RUKA. Es ist Pia Finks große Chance. Die Chance, ihre Karriere zu krönen. Mit einer Medaille bei den Olympischen Spielen. Vizeweltmeisterin darf sich die Münsinger Langläuferin seit Planica 2023 schon nennen. Bronze gab es im WM-Staffelwettbewerb in der Vorsaison. Und nun könnte der große Coup folgen. Der Plan, wie das gelingen kann, steht bereits. Mit dem GEA sprach die 30-Jährige vor dem Weltcupstart am Freitag in Ruka (Finnland) über den bevorstehenden Winter.
Noch ist vom großen Rummel, der in der Supersaison mit Tour de Ski, Weltcup und den Olympischen Winterspielen wartet, nicht viel zu spüren. Im Allgäu, ihrer Wahlheimat, bereitete sich Fink zuletzt in aller Ruhe vor und tankte Kraft, bevor es richtig losgeht. Ein bisschen Entschleunigung darf auch sein, denn hinter dem Langlauf-Ass liegt eine kräftezehrende Vorbereitung samt intensivem Trainingslager in Muonio (Finnland). Dort konnte Fink bei einem Testrennen schon mal das Jubeln üben. Auf Platz drei kam sie über die Linie. Ein Abschluss der Phase vor der Saison, der ihr ein »super Gefühl« gibt.
»Ich bin sehr positiv gestimmt, dass ich an die letzte Saison anknüpfen und mich verbessern kann«
»Ich bin sehr positiv gestimmt, dass ich an die letzte Saison anknüpfen und mich verbessern kann«, betont Fink. Und das will etwas heißen. Denn die Spitzenathletin fuhr zuletzt ihr bestes Jahr überhaupt. Landete auf Platz 15 im Gesamtweltcup und sicherte sich zudem mit der Staffel Bronze bei der Weltmeisterschaft. Mit genau solchen Erfolgen liebäugelt sie auch diesen Winter. Die olympische Medaille, die in ihrer Sammlung noch fehlt, ist der große Traum. »Mit der Staffel haben wir in den letzten Jahren gezeigt, dass wir ganz vorne mithalten können. Es ist mein großes Ziel, dort laufen zu dürfen und um die Top Drei zu kämpfen.«
Und damit’s was wird, wurde und wird hart gearbeitet. »Ich hatte einen richtig guten Sommer. Bis auf eine Erkältung im Herbst bin ich gut durchgekommen«, erzählt die Starterin des SV Bremelau. Gemacht habe sie eigentlich alles genau wie im letzten Jahr. »Da hat es ja auch gut gepasst.« Konkret bedeutet das: viele Wochen Training in der Heimat und der bewusste Verzicht auf ein Höhentrainingslager. »Das hat bei mir nie den positiven Ausschlag gegeben«, erklärt die 30-Jährige. Das Ergebnis der Strapazen: »Ich habe einige Fortschritte gemacht.«
»Die ersten Weltcuprennen sind gleich richtig wichtig«
"Ich habe technisch einige Dinge besser umsetzen können", präzisiert Fink. Zudem stimmen die Ausdauerwerte, die vor der Saison auf dem Laufband bestimmt werden. Im Vergleich zum Vorjahr "hat man Verbesserungen gesehen", sagt die Münsingerin. Und so geht es mit einem guten Gefühl in die ersten Rennen. Aber immer auch ein wenig Nervosität, denn Anlaufschwierigkeiten sind im Olympia-Plan überhaupt nicht vorgesehen. »Die ersten Weltcuprennen sind gleich richtig wichtig«, betont die Distanz-Spezialistin. "Mein erstes Ziel ist es, die Qualifikation für die Spiele schnell abzuhaken. Das wäre eine große Erlösung." Einmal unter die besten Acht oder zwei Mal unter die besten Fünfzehn muss Fink dafür kommen. Bis Weihnachten soll ihr dieser Punkt nicht mehr Kopf herumschwirren, damit es vor der am 28. Dezember startenden Tour de Ski ein kurzes, aber ruhiges Fest werden kann.
Auch dort will Fink gut abschneiden, gibt aber offen zu, dass dieses Jahr alles im Schatten des »riesigen Ziels Olympia« stehe. »Da möchte ich mit der absolut besten Leistung an den Start gehen.« Vorgesehen ist deshalb auch eine kleine Wettkampfpause zwischen der Tour de Ski und dem Saisonhighlight in Val di Fiemme (Italien), das am 7. Februar beginnt. Klar ist aber auch: Ein Selbstläufer wird's fürs deutsche Team nicht. »Uns ist bewusst, dass alle vier Läuferinnen einen guten Tag erwischen müssen.«
»Es wäre natürlich cool, es wieder unter die besten 15 zu schaffen«
Und was ist das Ziel im Gesamtweltcup, in dem Fink zuletzt so stark war? »Oh, da habe ich mir bisher überhaupt keine großen Gedanken gemacht«, gesteht sie. »Es wäre natürlich cool, es wieder unter die besten 15 zu schaffen, aber wenn ich vor Olympia ein paar Rennen weglasse, fehlen ja gleich mal ein paar Punkte.« Doch das nimmt sie gerne in Kauf. Schließlich wartet in Italien die größte Chance ihrer Karriere. (GEA)

