TÜBINGEN. »Das war unser Weihnachtsgeschenk«, sagte Metzingens Spielmacherin Nele Franz treffend. Im Frauenhandball-Bundesliga-Krimi gegen den VfL Oldenburg hatten sich die »TusSies« knapp mit 30:29 (14:13) durchgesetzt - in einer ausgeglichenen Partie mit mehreren Führungswechseln. Umso größer war die Erleichterung nach der Schluss-Sirene bei den Gastgeberinnen, die von ihren Fans gefeiert wurden. »Das hätte heute in jede Richtung ausgehen können«, stellte Franz fest. »Jede hat bei uns ihren Beitrag gebracht«, freute sich Trainerin Miriam Hirsch. Ein wichtiger doppelter Punktgewinn, bildete er doch den Auftakt zu einer Serie von drei Spielen gegen Gegner auf Augenhöhe. Bis 30. Dezember sollen noch zwei weitere Siege folgen.
Lange kristallisierte sich in dieser Partie keine Mannschaft heraus, die dem Sieg entgegenzueilen schien. Obwohl Oldenburg am Sonntagnachmittag ohne eine Distanz-Schützin auskommen musste, kam der Tabellenfünfte immer wieder zu Toren über den Kreis oder war mit Durchbrüchen erfolgreich. Metzingen hatte diese Distanzschützin in Person von Charlotte Cholevova, die eine furiose Anfangsphase aufs Parkett der Tübinger Paul-Horn-Arena legte.
Geschenke für WM-Teilnehmerinnen
Vor Spielbeginn hatte Cholevova wie auch die drei anderen Metzinger WM-Teilnehmerinnen Gabriela Bitolo, Santina Sabatnig und Klara Schlegel von TuS-Geschäftsführer Ferenc Rott ein Geschenk erhalten. Auf der Gegenseite waren die Vizweltmeisterinnen Jenny Behrend und Marie Steffen diejenigen, die von der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) beschenkt wurden.
Von diesem Sextett der WM-Fahrerinnen war Cholevova vor 1.532 Zuschauern zunächst die mit Abstand auffälligste Spielerin. Die tschechische Rückraumspielerin jagte in den ersten 14 Minuten fünf Mal das Leder in Oldenburgs Gehäuse. Doch die flinken und geschickt kombinierenden Oldenburgerinnen blieben dran, gingen ihrerseits mit 10:8 in Führung (17.). In Überzahl glich die TuS schnell aus und ging mit einer knappen Führung in die Halbzeit.
VfL trifft immer wieder Latten und Pfosten
Nach dem Seitenwechsel hatten die Gastgeberinnen zunächst mit zwei Treffern (16:14/35.), später mit drei Toren die Nase vorn (24:21/45.). Was nicht nur an den Paraden von Marie Weiss und einem von Sara Suba gehaltenen Siebenmeter lag, sondern auch an zig Latten- und Pfostentreffern der Gäste. »Wir hatten ein bisschen Glück«, räumte Hirsch ein. Naina Klein, die aufgrund von Knie-Problemen wie im Testspiel am Mittwoch nur zu einem Kurzeinsatz kam, gefiel mit schönen Zuspielen und zwei Torvorlagen.
Die-Drei-Tore-Führung hatte aber nicht lange Bestand. Auch auf Seiten der Pink Ladies, bei denen Linksaußen Selina Lindemann mit zehn Treffern herausragte, gab es Fehlwürfe und technische Fehler. Und die Ex-Metzingerin Madita Kohorst im VfL-Tor steigerte sich und vereitelte mehrere Chancen des Hirsch-Teams. Beim 27:28 durch Linkshänderin Lisa Borutta zwei Minuten vor Schluss drohte das Spiel zu kippen. Was dann kam, beschrieb Sabatnig mit den Worten: »Wir haben nochmal Ruhe bewahrt.« Zunächst netzte Bitolo, die in der zweiten Halbzeit immer besser in Fahrt kam, zum 28:28 per Siebenmeter ein (58.), Weiss parierte gegen die frei vor ihr auftauchende Ariane Pfundstein. Bitolo traf erneut, der VfL glich wieder aus. Beim Stand von 29:29 wurde der TuS ein umstrittener Siebenmeter in der Schlussminute zugesprochen. Oldenburgs Kohorst monierte, dass bei den Schiedsrichtern »jede 50:50-Entscheidung für die TusSies ausfiel«, sah dies aber nicht als entscheidend an: »Wir sind selbst schuld. Wir verwerfen zu viele Freie und treffen die schlechten Entscheidungen.«
12.600 Euro gehen an Stiftung »Hilfe für kranke Kinder«
Bitolo trat erneut zum Strafwurf an und traf nervenstark zum 30:29. Noch waren 25 Sekunden zu spielen. Einen Wurf von Lotta Röpcke hielt Weiss in der Schluss-Sekunde. Der anschließende Oldenburger Freiwurf von Lisa-Marie Fragge ging am TuS-Tor vorbei - der Rest war Metzinger Jubel. Nicht nur die Pink Ladies konnten sich freuen. Weil Sponsoren für jedes Tor und jede Parade von Weiss & Co. einen festen Betrag spendeten , kam ein Scheck über insgesamt 12.600 Euro zusammen, der an die Stiftung »Hilfe für kranke Kinder« der Universitätsklinik Tübingen übergeben wurde. (GEA)

