METZINGEN. Der Schock nach der »widerlichen Tat« sitzt tief. Nachdem in der Umkleidekabine der Metzinger Bundesliga-Handballerinnen zwei versteckte Kameras gefunden wurden, fragen vor allem auch Eltern, ob sich so etwas auch bei ihren ebenfalls im Verein aktiven Kindern oder beim Schulsport passieren kann. »Die jüngsten Nachrichten aus Metzingen waren erschütternd. Was muss das für ein perverser Typ sein? Es ist schlimm, dass nun binnen einer Woche zwei solcher Fälle bekannt geworden sind. Das ist für mich die schlimmste Form von Voyeurismus«, erklärt Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, dessen Tochter Lucie-Marie (21) selbst in der Bundesliga bei Sport-Union Neckarsulm spielt.
Tochter von Geschäftsführer betroffen
Die Gemüter der Opfer sind extrem aufgewühlt. »Etwas Abstand gewinnen« wollen sie nun, schreiben die »TusSies« in einer Stellungnahme. Dafür hat das Team nun bis Dienstag frei bekommen, um daheim bei den Familien wieder etwas zur Ruhe kommen zu können. Betroffen von der »Spanner-Affäre« ist unter anderem auch die noch minderjährige Tochter von Geschäftsführer Ferenc Rott und Trainerin Edina Rott.
»Es sind viele Fragen aufgekommen, aber ich bin nicht derjenige, der darüber Auskunft geben wird«, sagt der TuS-Manager. Derweil ist offenbar seit Anfang der Woche Metzingens Torwart-Trainer Fabian Juhnke vom Dienst suspendiert. Der 29-Jährige taucht nicht mehr auf der Homepage auf – und auch nicht auf dem Bild (siehe oben), auf dem die Metzingerinnen und das Bietigheimer Team nach dem Heimspiel vom Mittwoch (20:32) zu sehen sind. DHB-Lizenz-Inhaber Juhnke, der zur Saison 2020/21 von der TG Nürtingen kam, ist nicht zu erreichen, geht auch nicht ans Handy.
Keine Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums gefilmt
Der in Nehren wohnende Bietigheimer Trainer Markus Gaugisch spricht von einem »schlimmen Vorfall, den kein Mensch braucht«. Man dürfe sich davon aber nicht einschüchtern lassen. »Das ist wichtig für Trainer, Spielerinnen, Vereine und unsere Gesellschaft.« Es gäbe leider solch »schwarze Schafe«. Die müsse man »identifizieren und aus der Gemeinschaft ausschließen«, so Gaugisch weiter, dessen Tochter selbst im Nachwuchsbereich der TuS Metzingen Handball spielt.
Auch wenn niemand offen den Namen des laut Reutlinger Polizei »dringend Tatverdächtigen« nennen will, kursiert dieser mittlerweile weit über das Ermstal hinaus – und das nicht nur in Handballkreisen. Die Ermittlungen gegen den vermeintlichen Täter laufen auf Hochtouren. Nach Abschluss soll die Staatsanwaltschaft Tübingen die Anzeige vorgelegt werden. Mittlerweile kann, laut Behördenangaben, zumindest ausgeschlossen werden, dass neben den Metzinger Handballerinnen auch Kinder der TuS-Jugend oder Schüler des benachbarten Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium betroffen sind.
Spielerinnen schützen
Die seelischen Wunden werden nur langsam heilen. Es ist im und rund um den Verein von einem »Schockzustand« die Rede. Über die sozialen Medien erhalten die Spielerinnen viel Zuspruch. »Wir werden alles dafür tun, diesen Fall komplett aufzuklären und arbeiten dafür ganz eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen«, erklärt Manager Rott. »Und wir versuchen, unsere Spielerinnen zu schützen – so weit es geht.« (GEA)

