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Deutscher Biathlet Zobel im GEA-Interview: »Das ist nicht gut für unseren Sport«

Der deutsche Biathlet David Zobel spricht vor dem Start der neuen Wintersportsaison im GEA-Interview über den Puls am Schießstand, die Wachs-Problematik und die Olympischen Spiele 2026 in Italien.

David Zobel will sich im Weltcup-Team etablieren.
David Zobel will sich im Weltcup-Team etablieren. Foto: Petter Arvidson/Witters
David Zobel will sich im Weltcup-Team etablieren.
Foto: Petter Arvidson/Witters

MURNAU. Kaum eine andere Sportart wie Biathlon kann so schnell zum Wechselbad der Gefühle werden. Ein einziger Schuss entscheidet oft über Sieg oder Niederlage. Das kennt auch David Zobel (28) vom deutschen A-Kader. Erst flog er vergangene Saison nach zwei schlechten Weltcuprennen aus dem Kader. Dann führte er bei der Europameisterschaft in Südtirol das deutsche Team als Schlussläufer zur Silbermedaille. Nun liegt sein Fokus voll auf den Olympischen Spielen 2026 in Italien. Zuvor startet die neue Saison am 29. November in Östersund/Schweden.

GEA: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die kommende Saison?
David Zobel: Ich möchte bei den Olympischen Spielen 2026 in Antholz in Italien starten. Und wenn man für Deutschland ein Rennen bei den Spielen läuft, dann ist auch automatisch eine Medaille das Ziel. Daran will ich mich messen lassen und werde alles dafür geben.

Wie sieht der Weg zu den Olympischen Spielen aus?
Zobel: Erstmal muss ich die Qualifikation im November erfolgreich durchlaufen und mich dann Stück für Stück im Weltcup-Team etablieren. Mein Ziel ist, konstant zu schießen mit 90 Prozent Trefferquote und im Laufen den Rückstand auf die Weltspitze auf unter drei Prozent halten.

Zur Person

David Zobel wurde 1996 in Starnberg geboren und ist ein deutscher Biathlet. Der 29-Jährige gewann 2016 und 2017 vier Medaillen bei Juniorenweltmeisterschaften und debütierte 2021 im Weltcup, wo er 2022 erstmals in einem Einzelrennen das Podest erreichte. Im Winter 2022/23 gehörte Zobel erstmals durchgängig zum deutschen Weltcupteam. Sein bestes Einzel-Ergebnis war ein dritter Platz im 20-Kilometer-Einzelrennen im finnischen Kontiolahti im November 2022. Mit der deutschen Männer-Staffel lief der Bayer in seiner bisherigen Profi-Karriere insgesamt fünf Mal aufs Podest. (GEA)

Sie kommen aus Oberbayern. Warum sind Sie nach Oberhof gewechselt?
Zobel: Meine Karriere war so ein bisschen am Stagnieren. Dann war für mich die Frage: Höre ich jetzt auf mit Biathlon oder versuche ich wirklich nochmal alles? Es war dann aber relativ schnell für mich klar: ich möchte es auf jeden Fall probiert haben, sonst werfe ich mir das mein Leben lang vor. Und dann habe ich den schweren Schritt gemacht – aus der Heimat weg nach Oberhof.

Was bedeutet Ihnen Heimat?
Zobel: Das bedeutet mir sehr viel. Ich habe hier meine Familie und viele Freunde rund um den Staffelsee in Murnau. Der Wechsel nach Thüringen hat sich aber absolut gelohnt. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht und wurde in Oberhof sehr gut aufgenommen. Ich habe sofort gemerkt, es geht wieder in die richtige Richtung. Nur ein Jahr nach dem Wechsel hatte ich mein Weltcup-Comeback. Jetzt muss es sich weiter auszahlen.

David Zobel beim Sommertraining im Blauen Land bei Murnau
David Zobel beim Sommertraining im Blauen Land bei Murnau Foto: Frank Schwaibold
David Zobel beim Sommertraining im Blauen Land bei Murnau
Foto: Frank Schwaibold

Erkläre Sie unseren Lesern bitte mal das Schießen! Mit welchem Puls kommt man an den Schießstand und was muss man tun, um gut zu treffen?
Zobel: Es ist von Athlet zu Athleten relativ unterschiedlich. Mein Maximalpuls liegt bei 194 bis 196. Am Anfang der Saison ist er höher als gegen Ende. Zum Schießstand komme ich so mit einem Puls von um die 180. Das geht dann während des Schießens etwas nach unten. Das Ziel ist aber nicht, den Puls so niedrig wie möglich zu bekommen, denn im Bereich zwischen 140 bis 150 merken wir den Pulsschlag viel extremer als mit 175. Bei 140 wird der Pulsschlag viel härter, und das überträgt sich auf die Waffe. Dadurch wird es noch viel schwieriger zu treffen.

