TÜBINGEN. Krachende Dunkings, spektakuläre Blocks und sehenswerte Dreier. In genau drei Wochen wird’s wieder richtig heiß in der Paul-Horn-Arena. Dann starten die Tigers Tübingen mit einem Heimspiel gegen die Nürnberg Falcons in die neue Saison der 2. Basketball-Bundesliga. Vor dem Beginn der entscheidenden Phase der Saisonvorbereitung spricht Tigers-Vorstandschef Prof. Michael Bamberg im GEA-Interview darüber, was den Club in diesen Tagen am meisten bewegt.
GEA:Die Schlagzeilen rund um die Tigers waren zum Vorbereitungsstart nach der überraschenden Trennung von Philipp Reinhart nach nur einem Jahr als General Manager eher negativ. Was gibt es Positives über die Tübinger Zweitliga-Basketballer zu berichten, dass allen Fans Mut macht für die kommende Saison?
Michael Bamberg: Nochmals zu Beginn: Wir haben uns im besten Einvernehmen mit Philipp getrennt. Jetzt gehen die Blicke aber nach vorne und wir sind sehr gespannt, wie sich die Mannschaft zusammenfindet. Wir haben schon ein bisschen in das Team reingehorcht und bei den Trainingseinheiten zugeschaut. Die Jungs verstehen sich schon sehr gut miteinander, da gibt es keinen Quertreiber. Beide Coaches (Headcoach Henrik Sonko und Co-Trainer Troy Culley, Anm. d. Red.) können sehr gut mit den Spieler und Charakteren umgehen. Ich bin überzeugt davon, dass sie daraus eine gute Mannschaft formen und wir oben mitspielen werden.
Wie weit kann es für die Tigers in dieser Spielzeit gehen?
Bamberg: Wir wollen auf jeden Fall in der Play-off-Runde unter die ersten vier Mannschaften kommen. Mit der Möglichkeit in die erste Liga aufzusteigen.
Zur Person
Michael Bamberg wurde am 17. August 1947 in Hamm geboren. Seit 1997 ist er Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Tübingen. Der Professor für Radioonkologie war bereits zwischen 2008 und 2020 Mitglied des Verwaltungsbeirats der ProBasket Tübingen GmbH und ist seit März 2020 Vorstandsvorsitzender der ProBasket Tübingen AG. Bamberg ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Er ist seit 1976 verheiratet. Aus der Ehe stammen drei Kinder. (wil)
Würden Sie sich im Nachhinein erneut für Philipp Reinhart als General Manager entscheiden?
Bamberg: Wir haben klare Aussagen gemacht und haben uns gemeinsam darauf verständigt, dass wir uns zu diesem Thema nicht weiter äußern werden. Das bitte ich zu respektieren.
Wie läuft die Manager-Suche jetzt ab?
Bamberg: Wir haben die Stelle neu ausgeschrieben und sind davon überzeugt, dass wir einen guten Nachfolger oder Nachfolgerin finden werden. Die Tigers Tübingen sind ein interessantes Pflaster, das viele auch als ein Sprungbrett für die eigene Weiterentwicklung nehmen könnten. Der neue General Manager wird aber nicht vor November oder Dezember da sein.
Welche auch von Reinhart zuletzt angestrebten Veränderungen müssen im Club her?
Bamberg: Ein wichtiger Punkt ist der Auftritt des Clubs nach außen. Wir müssen uns beispielsweise auf Social Media noch deutlich mehr präsentieren. Vor allem auch mit interessanten Geschichten, die die Leute packen. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Zudem haben wir uns noch mehr um das Netzwerk der Sponsoren zu kümmern. Das war in den vergangenen Jahren nicht optimal, das müssen wir deutlich verstärken und ausbauen. Wir sind gerade intensiv dabei, die Zahl unserer Partner aufzufrischen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage ist es aber aktuell ein sehr zähes Geschäft. Wir haben einige Firmen, die zwar gerne weitermachen würden, das Thema Sport-Sponsoring in Zeiten von Kurzarbeit oder Entlassungen aber nicht im großen Stil betreiben können. Das müssen wir verstehen und tun das auch. Es gibt aber auch Partner, die ihre Unterstützung erhöht haben oder Sponsoren, die wir neu dazugewinnen konnten. Zum Beispiel aus dem Lebensmittelsektor. Das ist sehr branchenabhängig.
