METZINGEN. Manchmal hilft ein Blick zurück, wenn ein Handball-Wunder gelingen soll. Schon einmal wendeten die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen im Europapokal ein drohendes Aus ab, als die Ausgangslage alles andere als erfolgversprechend war. Vor acht Jahren schien die TuS gegen Ankara BSK nach der 27:33-Hinspiel-Niederlage schon so gut wie ausgeschieden. Doch mit einem begeisternden Sturmlauf wendete das Team im Heimspiel mit einem 36:23-Erfolg das Blatt und zog in die Gruppenphase ein.
Auf einen ähnlichen Verlauf hofft man auch jetzt im Metzinger Lager. Gegen den Liga-Rivalen HSG Blomberg-Lippe soll am Samstag (19.30 Uhr, Öschhalle) die Scharte der vor einer Woche erlittenen 21:30-Niederlage ausgewetzt und doch noch das Weiterkommen geschafft werden. »Wir wollen einen Sieg zu Hause - mindestens. Und wenn möglich weiterkommen. Dazu müssen wir alles rausholen, was drin ist«, unterstreicht die Sportliche Leiterin Edina Rott.
»In der Öschhalle mit unseren Fans ist alles möglich«
Dabei bauen die "TusSies" auch auf die Unterstützung der Fans. Die "Öschhölle" mit ihrer weithin bekannten Stimmung und Lautstärke war schon immer ein Faustpfand, das den Gastgeberinnen zusätzlichen Rückenwind verlieh. »In der Öschhalle mit unseren Fans ist alles möglich«, hebt Rückraumspielerin Verena Oßwald die Bedeutung dieser Unterstützung hervor. Um eine Chance zu haben, müssen die Pink Ladies schnellstmöglich wieder in die Spur kommen und sich in allen Bereichen enorm steigern. Die Abwehr muss ein Bollwerk werden, aber dazu braucht die Mannschaft den Rückhalt durch die Torhüterinnen Marie Weiss und Lea Schüpbach. Zuletzt hatten hier die Gegner deutliche Vorteile. "Wir brauchen natürlich eine Torwartleistung. Dann können wir uns ein paar Fehler mehr erlauben", sagt Rott.
Defizite gab es zuletzt auch im Spielaufbau. Die Zahl der Fehler im Hinspiel war unfassbar. Fehlabspiele, verlorene Bälle, Offensivfouls, kopflose Aktionen. »Die Mädels können es, aber irgendwie kann keine beruhigen und das Spiel in die Hand nehmen«, lautet Rotts Zustandsbeschreibung dieses Mannschaftsteils, in dem derzeit das Leistungsniveau besonders extreme Schwankungen aufweist. Naina Klein und Jana Scheib sind die auffälligsten Beispiele der vergangenen Wochen. Alle Spielerinnen zusammen müssen als Team erst wieder lernen, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und sie dann auch konstant abzurufen. Wäre es möglich, dass Spielmacherin Sandra Erlingsdottir, die im Vorjahr das Team lenkte, längere Spielanteile erhält? Rott schüttelt den Kopf. Mehr als Kurzeinsätze oder Einwechslungen bei Siebenmetern sind bei der jungen Mutter noch nicht drin. Spritzigkeit und Kraft würden bei der Isländerin noch fehlen, erklärt Rott.
»Sehr viel ist Kopf-Sache. Es ist schwierig, das von heute auf morgen wegzubringen«
Nächste Problemzone ist die Chancenverwertung. Gewiss zeigte vor einer Woche Blombergs Melanie Veith zwischen den Pfosten eine herausragende Leistung. Aber dennoch sind über 20 vergebene Chancen indiskutabel. Ein weiterer K.o.-Schlag bei der Niederlage, zumal sich die Pink Ladies immer wieder Phasen leisten, in denen minutenlang kaum Treffer gelingen, so dass der Gegner keine Mühe hat, wegzuziehen. Kein neuer Schwachpunkt. »Sehr viel ist Kopf-Sache. Es ist schwierig, das von heute auf morgen wegzubringen«, sagt Rott. Julia Behnke betont, dass man aufgrund der Niederlage in Blomberg mit neun Toren nun im Rückspiel nichts zu verlieren habe: »Ich hoffe, wir können ein bisschen mehr Leichtigkeit und Spielfreude mitbringen und natürlich die einfachen Fehler minimieren.« (GEA)

