REUTLINGEN. Die Saison 2025 ist für Tennis-Zweitligist TV Bauer Finanz Reutlingen mit dem Abstieg zu Ende gegangen. Vor gut 400 Zuschauern war die Mannschaft von Trainer Marek Kimla bei der 1:8-Niederlage gegen den direkten Konkurrenten TLZ Espenhain im Kampf um den Klassenerhalt chancenlos. Während die Achalmstädter ersatzgeschwächt mit fünf deutschen Kräften an den Start gehen mussten, schickten die offensichtlich finanziell gut situierten Gäste aus der Nähe von Leipzig einfach sechs Profis aus dem Ausland ins Rennen.
Um gegen alle Eventualitäten gerüstet gewesen zu sein, reisten auch noch zwei Ersatzspieler nach Reutlingen an. »Es ist Wahnsinn, dass wir mit vier Siegen absteigen«, ärgerte sich Kimla. Nach der Meisterschaft in der Württembergliga im Jahr 2004 und der Zweitliga-Meisterschaft im Jahr 2005 steigen die Achalmstädter nach 20 Jahren in der ersten und zweiten Liga als Tabellenvorletzter in die Regionalliga ab. Neben dem TVR muss auch der 1. FC Nürnberg runter. Der TC Augsburg Siebentisch kehrt mit einer Bilanz von 6:3-Siegen direkt wieder in die erste Liga zurück. »So eine Saison gibt es nur alle 20 Jahre einmal«, kommentierte der ehemalige TVR-Manager Mark Linsenbolz.
Handel sorgt für Begeisterung
Die Niederlage und der Abstieg standen auf dem Papier bereits vor dem ersten gespielten Ballwechsel praktisch fest. Zu stark stellte Espenhain sein Team auf. Um 14:09 Uhr war der Abstieg dann auch in der Realität perfekt. Der Metzinger Nico Hornitschek musste sich gegen Nick Hardt nach genau einer Stunde Spielzeit mit 0:6 und 1:6 geschlagen geben. Der Luxemburger behält damit auch in seinem siebten Einzel in der dieser Saison eine weiße Weste.
»Ich habe schlecht angefangen und dann das ist das Spiel weggegangen. Ich fühle mich auch gerade unfit«, sagte Hornitschek im Anschluss im Gespräch mit Zuschauern. Zuvor und danach saß der 25-Jährige minutenlang enttäuscht mit Peter Mayer-Tischer auf der Bank zusammen. Eine Situation, welche die Gesamtsituation des TV Bauer Finanz Reutlingen aktuell treffend beschreibt. Für Begeisterung bei den Zuschauern sorgte aber Tim Handel. Die Nummer 621 der ATP-Weltrangliste bezwang den Kasachen Dmitriy Popko (ATP 217, einst 155) im Match-Tie-Break mit 10:7 nach 4:7-Rückstand. Die Zuschauer feierten Handel, der Abstieg war kurzzeitig vergessen. »Das war mein bestes Spiel in dieser Runde. Ich habe wenig Fehler gemacht«, erzählte der 28-Jährige mit einem Strahlen im Gesicht.
Keine Verstärkungen bekommen
Alex Knaff, der angeschlagene Noah Schlagenhauf (Schambeinentzündung) und Lasse Pörtner waren in ihren Matches chancenlos. Jeremy Schifris musste im Match-Tie-Break gegen Dan-Alexandru Tomescu (ATP 486) mit 3:10 den Kürzeren ziehen.
TVR-Trainer Kimla kündigte am Freitagabend nach dem 5:4-Sieg bei Eintracht Frankfurt Verstärkungen für das Finale im Kampf um den Klassenerhalt gegen den TLZ Espenhain an. Doch daraus wurde nichts.
»Wir haben alles versucht, doch wir konnten keinen Spieler bekommen«, musste Kimla eingestehen. Der Italiener Giulio Zeppieri, die Nummer eins der Achalmstädter auf der Meldeliste stand verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Landsmann Fabrizio Andaloro spielte am Sonntag bereits bei einem Turnier in Griechenland. Und der nächste Italiener Riccardo Bonadio betreute als Trainer seinen Schützling Andrea Picchione am Samstag beim Turniersieg in Montesilvan/Italien. »Wir wollten ihn eventuell noch abholen, doch die Zeit hat nicht gereicht«, berichtete Kimla. Der Tscheche Marek Jaloviec, der sieben von insgesamt neun Spieltage für die Achalmstädter absolvierte, weilt aktuell als Trainer mit seinem zu betreuenden Spieler Dalibor Svrcina bei Turnieren in den USA. Die Nummer 115 der ATP-Weltrangliste unterlag unter der Woche beim Masters-Turnier in Cincinnati gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Daniil Medvedev nur knapp in zwei Sätzen. Weitere Alternativen gab es nicht – der Abstieg ist die Folge. (GEA)

