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Die Zukunft des Golfsports: Tradition trifft Entertainment

Die British Open sind das älteste Golfturnier der Welt. Es ist der Schauplatz für die ganz großen Sportmomente. Es ist aber auch der Ort, an dem die Diskussion wieder aufkommt, wohin sich der Sport mit dem kleinen, weißen Ball entwickelt.

Stilsicher oder Etikettenbruch? Der Deutsche Marcel Siem mit umgedrehter Cap vor seinem Put.
Stilsicher oder Etikettenbruch? Der Deutsche Marcel Siem mit umgedrehter Cap vor seinem Put. Foto: Löb/dpa
Stilsicher oder Etikettenbruch? Der Deutsche Marcel Siem mit umgedrehter Cap vor seinem Put.
Foto: Löb/dpa

REUTLINGEN. Mit der British Open, die an diesem Wochenende in Nordirland auf dem Royal Portrush Platz ausgespielt werden, steht das letzte Golf-Major-Turnier des Jahres im Kalender. The Open, das bedeutet Geschichte und Prestige. Das älteste Golfturnier wird seit 1860 in Großbritannien ausgespielt. Seinen Namen hat es aufgrund der Turnierart. Grundsätzlich kann jeder teilnehmen - er muss sich nur qualifizieren. Wer die Open gewinnt, gehört zweifelsohne zu den Größten des Sports, schließlich findet der Golfsport seine Wurzeln auf den weltberühmten Linkskursen an den Küsten der britischen Inseln. Linkskurs steht für in das Land eingebette Plätze an der Küste, man spielt also mit den Dünen und den Unebenheiten, die der Untergrund bietet. Und um Geld geht es natürlich auch - die erste Siegprämie betrug 1864 sechs Pfund, in diesem Jahr fährt der Sieger mit 3,1 Millionen US-Dollar nach Hause.

Bermudashorts und Polohemden, das war einmal

Es gibt sicher kaum einen Sport, der so klischeebehaftet ist wie Golf. Der Porsche, der Spaziergang mit einem Ball und die High Society. Und sicher, das ein oder andere gibt es nach wie vor. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Golf sich in einer Transformation befindet. Bermudashorts und Polohemden? Das war einmal. Die Vereine haben sich geöffnet, die Mitgliederzahlen wie im Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl sind positiv. Es gibt keine so strengen Kleiderordnungen mehr, die Etikette ist entspannter geworden und es gibt eine Reihe an attraktiven Angeboten für Jung bis Alt.

Zudem wurden die Sportoutfits in den letzten Jahren immer modischer. Die Technik hinter den Schlägern und Bällen immer besser, noch stärker an sportlicher Höchstleistung orientiert. Daten jeglicher Art gehören zum Standardreportoire in der Entwicklung. Auf Social Media finden sich immer mehr Golf-Influencer, die ganz und gar nicht dem Klischee entsprechen. Und das spiegelt sich auch im mittlerweilen breitgefächerten Publikum wider, wie bei den BMW International Open in München vor zwei Wochen, dem einzigen deutschen Profi-Golfturnier der DP World Tour, der »zweiten Liga« im Golf.

LIV-Tour vs. PGA-Tour

Und diese Entwicklung macht bei den Profis nicht Halt. 2022 wurde die LIV-Tour gegründet, Greg Norman ihr Geschäftsführer. Das Event wurde als Gegenstück zur PGA-Tour, der Topliga aus den USA, mithilfe des saudischen Staatsfonds PIF entworfen. Es läuft laute Musik auf dem ganzen Platz, die Stimmung gleicht einem großen Festival und gelingt einem der Profis ein Kunstschlag, fliegen schnell auch mal die Bierdosen auf das Grün. Auch die strengen Kleiderordnungen der PGA, finden sich nicht in den Regularien der LIV-Tour wieder. Im Gegenteil: LIV-Golf steht für Entertainment, für das nächste Zeitalter des Golfsports. Und dabei mischen die Topstars voll mit. Zwar spielen Rory McIlroy und Scottie Scheffler, zwei der ganz großen Namen, noch auf der PGA-Tour. 2022 folgten aber auch Topspieler wie Major-Sieger Bryson DeChambeau, Brooks Koepka und Phil Mickelson dem Ruf von LIV. Von zweitklassig kann da kaum die Rede sein.

Die Unterschiede sind auch im Sportlichen ersichtlich. Jeder Spielt erhält mit seinem Antritt automatisch Geld plus die Prämie aus der Platzierung, zudem werden nur drei Runden gespielt. Bei der PGA Tour sind es vier - von Freitag bis Sonntag - und vor dem Wochenende wird ein Cut gemacht. Bedeutet: Wer es nicht in die erste Hälfte des Teilnehmerfeldes schafft, der fährt auch mit leeren Taschen nach Hause.

Frei von Kritik ist die LIV-Tour nicht. Das Geld kommt aus einem Land, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, der saudische Staatsfond als Geldgeber speist sich aus den Öl-Milliarden und viele Kritiker sehen die sportliche Leistung verwässert. So macht es auf der PGA-Tour einen großen Unterschied, ob man ins Wochenende kommt (und damit ein mindestens fünstelliges Preisgeld kassiert) oder leer ausgeht, bei LIV ist der Unterschied zwischen dem 50. und 51. marginal. Dies führte auch zum großen Streit zwischen den beiden Touren, wodurch die LIV-Tour-Spieler eine Zeit lang von den PGA-Turnieren ausgeschlossen worden sind, inklusive den großen Major-Events. Seit dem letzten Jahr gibt es aber zumindest für diese Turniere eine Ausnahmeregelung, die jedem Spieler die Teilnahme erlaubt.

Cap nach vorne und klassischer Kragen

Es gibt aber auch Vorzüge. Martin Kaymer, die ehemalige Deutsche Nummer eins der Welt spielt auf der LIV-Tour und kritisierte in einem Interview im Rahmen der BMW International Open die Strenge auf dem Platz hinsichtlich der Kleiderwahl. So wurde Lokalmatador Marcel Siem dazu angehalten, seine Cap mit dem Schirm nach vorne aufzuziehen und Kaymer sollte einen richtigen Kragen tragen. »Wo wollen wir hin mit dem Sport? Ich finde, wir müssen lockerer werden«, sagte der deutsche Spitzengolfer in München.

An diesem Wochenende bleibt es aber vorerst wie gehabt, schließlich sind The Open heilig. Aber das Aufeinandertreffen der Stars beider Touren bringt immer auch Zündstoff mit und wirft die Frage auf, wie sie aussieht: Die Zukunft des Golfsports. (GEA)