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Macht es Vogel der Mama nach?

Im Halbfinale in Rotterdam müssen die deutschen Frauen erstmals ohne die Heim-Unterstützung auskommen. Mutter Andrea hat schon einmal WM-Gold geholt

»Alles ist möglich«. sagt Rückraumspielerin Emily Vogel vor dem WM-Halbfinale gegen Frankreich.  FOTO:GAMBARINI/DPA
»Alles ist möglich«. sagt Rückraumspielerin Emily Vogel vor dem WM-Halbfinale gegen Frankreich. FOTO:GAMBARINI/DPA
»Alles ist möglich«. sagt Rückraumspielerin Emily Vogel vor dem WM-Halbfinale gegen Frankreich. FOTO:GAMBARINI/DPA

DORTMUND. Das Tränendrama liegt fast auf den Tag genau zwei Jahre zurück. Emily Vogel, die damals noch Bölk hieß, stand in der Interviewzone in Herning und weinte fast unaufhaltsam. Minutenlang liefen der damaligen Co-Kapitänin nach der deutschen Handball-Klatsche im WM-Viertelfinale gegen Schweden die Tränen über das Gesicht. Am Dienstagabend stand die 27-Jährige erneut vor den Journalisten und weinte. Diesmal vor Freude.

Schon in den letzten Minuten vor dem erlösenden Halbfinaleinzug hatte Vogel mächtig mit ihren Emotionen kämpfen müssen. »Ich habe gerechnet und dachte, wir können das nicht mehr verlieren, egal, was wir fabrizieren. Dann hat Alina (Grijseels) mich angeguckt und gesagt: Emy, noch ein bisschen, weil sie gesehen hat, ich kämpfe«, berichtete Vogel.

»So dicht dran waren wir noch nie«

Die Rückraumspielerin hatte mit fünf Toren großen Anteil daran, dass das Team des Deutschen Handball-Bundes (DHB) den Viertelfinalfluch brechen konnte und erstmals seit 2007 im WM-Halbfinale steht. Nach verpassten Chancen in den Vorjahren feierte die Auswahl ihren Erfolg im bedeutendsten Heimspiel seit 1997 mit über 10.000 Fans ausgiebig. »Weil wir fucking lange auf den Moment gewartet haben und diese Bühne nutzen wollten«, begründete Vogel die Tanzeinlagen auf dem Parkett.

Im Halbfinale in Rotterdam muss man zwar erstmals bei diesem Turnier ohne die Unterstützung der Heim-Fans auskommen. Aber die Gier nach einem funkelnden Weihnachtsgeschenk wird immer größer. »So dicht dran waren wir noch nie. Wir sind noch nie so souverän aufgetreten. Warum fährt man da hin? Nicht, um Vierter zu werden. Alles ist möglich«, kündigte Vogel siegessicher an. Der Halbfinal-Einzug fühle sich zwar bereits wie Gold an. »Aber warum nicht bis zum Ende gehen?«, meinte Vogel. Wirft die 27-Jährige die Frauen des Deutschen Handballbunds zum zweiten WM-Titel?

Die magische Gold-Nacht von Oslo kennt Vogel in allen Einzelheiten und so gut wie niemand aus dem aktuellen Kader. Mama Andrea stand beim Final-Drama gegen Dänemark 1993 schließlich mit auf dem Parkett. »Ich freue mich riesig für Emy. Sie hechelt seit Jahren einer guten Platzierung hinterher«, sagte die 57-Jährige unmittelbar nach dem deutschen Viertelfinal-Sieg über Brasilien.

Sporadisch spreche man zu Hause über die vergangenen Erfolge und neuen Träume. »Meine Medaille hängt schon sichtbar bei uns im Arbeitszimmer. Emy hätte die auch schon ganz gerne«, sagte Mama Bölk und befand: »Jetzt ist alles Zugabe. Die Last und der Druck sind abgefallen.« Vogel entstammt einer echten Handball-Dynastie. Oma Inge spielte einst in der DDR-Auswahl, war bei den WM-Titeln 1971, 1975 und 1978 aber nicht dabei. Mama Andrea stand 1993 beim bislang einzigen deutschen WM-Titel der Frauen nach der Wiedervereinigung im Aufgebot, Vater Matthias war in der Bundesliga für den VfL Fredenbeck aktiv. Nur Opa brach aus der familiären Tradition aus und spielte Fußball. (dpa)

HANDBALLERINNEN IM HALBFINALE GEGEN FRANKREICH

Weltmeister setzt sich gegen EM-Zweiten Dänemark durch

Die deutschen Handballerinnen bekommen es im Halbfinale der Weltmeisterschaft mit Titelverteidiger Frankreich zu tun. Die Équipe Tricolore, bei Olympia in Paris Zweiter, gewann ihr Viertelfinale in Rotterdam gegen den EM-Zweiten Dänemark mit 31:26 (17:12). Das Duell um den Einzug ins Endspiel ist eine Neuauflage des Olympia-Viertelfinales und findet am Freitag (17.45 Uhr/Sporteurope.TV/ARD) ebenfalls in Rotterdam statt. Bei den Sommerspielen hatte sich das deutsche Team im vergangenen Jahr mit 23:26 geschlagen geben müssen. Im zweiten Halbfinale stehen sich Olympiasieger Norwegen und Co-Gastgeber Niederlande gegenüber. (dpa)