STUTTGART. Alexander Zverev hat beim Tennis-Turnier in Stuttgart seinen ersten Rasentitel verpasst. Im Finale am Sonntag unterlag der Olympiasieger gegen Angstgegner Taylor Fritz. Bereits in den vier Spielen davor konnte der Hamburger ihn nicht schlagen. Mit der 3:6, 6:7 (0:7)-Niederlage endete auf dem Gelände des TC Weissenhof eine Woche mit sportlichen Highlights und kuriosen Momenten.
- Das Finale
Viel mehr ging nicht. Im Finale traf Zverev (Nummer drei der Welt) auf Fritz (Nummer vier der Welt), der US-Boy sicherte sich nach einer starken Woche verdient den Sieg. Der 27-Jährige trat konstanter als sein deutscher Widersacher auf und ließ ihm vor allem bei eigenem Aufschlag nicht den Hauch einer Chance. Zverev kam im ganzen Spiel zu keinem Breakball. Mit seiner Leistung in der Landeshauptstadt war der zweite Gewinner dennoch glücklich. »Ich habe aus der Woche alles rausgeholt, was ich haben wollte. Gute Trainingseinheiten, gute Matches.« Der 28-Jährige machte schon vor dem Turnierstart klar, dass er die Tage vor allem als Vorbereitung auf die Rasensaison nutzen wollte. »Ich habe genug, bleib weg von mir. Komm’ bitte die nächsten zwei, drei Jahre nicht mehr nach Deutschland«, scherzte die deutsche Nummer eins während der Siegerehrung in Richtung Fritz. Am Tag zuvor setzte sich Zverev mit 7:6 (10:8), 7:6 (7:1) gegen den an Nummer drei gesetzten Ben Shelton (USA) im Halbfinale durch.
- Der Ausraster
Nach seiner Erstrundenniederlage brannten beim Italiener Fabio Fognini die Sicherungen durch. Erst zertrümmerte er seinen Schläger, dann durfte sich Sieger Corentin Moutet einiges anhören. Beim Abklatschen sagte er zu seinem Kontrahenten: »Schau mich an, du kleines Schwein.« Der Franzose reagierte cool und ging einfach seines Weges. Fognini rief hinterher: »Du bist ein Stück Scheiße.«
- Die Stimmung
Die Woche auf dem Gelände des TC Weissenhof entpuppte sich als Tennis-Fest. Bereits die Tage vor dem Hauptturnier waren bestens besucht. Als es nach der Qualifikation dann richtig losging, war alles voll. »Zusehertechnisch haben wir wieder einen kleinen Sprung nach vorne gemacht«, freute sich Turnierdirektor Edwin Weindorfer. Rund 54.000 Fans seien in der Woche auf dem Gelände gewesen. Auch Zverev freute sich über die Unterstützung: »Die ganze Woche ausverkauftes Stadion. Ich habe kein einziges Match mit nem freien Sitzplatz gespielt. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, in Stuttgart wieder zu sein.«
- Die Gedächtnislücke
Für einen Lacher sorgte Olympiasieger Zverev im Vorfeld seines Viertelfinals gegen Brandon Nakashima. Naka...wer? Vor dem Match konnte sich der 28-Jährige einfach nicht erinnern, schon einmal gegen den US-Amerikaner angetreten zu sein: »Ich kann mich an kein einziges Match erinnern, das wir gespielt haben.« Die Vertreter der Presse halfen ihm auf die Sprünge. Zverev nahm es locker, schmunzelte und lachte: »Ich werde alt.« Später sagte er dann, dass er sich gut auf Nakashima vorbereiten werde. »Ich kenne ihn ja. Anscheinend habe ich drei Mal gegen ihn gespielt.«
- Die Promis
Reichlich Prominente gaben sich die Ehre und schauten beim Turnier am Killesberg vorbei. Boris Becker, Mats Hummels und Kai Pflaume. Loris Karius, Moritz Seider und Sami Khedira. Lothar Matthäus, Nico Schlotterbeck sowie Seider waren nur einige bekannte Gesichter, denen man mit etwas Glück begegnen konnte. Selbstverständlich zählten auch die Sportler selbst dazu. Mit Zverev, Fritz und Shelton traten drei Top-Ten-Spieler an. Nach dem Finale heizte DJ Ötzi mit einer Show den Fans ein.
- Die Überraschung
Ohne Frage: Justin Engel. Der 17-jährige Nürnberger spielte bei seinem ersten Rasenturnier überhaupt groß auf. Bereits in der ersten Runde gegen James Duckworth (Australien) gewann der Underdog die Herzen der Zuschauer und zog zudem ins Achtelfinale ein. Dort beeindruckte der Youngster, der irgendwann die Nummer eins der Welt werden will, gegen Alex Michelsen (USA). Die Nummer 35 der Welt hatte gegen das deutsche Talent nicht den Hauch einer Chance. Erst im Viertelfinale war gegen Felix Auger-Aliassime (Kanada) Schluss. Für den Auftritt Engels gab es Lob von Zverev und Auger-Aliassime. Letzterer sah in ihm sogar große Konkurrenz. »Er wird für uns zum Problem werden. Er spielt ja jetzt schon gut mit.« (GEA)


