METZINGEN. Der Pokal-K.o. der Metzinger Bundesliga-Handballerinnen in Nürtingen traf das Team ins Mark. Gegen einen Zweitligisten auszuscheiden, ist mehr als nur ein Ausrutscher - weil die Niederlage zur Unzeit kam. Wenn im letzten Spiel vor dem Saison-Auftakt am Samstag (19 Uhr) in Dortmund die Form nicht stimmt, bringt das die Beteiligten zwangsläufig ins Grübeln.
»In Nürtingen auszuscheiden, ist ein Riesen-Rückschlag. Natürlich muss man als Bundesligist gegen einen Zweitligisten weiterkommen«, kommentierte Geschäftsführer Ferenc Rott die eiskalte 35:37-Dusche, mit der keiner gerechnet hatte. Dass die Turngemeinde eine starke Mannschaft stellt, war bekannt. Dass der Außenseiter gegen den Pokalsieger von 2024 nichts zu verlieren hatte, lag auf der Hand. Aber es war nicht damit zu rechnen, dass der Zweitligist gewinnen würde - und das auch noch verdient.
»Natürlich ist das hart zu verkraften«, sagte Rechtsaußen Sabrina Tröster mit versteinerter Miene über das unerwartete Pokal-Aus. Man werde das aufarbeiten und dann müsse jede für sich analysieren, was man besser machen könne. An Steigerungsmöglichkeiten gibt es genügend Ansatzpunkte.
- Zu viele Chancen vergeben: In Nürtingen setzte sich das fort, was bereits in den Wochen zuvor augenfällig geworden war. Die TuS braucht viel zu viele Chancen, um zum Torerfolg zu kommen. Über 20 Mal wurde in der Theodor-Eisenlohr-Halle erfolglos aufs Tor geworfen. Entweder war bei Nürtingens Torhüterin Kerstin Sander oder - bei einem Siebenmeter - bei ihrer Vertreterin Sophie Leenen Endstation. Oder die Würfe landeten am Pfosten, der Latte oder neben dem Tor des Zweitligisten. »Wenn man's im Hinterkopf hat, schleppt man es mit auf den Platz. Wir wissen, dass die Abschlüsse besser werden müssen«, sagte Svenja Hübner, die zusammen mit der in Nürtingen bärenstarken Torhüterin Marie Weiss TuS-Mannschaftsführerin ist. So blieb etwa die Treffer-Quote der Außen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Trainerin Miriam Hirsch kritisierte die fehlende »Disziplin im Abschluss«. Tröster sagte zu den vielen Fehlwürfen, die das Team um seine Siegchance brachten: »Wir sind selber schuld.«
- Hierarchie noch nicht ausgeprägt: Was auffiel: Im Rückraum der »TusSies« fiel lange Zeit nur eine Spielerin auf. Bevor in den Verlängerungen Naina Klein noch ein paar Akzente im Abschluss setzte, sorgte Charlotte Cholevova mit Anspielen an den Kreis und selbst als Schützin für die größte Metzinger Torgefahr. Phasenweise wirkte es so, als würde in erster Linie die neun Mal erfolgreiche Tschechin Verantwortung übernehmen. Man habe noch keine klare Hierarchie innerhalb der Mannschaft und müsse geduldig sein, sagte Rott: »Wir müssen das Ganze einordnen, wir haben einen großen Umbruch. Miri arbeitet rund um die Uhr.«
- Schwankende Abwehrleistung: In der Vorbereitung war die Verteidigung der Pink Ladies der stärkste Mannschaftsteil der Hirsch-Schützlinge. Das galt auch für die Partie am Sonntag. Allerdings nur in den ersten 20 Minuten. Dann ging die Kompaktheit des Abwehrverbunds immer mehr verloren, es taten sich Lücken auf, in die die unerschrockenen und schnellen Nürtingerinnen immer öfter stießen und sie auch immer häufiger zu Toren nutzten. Hirsch sprach von »im Detail zu vielen individuellen Fehlern«.
- Probleme gegen offensive Abwehr: Neben den vergebenen Torchancen strauchelten die Pink Ladies in Nürtingen auch aufgrund der großen Anzahl an Ballverlusten. Obwohl das Team - etwa beim Turniersieg in Neckarsulm - mit offensiven gegnerischen Abwehrreihen konfrontiert worden war, ließ sich der Erstligist durch die früh störende und attackierende Deckung der Turngemeinde Sand ins Getriebe streuen. Hübner: »Wir haben uns durch ihre offensive Abwehr verunsichern lassen.« Rott sagt, man habe ein paar Spieler-Typen, die gegen eine offensive Deckung Probleme hätten, zurechtzukommen.
- Blick nach vorn: Nach der Aufarbeitung der Niederlage am Montag gilt die gesamte Konzentration dem Punktspiel-Auftakt in Dortmund. »Wir müssen die Niederlage aus dem Kopf bekommen und uns voll auf die Liga konzentrieren«, unterstrich Hübner. Und Tröster ergänzte, dass man »die guten Dinge mitnehmen« müsse. Etwa die gelungene erste Phase des Spiels, als die TuS nach einer schnellen 6:2-Führung schon auf der Siegerstraße zu sein schien. Bis die Pink Ladies nachließen und letztlich an sich selbst scheiterten. (GEA)

