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Das Schönste dieser Euro

Fußball
Ein Fußball liegt auf dem Rasen. Foto: Tobias Hase/dpa/Symbolbild
Ein Fußball liegt auf dem Rasen.
Foto: Tobias Hase/dpa/Symbolbild

Wie das immer so ist. Wenn sich der sportliche Wettbewerb dem Ende zuneigt, bleibt immer auch ein wenig Wehmut. Auch bei dieser merkwürdigen Europameisterschaft, die der Europäischen Fußball-Union Uefa vermutlich den Rest ihres ohnehin ramponierten Images gekostet hat. Ein wenig Wehmut trotz des hohen Risikos, das nach dem Finale in Europa vermutlich unberechenbare Folgen zeitigen wird. Weil es unvorstellbar ist, dass sich in London in und um Wembley, am Piccadilly Circus und anderen Zentren der Millionenmetropole nicht noch Hunderte infiziert haben. Von Sankt Petersburg und Budapest ganz zu schweigen. Man wird sehen.

Das Finale steht aus, die ersten Bilanzen sind geschrieben, Sonntag um Mitternacht ist diese erste und letzte paneuropäische Europameisterschaft Geschichte. Die Geschichte der Dänen wird noch lange erzählt werden, die Geschichte der italienischen Squadra Azzurra auch – und der Siegeszug der Engländer, die nach 55 Jahren erstmals wieder im Finale eines großen Wettbewerbs stehen. Die deutsche Nationalmannschaft verkommt da zu einer Fußnote, fast nicht mehr der Rede wert.

Ralf Rangnick, dessen große Karriere auch Reutlingen streifte, hat die Mannschaft des letzten Auftritts von Joachim Löw als »zusammengewürfelten Mix« bezeichnet, »damit gewisse Spieler auf dem Platz stehen konnten«. Nichts »stimmiges Ganzes« hat der Fußball-Professor gesehen, wie er der Süddeutschen Zeitung ebenso wortreich wie analytisch nachvollziehbar schilderte. England, Italien, Dänemark, Tschechien, die Schweiz, sogar die Ukraine und die Ungarn präsentierten dagegen leistungsstarke Kollektive, die wussten, was sie spielen wollten, und überzeugt von dem waren, was sie taten.

Dass ein solches Turnier nur von funktionierenden Mannschaften gewonnen werden kann, ist an dieser Stelle mehrfach betont worden. Und vielleicht ist das die gravierende Erkenntnis dieses Turniers. Dass man Mannschaften nicht kurz vorher anders aufstellt, weil es nur einen kurzfristigen Erfolg zu realisieren gilt, hat Joachim Löw schmerzlich erfahren müssen. Ob er sich die Spiele der Konkurrenz noch angeschaut hat, ist nicht überliefert. Löw ist wie immer abgetaucht, mit dem Unterschied, dass sich dieses Mal kaum einer fragt, was aus ihm wird. Noch eines vielleicht. Die mentale Komponente wird im Fußball vielfach immer noch unterschätzt. Was Einstellung bewegen kann, hat Dänemark nach Christian Eriksens erfolgreichem Überlebenskampf eindrucksvoll bewiesen. Es war das Schönste dieser Euro.