TÜBINGEN. Die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen haben derzeit ein Lieblings-Ergebnis. Es lautet 30:29 und stand innerhalb von einer Woche gleich zwei Mal auf der Anzeigetafel der Paul-Horn-Arena. Zwei Spiele mit einem Krimi, demselben Resultat und jeweils mit der TuS als Gewinner - das gibt's wahrlich nicht alle Tage. Wie bereits gegen Oldenburg konnten sich die Metzingerinnen erneut von den Fans als nervenstarke Sieger feiern lassen. »Das machen wir jetzt immer«, sagte Geschäftsführer Ferenc Rott lachend, als er auf das denkwürdige Spiel-Ergebnis angesprochen wurde.
Nicht nur das Resultat war ganz nach seinem Geschmack, auch die Zuschauer-Resonanz beeindruckte und sorgte am Samstag für das i-Tüpfelchen. 1.733 Fans waren beim württembergischen Derby live dabei. Das ist die bisherige Bestmarke bei Metzinger Heimspielen in dieser Saison. Die Fans bekamen einiges geboten - auch an missglückten Aktionen. Die Zahl der Fehler war auf beiden Seiten hoch. Höher allerdings auf Seiten von Neckarsulm, dessen Trainer Thomas Zeitz darin das entscheidende Manko sah. »Wir haben einfach zu viele technische Fehler gemacht. Das hat uns das Genick gebrochen, weil wir dadurch Metzingen eingeladen haben, einfache Tore zu erzielen«, monierte der Coach der Sport-Union.
Von offensiver Deckung nicht beirren lassen
Bezeichnenderweise leitete auch ein schlechter Pass der Gäste die Entscheidung in dieser Partie ein. Beim Stand von 29:28 (59.) ermöglichte die Aktion den Metzingerinnen, in Ballbesitz zu kommen. Wenige Sekunden später nahm TuS-Coach Miriam Hirsch eine Auszeit. 25 Sekunden vor Schluss wuchtete Gabriela Bitolo - auch das eine Gemeinsamkeit mit der Partie in der Vorwoche gegen Oldenburg - das Leder zum Siegtreffer ins SUN-Tornetz. Zwar verkürzte Neckarsulm durch den neunten Treffer von Vize-Weltmeisterin Antje Döll per Siebenmeter noch auf 30:29. Aber durch die folgende offensive Deckung der Gäste ließen sich die »TusSies« nicht beirren und brachten den Sieg in Ballbesitz über die Zeit.
Dabei hätten sich die Pink Ladies, bei denen Charlotte Cholevova auf 7/1Treffer kam, aufgrund der vielen Fehler der Sport-Union und angesichts klarer Führungen diesen Krimi am Schluss ersparen können. Die TuS lag nach 26 Minuten mit vier Toren vorne (16:12). Und als die starke Spielmacherin Nele Franz in Halbzeit zwei auf 25:20 stellte (46.), hätten wohl die wenigsten Zuschauer erwartet, dass es nochmal richtig eng werden würde. Zumal Sara Suba im TuS-Tor immer wieder Chancen der Gäste vereitelte. Die 26-Jährige, deren Familie zu Weihnachten aus Ungarn angereist und beim Spiel auch in der Arena war, avancierte in den restlichen 43 Minuten nach ihrer Einwechslung zum starken Rückhalt ihres Teams. »Elf Paraden sind nicht so schlecht, aber ich kann mehr halten«, war die 26-Jährige nur bedingt mit sich zufrieden. Aber das änderte nichts an der Freude über den knappen Sieg. Man werde »ein bisschen feiern«, kündigte Suba an.
Mentale Stärke bei engen Spielen
»Beide Mannschaften haben gekämpft. Der höhere Kampf hat gewonnen«, gab's für die Pink Ladies ein Lob von Hirsch. Manche Tore waren buchstäblich eine Willensleistung. Etwa als Mannschaftsführerin Svenja Hübner, nachdem Sabrina Tröster eine gute Gelegenheit ausgelassen hatte, den Abpraller per Hechtsprung mit der Faust ins Tor beförderte (12:10/19.). Oder als sich Franz, hart bedrängt am Kreis, dennoch durchsetzte und zum 25:20 traf. Oder Bitolo: Die Brasilianerin war vor der Schlussphase nur wenig in Erscheinung getreten. Aber als es darauf ankam, übernahm sie erneut Verantwortung und erzielte den entscheidenden Treffer. Zur mentalen Stärke der Mannschaft, zum zweiten Mal bereits ein umkämpftes Spiel mit einem Tor zu gewinnen, sagte Hirsch: »Wir arbeiten auch daran. Es entwickelt sich gerade ein Teamgeist und der Glaube an sich selbst.«
Die A-Lizenz-Inhaberin war »erstmal froh«, dass man in der von ihr als Wochen der Wahrheit ausgerufenen Saisonphase nun bereits vier der angestrebten sechs Punkte unter Dach und Fach und mit 10:8 erstmals in dieser Runde ein positives Punktekonto hat. Am Dienstag (19 Uhr) geht's bereits weiter für ihr auf Rang sechs liegendes Team. Im letzten Spiel des Kalenderjahrs soll auch beim Tabellenachten Frisch Auf Göppingen (5:11 Zähler) ein Sieg folgen. Die Stauferstädterinnen haben die letzten vier Spiele verloren. Hirsch: »Wir fahren dort hin, um zu gewinnen.« (GEA)

