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Aktuell Kommentar

Der Knoten ist bei den deutschen Handballerinnen geplatzt

Mit dem Rückenwind des Heimvorteils holen die deutschen Handballerinnen die erste WM-Medaille seit 18 Jahren. Bundestrainer Markus Gaugisch hat großen Anteil daran, findet GEA-Redakteur Frank Pleyer.

Rückraumspielerin Viola Leuchter ist einer der deutschen Trümpfe, die sich bei der Heim-Weltmeisterschaft ins Rampenlicht spielt
Rückraumspielerin Viola Leuchter ist einer der deutschen Trümpfe, die sich bei der Heim-Weltmeisterschaft ins Rampenlicht spielten. Foto: Van Den Broek/Witters
Rückraumspielerin Viola Leuchter ist einer der deutschen Trümpfe, die sich bei der Heim-Weltmeisterschaft ins Rampenlicht spielten.
Foto: Van Den Broek/Witters

REUTLINGEN. Es sind goldene Wochen für Mannschaftssportarten der deutschen Frauen. Erst haben die Fußballerinnen mit dem Final-Einzug in der Nations League gezeigt, dass mit ihnen wieder zu rechnen ist. Dann setzten die Handballerinnen noch einen drauf, indem sie ins Endspiel der Weltmeisterschaft stürmten und erstmals seit 18 Jahren wieder Edelmetall bei einem Großereignis holten.

In den vergangenen Jahren war das Team über Viertelfinal-Teilnahmen und die Ränge sechs oder sieben nicht hinausgekommen. Nun aber ist der Knoten mit WM-Silber geplatzt. Der Heimvorteil, der einst schon die deutschen Männer 2007 zum WM-Titel trug, war ein Faustpfand, das seit dem Auftaktspiel das Team um Mannschaftsführerin Antje Döll beflügelte. Hinzu kam eine günstige Auslosung. Den ganz großen Namen gingen die Co-Gastgeberinnen bis zum Viertelfinale aus dem Weg, konnten sich stattdessen mit einer Sieges-Serie viel Selbstvertrauen holen.

Abwehr legt Grundstock

Der wichtigste Faktor für den Aufschwung ist die stark verbesserte Abwehr. Hier legten Döll & Co. im Zusammenspiel mit Torhüterin Katharina Filter, die an einem guten Tag ein Spiel allein entscheiden kann, den Grundstock für den Durchmarsch. Wer gegen Titelverteidiger Frankreich, das zu Turnierbeginn reihenweise mehr als 40 Treffer pro Partie erzielte, lediglich 23 Gegentore zulässt, hat sehr viel richtig gemacht. Dazu kam der Zusammenhalt, das Team wirkte wie eine verschworene Gemeinschaft, jede Spielerin akzeptierte, dass viel gewechselt wurde.

Einen großen Anteil am Erfolg hat daher Markus Gaugisch aus Nehren. Der Bundestrainer bewies ein goldenes Händchen, als er den WM-Kader zusammenstellte. Ein Mosaikstein passte zum anderen. Mit der selbst Experten zuvor wenig bekannten Aimée von Pereira baute er ein ganz wichtiges Puzzle-Stück in die Verteidigung ein. Hinzu kamen die unbekümmerten Youngster Nieke Kühne und Nina Engel im Rückraum, die viel frischen Wind brachten und dafür sorgten, dass die Breite des Kaders ein echter Trumpf war. Mit der wurfgewaltigen Viola Leuchter wächst zudem eine Spielerin heran, die an das frühere Aushängeschild Grit Jurack erinnert. Die deutsche Mannschaft stellte nicht die besten Einzelspielerinnen, war aber als Mannschaft individuell stärkeren Teams wie Spanien und Frankreich überlegen. Die Vertragsverlängerung von Gaugisch dürfte daher nur noch eine Formsache sein.