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DFB-Team bei der Frauenfußball-EM: Mauern allein reicht nicht

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft im Verteidigungsmodus: Franziska Kett, links, kämpft mit Torhüterin Ann-Katrin Berger und Rebecca Knaak, rechts, um den Ball. Foto: Gaetan Bally/KEYSTONE/dpa
Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft im Verteidigungsmodus: Franziska Kett, links, kämpft mit Torhüterin Ann-Katrin Berger und Rebecca Knaak, rechts, um den Ball.
Foto: Gaetan Bally/KEYSTONE/dpa

Die Europameisterschaft in der Schweiz hat dem Frauenfußball werbewirksame Eindrücke beschert. Ein neuer Zuschauer-Rekord und hohe TV-Quoten geben der Sportart Rückenwind. Der Durchbruch ist es indes nicht. Die Initialzündung hatte es bereits vor drei Jahren in England gegeben, als die deutsche Elf erst im Endspiel gestoppt wurde.

Seither hat sich der Frauenfußball hierzulande beachtlich entwickelt. In der Bundesliga locken selbst Paarungen ohne Top-Teams schon mal Zehntausende ins Stadion, das Durchschnittsgehalt erfordert für die Spielerinnen inzwischen keine zweite Einnahmequelle mehr, die Trikots der Münchner Meister-Spielerinnen sind bei Fans ähnlich begehrt wie bei den männlichen Stars, und in der neuen Saison wird die Bundesliga um zwei Mannschaften aufgestockt.

Rosige Zeiten, jetzt muss die Nationalelf als Aushängeschild nur noch liefern. Das haben die Auswahlspielerinnen in den vergangenen drei Wochen gemacht – wenn auch anders als erwartet. Trotz Verletzungen, Sperren und permanenter Umstellungen ist das Team von Bundestrainer Christian Wück erst im Halbfinale ausgeschieden. Der Anspruch, zu den besten europäischen Teams zu gehören, wurde zweifellos erfüllt. Allerdings mit einer Spielweise, die eine Verlegenheitslösung war.

Das Abwehr-Bollwerk aus dem epischen Viertelfinal-Duell wurde plötzlich zur Methode der Wahl, zwei Vierer-Reihen brachten erst Frankreich zu Fall und Spanien beinahe ins Stolpern. Wille, Kampfgeist und Widerstandsfähigkeit übertünchten indes die auffälligen Defizite im Offensivbereich. Wer in fünf Spielen nur sechs Tore erzielt, weiß, wo der Schuh drückt. Spielerisch war Biederkeit Trumpf, was auch an Wücks häufigen Personal-Rochaden lag.

Mit Konterfußball allein werden sich höhere Ziele nicht verwirklichen lassen. Kreative, spielfreudige Mannschaften wie Frankreich oder Spanien scheinen Jahre Vorsprung zu haben.

Auch in einem anderen Bereich fehlt es: An echten Stars. Ann-Katrin Bergers Selbstkritik ehrt sie, aber die Torhüterin will kein Star sein. Einst gab es in der Nationalmannschaft Typen wie Nadine Angerer, Lira Bajramaj, Dzsenifer Marozsan oder Alexandra Popp. Für den nächsten Schritt braucht es auch solche Vorzeige-Figuren, die über das rein Fußballerische hinaus die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Sportart lenken.

 

frank.pleyer@gea.de