Logo
Aktuell Fußball

Die Ära Wagner hat beim FC Augsburg begonnen

Der neue Trainer des Bundesligisten FC Augsburg spricht über seine Spielidee und was er verändern möchte.

Will seine Augsburger weiterentwickeln und aktiven Fußball spielen lassen: Sandro Wagner.  FOTO: LANGER/DPA
Will seine Augsburger weiterentwickeln und aktiven Fußball spielen lassen: Sandro Wagner. FOTO: LANGER/DPA
Will seine Augsburger weiterentwickeln und aktiven Fußball spielen lassen: Sandro Wagner. FOTO: LANGER/DPA

AUGSBURG. Sandro Wagner trägt blau. Eine Mischung aus Sakko und Hemd über einem T-Shirt seines persönlichen Sponsors. Um kurz nach elf Uhr betritt der Hoffnungsträger den Pressekonferenzraum der Augsburger Fußball-Arena. Oft tummeln sich hier nur wenige Journalisten. Diesmal aber ist der Raum voll. Ganz hinten stehen die TV-Kameras, in der ersten Reihe warten die Fotografen auf den ersten Auftritt des neuen Trainers des FC Augsburg.

Sehr wertschätzend sei das, dass so viele Leute da seien, sagt Wagner zu Beginn. Er sitzt in der Mitte des Podiums, flankiert von Geschäftsführer Michael Ströll und Denise Schäfer, der Direktorin Medien und Kommunikation. Fast eine Stunde lang dauert das Gespräch, Wagner muss viele Fragen beantworten.

Nach der Trennung von Jess Thorup hatten die Augsburger Verantwortlichen recht schnell Wagner als Wunschkandidaten für die Nachfolge auserkoren. Das erste Treffen mit Ströll sei sehr lang und intensiv gewesen, so Wagner. Müde sei er danach gewesen, aber auch angestachelt. Ströll hatte mit seinem Auftreten überzeugt. Und Wagner hatte signalisiert, dass er mit seinen Ambitionen und Ideen gut zum FCA passen könnte. »Sandro ist hochmotiviert und sehr ambitioniert. Er ist ein Menschenfänger mit einem klaren Plan und einer klaren Spielidee«, sagt Ströll.

Aktiven Fußball möchte Wagner künftig mit seinem Team zeigen. Fußball, der die Menschen im Stadion begeistert. Rein von den Ergebnissen möchte er den Erfolg einer Saison nicht bewertet wissen. Es gehe auch um Entwicklungsschritte. Wohl wissend, dass der Klassenerhalt beim FCA wieder über allem stehen wird.

Wagner hatte zuletzt beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Assistent von Julian Nagelsmann gearbeitet. Eigentlich hätte die Zusammenarbeit bis nach der WM im kommenden Jahr gehen sollen, Wagner aber hatte für sich erkannt, dass er selbst Cheftrainer werden möchte. So schnell wie möglich. Beim FCA bekam er die Chance. »Die Bundesliga ist eine der besten Fußball-Ligen der Welt, da gibt es 18 Trainer und einer kann ich davon sein. Das ist ein gutes Gefühl«, sagt er.

Sehr seriös sei der FCA, so Wagner, und bodenständig. Aber eben auch ambitioniert, wie er selbst. Alle Gegebenheiten für ein erfolgreiches Arbeiten seien vorhanden. Von einem Stadion, das »cool aussieht« bis hin zu perfekten Trainingsbedingungen. Am Montag stand Wagner erstmals mit seiner Mannschaft auf einem der drei Trainingsplätze. Nach den Leistungstests, die Ende vergangener Woche auf dem Plan gestanden waren, ist das der offizielle Auftakt in die Vorbereitung. Und damit in die Ära Wagner.

»Wenn die ein oder andere Bratwurst zu viel hier wäre, hätte ich es nicht gemacht«

Zumindest mal drei Jahre soll die andauern. »Ich habe für drei Jahre unterschrieben und habe nicht vor, nur drei Wochen zu bleiben. Ich werde mich dementsprechend benehmen«, sagt der 37-Jährige. Ein Zeitraum, den in den vergangenen Spielzeiten kein Trainer in Augsburg geschafft hat. Auch Vorgänger Jess Thorup nicht, dessen letzte Saison mit 43 Punkten ordentlich war. Ihm aber trauten die FCA-Bosse nicht den nächsten Entwicklungsschritt zu. Wagner dagegen schon.

Aktiver Fußball sei seine DNA, betonte er am Montag. Schiebt aber nach, dass das nicht zwangsläufig »Hauruck nach vorne« bedeute. »Wir werden auch mal verteidigen und leiden müssen«, erklärt Wagner. Er wird einiges verändern. Er wird keinen Mannschaftsrat mehr wie gewohnt bestimmen. Da habe er andere Ideen, betont er, die er zunächst mit der Mannschaft besprechen möchte.

Er stellt aber auch klar, dass »es gelogen wäre, dass jeder bei Null anfängt«. Natürlich werde er auch feststehende Hierarchien in seine Bewertung miteinfließen lassen, auch wenn ein neuer Trainer natürlich neue Chancen für einzelne Spieler mitbringe.

Samuel Essende erwähnt er. Ihm habe er bereits gesagt, dass das erste Jahr Bundesliga zum Ankommen war, jetzt könne er performen. Leistung zeigen also. Zumindest könnte die aktivere und wohl auch offensivere Spielidee Wagners den Stürmern mehr Freiraum verschaffen.

Vom aktuellen Kader sei er voll überzeugt. »Wenn die ein oder andere Bratwurst zu viel hier wäre, hätte ich es nicht gemacht«, sagt er. Ob es noch weitere Verstärkungen gebe? Wagner will nicht darauf eingehen. Ihm sei es lieber, über die Akteure zu sprechen, die bereits hier sind. Über die beiden Nachwuchskräfte Mert Kömür und Noahkai Banks, die vor Kurzem ihre Verträge verlängert haben. »Das sind zwei Topjungs, auf die ich mich richtig freue«, meint der Trainer.

Eine Wohnung im Zentrum von Augsburg hat Wagner bereits gefunden. Den Großteil der Woche werde er hier verbringen, nur gelegentlich die knapp 100 Kilometer zu seiner Familie nach Unterhaching fahren. »Ich habe auch schon den ein oder anderen Punkt in Flensburg, deswegen zieht es mich nicht mehr so oft auf die Autobahn«, sagt Wagner. Punkte in der Tabelle dagegen braucht er. Soviele wie nur möglich. (GEA)