Logo
Aktuell Fußball

Aufarbeitung der WM-Pleite als Verschlusssache - Zukunft von Bundestrainerin Voss-Tecklenburg fraglich

Große Fragezeichen um Zukunft von Bundestrainerin Voss-Tecklenburg. Werden Wolfsburgerinnen bevorzugt?

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg rechnet sich mit der deutschen Frauen-Elf WM-Titelchancen aus – und spricht offen über
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg rechnet sich mit der deutschen Frauen-Elf WM-Titelchancen aus – und spricht offen über ihr bewegtes Privatleben. FOTO: KARMANN/DPA
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg rechnet sich mit der deutschen Frauen-Elf WM-Titelchancen aus – und spricht offen über ihr bewegtes Privatleben. FOTO: KARMANN/DPA

FRANKFURT. Natürlich wäre es früher für Martina Voss-Tecklenburg selbstverständlich gewesen, am Freitag nach Freiburg zu fahren. Die Bundestrainerin hätte sich nicht nur das Bundesliga-Eröffnungsspiel zwischen dem SC Freiburg und FC Bayern im Dreisamstadion (Freitag 18.15 Uhr/ZDF) angesehen, sondern sie hätte auch an der offiziellen Kick-off-Veranstaltung zuvor in Hinterzarten mit hochkarätigen Gästen teilgenommen. Und in die Vorbereitung des Nationalteams am DFB-Campus auf die neuen Nations-League-Partien gegen Dänemark (22. September) und Island (26. September) hätte sie vielleicht noch einen Abstecher ins ZDF-Studio eingebaut, um dort am Mittwoch als Champions-League-Expertin aufzutreten. Doch längst ist der Powerfrau der Stecker gezogen.

Körperlich und mental sei seine Frau seit längerem erschöpft und ruhe sich zuhause aus, berichtete ihr Ehemann Herrmann. Die 55-Jährige sei bereits krank von der WM zurückgekommen. Tatsächlich hatte »MVT« nicht gut ausgesehen, als sie bei ihrer allerletzten Pressekonferenz in Wyong versicherte: »Ich bin noch nie weggelaufen, wenn es schwierig geworden ist. Ich bleibe hartnäckig und stark.« Für Beobachter wirkte sie um Jahre gealtert.

Einzelgspräche mit Spielerinnen

Das historische WM-Aus in einer der leichtesten Vorrundengruppen gegen Marokko, Kolumbien und Südkorea zehrte an ihr. Ob sie auf die Trainerbank zurückkehrt, ist inzwischen offen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte am Dienstagabend in der ARD, man werde sich zu gegebener Zeit zusammensetzen. Nicht ausgeschlossen, dass es auf eine saubere Trennung in den nächsten Wochen oder Monaten hinausläuft. Verbürgt ist, dass es wie schon 2019 zu Dissonanzen mit den Spielerinnen kam.

Doch dass Assistentin Britta Carlson eine Umfrage gestartet hat, bei der herauskam, dass die deutschen Fußballerinnen sich gegen Voss-Tecklenburg aussprachen, stimmt so nicht. Co-Trainerin Carlson widersprach ausdrücklich, sah darin sogar ihre langjährige Integrität als Co-Trainerin infrage gestellt: Sie habe zusammen mit Michael Urbansky »im Auftrag« der Bundestrainerin »vertrauliche Einzelgespräche« geführt. Darin sei es auch um die Ansichten der Spielerinnen zur Analyse der WM gegangen. Carlson, die sich eigentlich dauerhaft nicht in der ersten Reihe sieht, hat für den Auftakt der Olympia-Qualifikation den altbekannten Kreis berufen. Mit Melanie Leupolz ist nur die Nationalspielerin zurückgetreten, die hinter vorgehaltener Hand bemängelte, dass von hinten bis vorne in Australien nichts gepasst hätte. Über die tieferen Ursachen hat bis heute offen niemand geredet. Präsident Neuendorf hat keine WM-Minute vor Ort verfolgt, Generalsekretärin Heike Ullrich nur das Finale.

Sie hören nur über Dritte von den Verstimmungen rund um die DFB-Frauen. Beispielsweise über die Teilung des WM-Kaders in zwei Gruppen – die Stamm- und die Ersatzspielerinnen. Daraus abgeleitet wird innerhalb der Liga und Beraterszene teilweise über eine vermeintliche Bevorzugung der Wolfsburgerinnen getuschelt. Bei den vielen Baustellen hätte die Bundestrainerin dringend Unterstützung gebraucht. Voss-Tecklenburg musste letztlich vieles alleine regeln – und hat dafür einen hohen Preis gezahlt. (GEA)