Um schnell laufen zu können, braucht man einen optimal präparierten Ski. Jetzt gab es vor zwei Jahren das Fluor-Verbot. Warum kam es dazu und was hat sich seither daraus entwickelt?
Zobel: Die EU hat eine Richtlinie herausgegeben, dass das Wachsen mit Fluor aus Umwelt-Gründen verboten wird. Deshalb musste die Internationale Biathlon Union reagieren und hat das Fluor bei den Wettkämpfen verboten. Dementsprechend werden unsere Skier vor und nach dem Start mit einem Gerät gemessen, um zu überprüfen, ob da immer noch Fluorbestände auf dem Ski sind. Wenn das Gerät anzeigt, dass kein Fluor auf dem Ski war, dann wird man für den Wettkampf gewertet. Ansonsten wird man disqualifiziert.

»Die Skitechniker konnten nicht mehr auf ihre langjährigen Erfahrungen zurückgreifen. Jeder hat wieder bei Null angefangen«

Welche Folgen hatte das Fluor-Verbot?
Zobel: Die Skitechniker im Biathlon, aber auch im Langlauf und beim Skispringen konnten nicht mehr auf ihre langjährigen Erfahrungen zurückgreifen. Jeder hat wieder bei Null angefangen. Jeder musste was Neues herausfinden, neue Produkte ohne Fluor. Wenn unser Techniker sich falsch entschieden hatte, dann hatten wir einen deutlich schlechteren Ski am Fuß als eine andere Nation. Oder es lief eben genau andersherum. Dann hatten wir den besseren Ski.

Hat sich die Leistungsdichte seit dem Fluor-Verbot verändert?
Zobel: In den beiden letzten Jahre musste man häufig feststellen, dass an gewissen Tagen bestimmte Nationen einfach unschlagbar waren. Auffällig ist, dass bei sehr nassen und warmen Bedingungen das Fluor früher sehr geholfen hatte. Jetzt werden bei diesen Bedingungen die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Läufern immer größer. Das dient nicht der Spannung und ist nicht gut für unsere Sportart. Ich hoffe, dass die Unterschiede in der kommenden Saison wegen der besseren Erfahrungswerte der Techniker geringer werden.

Gibt es eine Nation, die seit dem Fluor-Verbot die besten Skier am Fuß hat?
Zobel: Norwegen hat allen anderen Nationen definitiv etwas voraus. Im ersten fluorfreien Jahr hatten unsere Techniker allerdings bei kaltem Wetter eine sehr gute Wachsmischung gefunden. Da waren wir die Besten bei Kälte. Im ersten Drittel der damaligen Saison war es sehr kalt und wir hatten viele Podestplätze. Die restliche Saison war es dann sehr warm und wir waren fast nicht mehr konkurrenzfähig. Bei den Franzosen war es genau andersherum. Die sind bei kalten Bedingungen überhaupt nicht klargekommen, haben dann aber bei der WM 2024 im tschechischen Nove Mesto alles abgesahnt. Da hatten die Franzosen das perfekte Set-up. So sticht immer mal wieder eine Nation heraus. Aber über die ganze Saison betrachtet haben die Norweger klar den besten Ski.

Super Stimmung in Ruhpolding. Die deutsche Herrenstaffel freut sich über Platz zwei beim Weltcuprennen im Januar 2023: (von link
Super Stimmung in Ruhpolding. Die deutsche Herrenstaffel freut sich über Platz zwei beim Weltcuprennen im Januar 2023: (von links) Roman Rees, David Zobel, Johannes Kühn und Benedikt Doll. Foto: Hoppe/dpa/dpa
Super Stimmung in Ruhpolding. Die deutsche Herrenstaffel freut sich über Platz zwei beim Weltcuprennen im Januar 2023: (von links) Roman Rees, David Zobel, Johannes Kühn und Benedikt Doll.
Foto: Hoppe/dpa/dpa

Wo gehen Sie am liebsten an den Start?
Zobel: Antholz ist von der Kulisse her gigantisch. Gleich danach kommt Oslo. In Oberhof, Le Grand-Bornand und Ruhpolding ist die beste Stimmung. Vor den heimischen Fans macht es halt auch extrem Spaß, in einen Wettkampf zu starten. (GEA)