METZINGEN. Einen Platz in der Tabelle haben die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen bereits gutgemacht. Sollten sie auch im zweiten Spiel der »Wochen der Wahrheit« gewinnen, wäre der Vorstoß auf Rang fünf möglich. »Wir wollen bis Jahresende sechs Punkte holen«, bekräftigte Trainerin Miriam Hirsch am Sonntagnachmittag. Zuvor hatte sich ihr Team mit dem Sieg gegen Oldenburg bereits zwei Zähler gesichert. Die nächsten zwei Punkte sollen nun am Samstag (19.30 Uhr, Tübinger Paul-Horn-Arena) gegen den Tabellennachbarn Sport-Union Neckarsulm folgen. Dann wären bereits vier der sechs angestrebten Punkte unter Dach und Fach.
Ein Sieg gibt immer Rückenwind, ein knapper und harterkämpfter noch mehr. Weil man »die Nerven bewahrt hat«, wie Rückraumspielerin Santina Sabatnig nach dem 30:29-Erfolg im Krimi gegen den VfL Oldenburg sagte. Weil man in der entscheidenden Phase die richtigen Entscheidungen getroffen hatte. Etwa die, in der Schlussphase immer wieder Gabriela Bitolo anzuspielen. Die Brasilianerin wurde neben Torhüterin Marie Weiss in der sogenannten Crunchtime zur entscheidenden Spielerin. Die letzten drei Metzinger Tore - darunter der Siegtreffer - gingen allesamt auf ihr Konto. Spielmacherin Nele Franz drückte es so aus: »In den Momenten, in denen wir da sein mussten, waren wir da.«
Vom Selbstverständnis, an sich zu glauben
Diese Aussagen zeugen von Selbstvertrauen, von Stress-Resistenz, vom Selbstverständnis, sich auch nach einem wechselvollen Spielverlauf auf seine Stärken zu besinnen und sie abzurufen, wenn eine Partie auf der Kippe steht. Dieser Wille, alles reinzuwerfen, sprach aus den Worten der zehnmal erfolgreichen Linksaußen Selina Lindemann: »Wir haben 60 Minuten ohne Ende gekämpft.«
Nach der Niederlage beim Thüringer HC Mitte November hatte Hirsch noch die Diskrepanz zwischen Trainingsleistung und Spiel-Auftritt kritisiert. Obwohl in der zwischenzeitlichen Weltmeisterschafts-Pause nur ein Teil der TuS-Mannschaft zusammen trainieren konnte, weil vier Spielerinnen mit ihrem Nationalteam im Einsatz waren, hat es offenbar eine wesentlich Entwicklung gegeben. Die Trainerin sprach dies aus, als sie am Sonntag der gesamten Mannschaft ein besonderes Lob abstattete. »Ich habe noch nie so viel Glauben an das Team gehabt wie heute«, betonte Hirsch.
Punktgleicher Tabellennachbar
Gegen Oldenburg mussten die Pink Ladies durch ein Wellental gehen. Erst in Rückstand, dann mit drei Toren vorn, zwei Minuten vor Schluss wieder mit einem Tor hinten, um doch noch zu gewinnen. Sabatnig: »Wir haben es uns am Ende selber schwer gemacht.« Gegen Neckarsulm wird es nicht leichter als gegen Oldenburg. Die Sport-Union liegt punktgleich hinter den sechstplatzierten »TusSies« auf Rang sieben. Neckarsulm stellt eine Mannschaft, die im Gegensatz zu den Norddeutschen deutlich mehr Torgefahr aus dem Rückraum versprüht.
Daneben hat die Sport-Union ein Faustpfand auf Linksaußen. Vize-Weltmeisterin Antje Döll gehört zu den torgefährlichsten Spielerinnen auf ihrer Position. Auch international, was die 37-Jährige beim World Cup unterstrich, als sie mit 49 Treffern in neun Spielen drittbeste Torschützin des WM-Turniers wurde.
Beachtliche TV-Resonanz
Die Metzingerinnen bauen erneut auf den Rückhalt ihrer Fans, die am Sonntag gezeigt hatten, was eine Heim-Atmosphäre bewirken kann. »Die Halle hat uns ein bisschen getragen«, beschrieb Franz diesen Zusatz-Faktor. Im Gegensatz zur Oldenburg-Partie wird die Partie gegen Neckarsulm nicht live im Free-TV übertragen. Am vergangenen Sonntag hatte DF1, der seit dieser Saison Eurosport als Fernseh-Partner der Frauen-Bundesliga abgelöst hat, das TuS-Spiel gezeigt. Obwohl zeitgleich Wintersport satt in anderen Sendern zu sehen war, hatte das Metzinger Spiel in der Spitze bis zu 70.000 Zuschauer. Eine angesichts der Konkurrenz-Programme durchaus beachtliche Zahl. Vielleicht hat ja die Weltmeisterschaft dem Frauen-Handball tatsächlich neue Fans gewonnen. (GEA)

