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Aktuell Gala

das sind die Sportler-des-Jahres-Macher

Am Sonntag findet die 79. Auflage der traditionsreichen Veranstaltung statt. So geht es hinter den Kulissen zu.

Das Organisationsteam hinter der renommierten Gala: Beate, Klaus und Deborah Dobbratz (von links).  FOTO: WALKER
Das Organisationsteam hinter der renommierten Gala: Beate, Klaus und Deborah Dobbratz (von links). FOTO: WALKER
Das Organisationsteam hinter der renommierten Gala: Beate, Klaus und Deborah Dobbratz (von links). FOTO: WALKER

BADEN-BADEN. Vorhang auf für die 79. Auflage zur Gala »Sportler des Jahres« in Baden-Baden. Es ist der gesellschaftliche Höhepunkt des deutschen Sports zum Ende eines langen Jahres. Die Limousinen mit den besten Athleten der vergangenen zwölf Monate und Legenden vergangener Tage fahren durch den Weihnachtsmarkt zum Kurhaus, nach den Fotoshootings auf dem roten Teppich geht es die Treppe hinauf in den Bénazetsaal, wo mit imposanter neuer Bühnengestaltung und Lichter-Spots die Ehrungen anstehen.

Hinter den Kulissen der Gala steht bis heute ein Name: der der Familie Dobbratz. 1947 fragte der Stuttgarter Sportjournalist und Gründer der Agentur Internationale Sportkorrespodenz (ISK), Kurt Dobbratz, erstmals: »Wer ist eigentlich der beste Sportler des Jahres?« Tennis-Baron Gottfried von Cramm, Wimbledon-Finalist, war der erste von 110 Preisträgern bis heute. Auf den Gala-Pionier Kurt Dobbratz folgten 1985 Klaus und Beate Dobbratz. Seit 2019 rückte auch Tochter Deborah ins Organisationsteam auf.

Wertschätzung entgegenbringen

»Wir wollen den Sportlern in unserem Wohnzimmer Baden-Baden unsere Wertschätzung entgegenbringen«, sagen sie unisono. Sie verstehen sich als »Diplomaten für den Olympischen Sport«. Noch nie ist ein Fußballer gewählt worden. Geehrt werden die herausragenden Sportler eines Jahres nicht nach Gehalt oder Prämienlisten, sondern nach Leistung, Haltung und Fair Play. Deswegen stehen nicht selten Sportler der Randsportarten ganz oben: Ruderer, Radsportler, Rhythmische Sportgymnastinnen. 18 Mal waren es Leichtathleten, zehnmal die Fußball-Nationalmannschaft, Bayern München (4) und Borussia Dortmund (3) als erste Mannschaft des Jahres 1957.

Schwimmer Michael Groß, Tennis-Legende Boris Becker und Hochsprung-Doppel-Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth wurden jeweils viermal zu den deutschen Vorzeigesportlern gekürt. Steffi Graf, die »Grande Dame« des Tennissports, erhielt zwischen 1986 und 1999 als einzige fünfmal den Titel »Sportlerin des Jahres«.

Die Zehnkämpfer Willi Holdorf, Kurt Bendlin, Guido Kratschmer, Thorsten Voss, Frank Busemann und Niklas Kaul machten ihrem Ruf als »König der Athleten« regelmäßig die Ehre. Und wer sind die Kandidaten in diesem Jahr?

Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer und die fünffache Sportgymnastin und Vorjahres-Siegerin Darja Varfolomeev sind die heißesten Kandidaten. Und an den begeisternden Basketball-Europameistern kommt man wohl nicht vorbei. Doch das Ergebnis bleibt wie immer bis zuletzt ein Geheimnis.

Bevor die Ehrungen auf der Bühne stattfinden, muss im Büro in Bempflingen schweißtreibende Arbeit geleistet werden. Am Anfang der Gala 1947 holte ISK-Chef Kurt Dobbratz die Stimmen von 20 Zeitungen per Telefon ein. Dann tickerte jahrelang das Fax und heute wählen rund 1.000 Sportjournalisten per Mausklick ihre Favoriten. »Wir spüren an allen Enden, dass «Sportler des Jahres» eine begehrte Marke geworden ist.« Und um diese Marke zu vermarkten, geben Klaus, Beate und Deborah Dobbratz alles. Ein Ganzjahresjob inzwischen. Auswertung der Wahl, Organisation des Festabends vom roten Teppich über das Catering, die Arrangements mit dem ZDF, das den deutschen Sport im Abendkleid und Smoking traditionell in die Wohnzimmer transportiert.

Knifflige Aufgaben zu lösen

»Das Flair ist einzigartig«, motiviert sich die Dobbratz-Familie. Nach der 79. Gala-Veranstaltung ist vor der Gala 2026. Davor sind aber noch einige knifflige Aufgaben bei der Anreise zu lösen. Ein Drittel der Gala sind Sportler, ein Drittel Medienvertreter und ein weiteres Drittel Sponsoren. Bis die alle im Saal platziert sind, vergießt die Dobbratz-Familie Schweißtropfen. Klaus Dobbratz hat so seine Erfahrungen. Da sind die Skispringer aus Engelberg (Schweiz) per Helikopter nach Zürich und von dort im Privatjet nach Baden-Baden zu bringen. Michael Schumacher hat sich 1995 nach dem Flug im Privatjet von Straßburg an die Oos auch mal selber ans Steuer gesetzt, um schnellstmöglich auf die Bühne zu kommen. »Unsere Sportler kommen alle ohne Gage, Sportler des Jahres ist eine immaterielle Ehrung«, betont Dobbratz. Am meisten beeindruckt habe ihn Turner Fabian Hambüchen wegen dessen Bodenständigkeit. Ein Höhepunkt war der gemeinsame Auftritt von Steffi Graf und Boris Becker auf dem Gala-Thron. »Da war selbst Ministerpräsident Lothar Späth der Stolz über seine beiden Landeskinder aus dem Smoking geschwollen.«

Die Gala und der Livestream beginnen am Sonntag um 20 Uhr, die Sondersendung im ZDF folgt um 22.15 Uhr mit den Moderatoren Lena Kesting und Sven Voss, die das jährliche Prozedere ankündigen: »Sportler des Jahres 2025 sind….« (GEA)