinnen - links Sjöke Nüsken - haben als größten Trumpf ihre Unbekümmertheit. Foto: Gollnow/dpa
Die deutschen Fußballerinnen - links Sjöke Nüsken - haben als größten Trumpf ihre Unbekümmertheit.
Foto: Gollnow/dpa

REUTLINGEN. Nicht einmal fünf Monate ist es her, als sich die Begeisterung über die deutschen Fußballerinnen in Grenzen hielt. Zwar war das Team von Bundestrainer Christian Wück bei der Europameisterschaft ins Halbfinale gekommen, aber spielerisch hatte es wenig zu bieten gehabt. Mit einem Abwehr-Bollwerk mühte man sich unter die letzten Vier.

Wück zog die richtigen Schlüsse. Er funktionierte die etatmäßige Angreiferin Jule Brand zur zentralen Akteurin hinter den Spitzen um, baute um die Abfangjägerinnen Elisa Senß und Sjoeke Nüsken sowie Stürmerin Klara Bühl eine neue Offensiv-Abteilung auf und verordnete dem Team einen anderen Spielstil - vermutlich auch, weil gegen Spitzenmannschaften wie England, Frankreich und Spanien allein mit Mauern nichts zu holen ist. Mit mutigen und erfrischenden Angriffs-Aktionen wie im Final-Hinspiel wird nun der Erfolg gesucht, zugleich die Verteidigung entlastet. Die Unbekümmertheit der Spielerinnen ist der größte Trumpf der Mannschaft.

Ganz anderes Level in der öffentlichen Wahrnehmung

Das lockt auch die Fans ins Stadion. 40.000 Zuschauer in Kaiserslautern haben erneut unterstrichen, dass Bühl & Co. längst eine feste Größe sind. Während die auf eine Medaille hoffenden Handballerinnen bei der derzeit laufenden Weltmeisterschaft selbst im eigenen Land Mühe haben, große Hallen zu füllen, sind die Fußballerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung auf einem ganz anderen Level.

Und dies, obwohl der letzte große Erfolg mit dem Olympiasieg schon neun Jahre zurückliegt. Insofern ist auch die klare Final-Niederlage gegen Weltmeister Spanien kein Beinbruch. Ein Titel in der Nations League wäre nichts gewesen, was im Briefkopf des Deutschen Fußball-Bundes einen besonderen Stellenwert gehabt hätte. Die Leistung war dennoch ein Mutmacher. Das nächste Großereignis ist die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Dann zählt's.