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Die pure Vorfreude auf die EM in der Schweiz

Nationalspielerinnen wie Laura Freigang können das Trainingslager vor der EM in der Schweiz kaum erwarten

Hat große Lust auf die Vorbereitung im Team-Quartier in Herzogenaurach: Nationalspielerin Laura Freigang. FOTO: WITTERS
Hat große Lust auf die Vorbereitung im Team-Quartier in Herzogenaurach: Nationalspielerin Laura Freigang. FOTO: WITTERS
Hat große Lust auf die Vorbereitung im Team-Quartier in Herzogenaurach: Nationalspielerin Laura Freigang. FOTO: WITTERS

HERZOGENAURACH. Die Zeiten liegen gar nicht so lange zurück, da saß Laura Freigang eher mäßig gelaunt in den für Interviews genutzten Räumlichkeiten des Multifunktionsgebäudes »Halftime« auf dem riesigen Gelände des Sportartikelausrüsters Adidas. Die Fußballerin von Eintracht Frankfurt, das Gesicht ihres Vereins, wusste bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft viele Jahre eigentlich nie so genau um ihre Rolle. Und zitterte vor zwei Jahren in Herzogenaurach noch um ihre WM-Teilnahme.

Unter Bundestrainer Christian Wück ist vieles anders. Die 27-jährige Offensivspielerin weiß wie alle 23 Spielerinnen mit Eintreffen im Trainingslager am Donnerstag schon Bescheid, dass es am 30. Juni direkt nach Zürich ins Basecamp für die vom 2. bis 27. Juli terminierte EM in der Schweiz geht. Nur eine Verletzung kann Wücks Auserwählte noch ausbremsen. Entsprechend positiv geht Freigang als ein deutsches Sprachrohr den finalen Feinschliff in der fränkischen Wohlfühloase an: »Wir werden die Tage nutzen, um uns einzuschwören. «Herzo» ist der beste Ort für den Zeitraum vor einem großen Turnier: Ich bin ein großer Fan.«

»Herzogenaurach ist der beste Ort für den Zeitraum vor einem großen Turnier: Ich bin ein großer Fan«

Und für einen Werbepartner verriet sie diese Woche in Berlin: »Wir glauben den Titel.« Zwar spiele es sich mit solchen Ansprüchen nicht immer am besten, erklärte Freigang, »aber wir wissen, dass wir das schaffen können«. Die pure Vorfreude hat ein deutsches Sprachrohr auch auf Instagram geteilt und mit dem Hinweis versehen; »unfassbar dankbar« zu sein, nominiert zu sein. Offenbar hat Wück das richtige Gespür besessen, im Gegensatz zur Vorgängerin Martina Voss-Tecklenburg keinen langwierigen Ausleseprozess abzuhalten, der nur zu internen Verstimmungen führt. Das Kontrastprogramm geht sogar so weit, dass der 52-Jährige nicht mal mehr ein Testspiel vor dem ersten EM-Partie gegen Polen am 4. Juli in St. Gallen bestreiten wollte.

Einen zusätzlichen Impuls versprechen sich die Verantwortlichen von der vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Nia Künzer. Nicht jeder hatte erwartet, dass die in ihrer aktiven Karriere gerne auf das Golden Goal zum ersten WM-Titel 2003 reduzierte Sportdirektorin sich vorzeitig bis 2029 an den DFB bindet. Bei ihrem Amtsantritt 2024 hatte die öffentlich zwar etwas zurückhaltende, aber intern nicht konfliktscheue Künzer noch offen gelassen, ob sie in ihren früheren Beruf als Leiterin eines Dezernat für Integration, Sozialbetreuung und Ehrenamt beim Regierungspräsidium Gießen mit einem fast 40-köpfigen Team zurückkehrt.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf wollte nach der Vertragsverlängerung mit Sportdirektor Rudi Völler bis 2028 bei den Männern auch bei den Frauen eine langfristige Lösung. Die 45-Jährige, die wegen insgesamt vier Kreuzbandrissen nur 34 Länderspiele betritt, habe »mit ihrem klaren Plan, ihrer Fußballexpertise, Beharrlichkeit und Weitsicht sowie ihrer Führungskompetenz wichtige Weichen zur Weiterentwicklung in diesem für den DFB hoch priorisierten Bereich gestellt«, so Neuendorf. Dass der Verband ihren Aufgabenbereich auf die weiblichen Auswahlteams U 19, U 20 und U 23 – damit den gesamten Übergangsbereich bis ins Nationalteam – ausweitete, dürfte eine Gehaltserhöhung gerechtfertigt haben.

Die zweifache Mutter wähnt die DFB-Frauen als das zweitwichtigste Aushängeschild des deutschen Fußballs auf dem richtigen Weg. »Mit dem Erreichen des Final Four der Nations League 2024 und 2025 sowie der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Paris konnten wir erste Erfolge feiern. Wir haben weitere große Ziele – ich spüre eine große Überzeugung innerhalb des DFB, diese Agenda gemeinsam umzusetzen«, sagte Künzer. »Es war mir zudem wichtig, dass vor unserer Euro in der Schweiz Klarheit herrscht, damit wir mit vollem Fokus aufs Sportliche in unser Turnier starten können.« Die Sportdirektorin saß vor einer Woche ausgesprochen gut gelaunt auf dem sonnenüberfluteten Podium der Pressekonferenz zur Kaderpräsentation im Europa-Park in Rust, um unter der Schweizer Bobbahn die Mission »Gipfelsturm« mit einer geschickten Formulierung auszurufen: »Als Spielerin geht man mit dem Zielbild Titel in ein Turnier.« Und als Managerin eines achtfachen Europameisters wohl auch. (GEA)