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Metzinger Handballerinnen starten mit 25:40-Klatsche in die Saison

Die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen sind zum Auftakt nur ein Spielball des Ex-Meisters Borussia Dortmund. Rückzug großer Schwachpunkt.

Erfolgreichste Metzingerin in Dortmund: Linksaußen Selina Lindemann kommt auf sechs Tore, davon fünf Siebenmeter.
Erfolgreichste Metzingerin in Dortmund: Linksaußen Selina Lindemann kommt auf sechs Tore, davon fünf Siebenmeter. Foto: T. Baur/Eibner
Erfolgreichste Metzingerin in Dortmund: Linksaußen Selina Lindemann kommt auf sechs Tore, davon fünf Siebenmeter.
Foto: T. Baur/Eibner

DORTMUND. Erst die Pokal-Pleite in Nürtingen, nun eine 25:40 (11:22)-Klatsche bei Ex-Meister Borussia Dortmund zum Punktspielauftakt - die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen sind noch weit davon entfernt, ihren Rhythmus und ihre Form zu finden. Dass Dortmund in dieser Saison neben der HSG Blomberg-Lippe und dem Thüringer HC zu den Meisterschafts-Favoriten zählt, kann den erschreckend schwachen Auftritt der Pink Ladies nur zum Teil erklären. Die Schützlinge von Trainerin Miriam Hirsch müssen die Gründe für diesen rabenschwarzen Abend in erster Linie bei sich selbst suchen.

Und das machten sie auch sofort nach Spielende. »Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt«, sagte Nele Franz. Die »TusSies« wollten kämpfen bis zum Umfallen und die Partie möglichst lange offen gestalten. So die Theorie. Die Realität sah teilweise ganz anders aus. »Wir haben gekämpft, alles gegeben, aber wir machen vorne zu viele Fehler und kommen nicht in den Rückzug. Das darf nicht passieren«, beschrieb die Spielmacherin die ernüchternde Niederlage. In den Play-offs der vergangenen Saison hatte die TuS zwei Mal in Dortmund verloren, aber in keinem Fall so hoch wie am Samstagabend.

Zwei Veränderungen zum Nürtingen-Spiel

An Stelle von Charlotte Cholevova, die kurzfristig ausfiel, übernahm Franz die Spielmacher-Rolle. Zudem nahm Klara Schlegel auf Halbrechts die Position von Gabriela Bitolo in der Startformation ein. Das waren die einzigen personellen Änderungen gegenüber dem Beginn der Pokal-Partie in Nürtingen. Das erste Tor nach einer Phase des Abtastens erzielten die Gäste durch Naina Klein. Aber dann brach ein Sturm über sie herein. Weil sich die TuS an der sehr kompakten und aggressiven Borussen-Abwehr die Zähne ausbiss, kaum druckvolle Aktionen zu Stande brachte und immer wieder durch technische Fehler selbst ein Bein stellte, erzielte Dortmund vor 689 Zuschauern die nächsten vier Treffer. Bis zum 6:4 war noch alles offen. In dieser Phase setzte Metzingens Neuzugang Santina Sabatnig im linken Rückraum mit zwei Treffern Akzente. Aber anschließend rollte der BVB-Express mit ICE-Geschwindigkeit in Richtung TuS-Tor.

Wenn die TuS einen Angriff abgeschlossen hatte, an Nationaltorhüterin Sarah Wachter gescheitert war oder den Ball verlor, zeigte Dortmund, wie Tempo-Handball der Güteklasse aussieht. Kaum hatten die Metzingerinnen nach einem Ballverlust den Rückweg in die eigene Hälfte angetreten, schlug es auch schon in ihrem Tor ein. Auch Torhüterin Wachter trug sich beim Gewinner in die Torschützenliste ein. Nach einem 1:7-Tore-Lauf lagen die Gäste 5:13 zurück (17.). Die düpierten Metzingerinnen wirkten, als hätten sie zum Frühstück Schlafmittel im Kaffee gehabt. Aber die Abwehr war nicht nur beim Rückzug nicht im Bilde. Auch gegen die Positions-Angriffe des Vorjahres-Vierten sah die Verteidigung schlecht aus. Immer wieder taten sich nach sehenswertem BVB-Kombinationsspiel Lücken auf. Und ohne die Unterstützung der Hintermannschaft blieben auch Paraden der Torhüterinnen Marie Weiss und Sara Suba Mangelware. Die Tore der Gastgeberinnen fielen in der Halle Wellinghofen wie reife Früchte. Nach 23 Minuten betrug der TuS-Rückstand bereits zehn Tore (8:18). Die Zuschauer trauten ihren Augen kaum.

Nach der Pause mental nicht auf dem Feld

Trainerin Hirsch mahnte in Halbzeit eins in jeder Auszeit einen viel schnelleren Rückzug an. Doch es änderte sich wenig. Unmittelbar nach der Pause schienen die Ermstälerinnen mental noch völlig in der Kabine geblieben zu sein. In gerade mal etwas mehr als vier Minuten kassierten die Pink Ladies fünf Gegentore. Hirsch wechselte viel, ließ nun auch offensiver decken. Doch auch als Dortmunds Coach Henk Groener seinen Leistungsträgerinnen Alina Grijseels, Alicia Langer, Kaja Kamp Nielsen und Wachter Pausen gönnte, baute der zweite BVB-Anzug den Vorsprung auf 17 Tore aus (36:19/50.).

Hirsch: »In der zweiten Halbzeit lassen wir den Ball zwar im Angriff etwas besser laufen, aber aus diesem Spiel müssen wir nun schnell lernen.« Erst kurz vor Schluss, als es nur noch um die Höhe des Ergebnisses ging, gelang der TuS eine positive Phase. Wie von Hirsch gefordert, entschied ihr Team die letzten fünf Minuten mit 4:2 Toren für sich. Ein Zeichen, dass die »TusSies« es viel besser können als sie es über weite Strecken in Dortmund gezeigt haben. Daran müssen sie anknüpfen, denn auch bei Vize-Meister Blomberg am Samstag (17 Uhr) wird es keinesfalls leichter werden.

Play-off-Modus modifiziert

Als Reaktion auf den Rückzug der HB Ludwigsburg hat die Bundesliga (HBF) den Play-off-Modus überarbeitet. Für die Teams auf den ersten vier Plätzen nach der Hauptrunde ändert sich nichts. Sie spielen den Meister aus. Ursprünglich hätte es dahinter eine Play-off-Runde für die Mannschaften auf den Rängen fünf bis acht und eine Play-down-Runde für die Mannschaften auf den Plätzen neun bis elf geben sollen. Nun wird es eine zusammengelegte Runde der Teams der Plätze fünf bis elf geben. Der Club, der am Schluss Fünfter wird, hat das Ticket für das Pokal-Viertelfinale der nächsten Spielzeit sicher. Der Elfte muss am Schluss die Relegation gegen den Zweitliga-Zweiten bestreiten. (GEA)