»In Tübingen sind die Gebühren für die Nutzung der Paul-Horn-Arena und auch die Trainingshalle erheblich erhöht worden. Wir zahlen in dieser Saison 30.000 Euro mehr an Abgaben an die Stadt. «
Wie sieht es konkret mit Zahlen aus?
Bamberg: Insgesamt haben wir rund 200.000 Euro weniger an Sponsoreneinnahmen zur Verfügung. Das entspricht einem Rückgang von etwa 15 Prozent. Wir geben aber wirklich alles und sind weiter in vielen Gesprächen, um die Lücke zu schließen. Ich bin jede Woche locker fünf, sechs Mal unterwegs. Es ist manchmal schon frustrierend, wenn man zehn Mal bei potenziellen neuen Sponsoren angerufen und sein Glück versucht hat, dann aber keine Antwort bekommt. Was wir allerdings merken: Wenn wir mal die Möglichkeit haben uns persönlich vorzustellen, dann ist die Chance hoch, dass wir einen Partner neu dazugewinnen. Das macht Hoffnung.
Andere Clubs dürften sich auf dem Sponsoren-Markt ebenfalls schwer tun...
Bamberg: Das stimmt. Allerdings haben Clubs, die einen Namenssponsor mit einem Vertrag über mehrere Jahre haben, entsprechende Vorteile. Was man auch einfach mal sagen muss: In Tübingen sind die Gebühren für die Nutzung der Paul-Horn-Arena und auch die Trainingshalle erheblich erhöht worden. Wir zahlen in dieser Saison 30.000 Euro mehr an Abgaben an die Stadt. Das ist eine Menge Holz. Gerade wenn man hört, dass unser Zweitliga-Konkurrent Hagen dem Vernehmen nach nur 5.000 Euro jährlich an Miete an die Stadt zahlen muss.
Gleichzeitig werden die wirtschaftlichen Anforderungen in der Bundesliga und auch in der Pro A immer höher. Wie schwer ist dieser Spagat?
Bamberg: Wenn wir zum Beispiel in dieser Saison wieder in die Bundesliga aufsteigen würden, bräuchten wir einen Mindestetat von vier Millionen Euro. Genau deshalb brauchen wir über kurz oder lang auch wieder einen Namenssponsor. Aber die Reihenfolge muss anders lauten. Erstmal müssen wir gut spielen, wieder in die Playoffs kommen und aufsteigen. Und wenn wir schlussendlich sportlich erfolgreich sind und in den nächsten zwei Jahren wieder in die Bundesliga zurückkehren sollten, ist die Chance einen Namenssponsor zu finden, aus meiner Sicht sehr hoch.
»Wir sehen uns beispielsweise in Reutlingen noch nicht so stark aufgestellt. Da müssen wir noch deutlich präsenter werden. Reutlingen ist ein sehr wichtiges Gebiet für uns.«
Müssten die Tigers dafür nicht noch mehr aus dem Kerngebiet Tübingen raus und sichtbarer werden?
Bamberg: Auf jeden Fall. Wir sehen uns beispielsweise in Reutlingen noch nicht so stark aufgestellt. Da müssen wir noch deutlich präsenter werden. Reutlingen ist ein sehr wichtiges Gebiet für uns. Generell müssen wir müssen noch mehr Fans aus der gesamten Neckar-Alb-Region überzeugen, zu unseren Spielen in die Halle zu kommen. Denn wer einmal in der Halle war, der kommt meistens wieder. Das liegt daran, dass Basketball ein so spannender und aufregender Sport ist. Viel spannender als Fußball finde ich (lacht).
Werden die Tigers Tübingen im kommenden Frühjahr einen Lizenzantrag für die Bundesliga stellen können?
Bamberg: Wir haben letztes Jahr aufgrund der Gesamtsituation, Finanziell aber auch sportlich, uns als nicht so stark angesehen, dass wir es konnten. In dieser Saison werden wir die Flinte nicht so früh ins Korn werfen, bis zum Schluss kämpfen und wenn es irgendwie geht und vernünftig ist, den Lizenzantrag für die Bundesliga stellen. Um auch zu zeigen, was wir wollen und wo wir hinwollen.
Ist der Etat im Vergleich zum Vorjahr gestiegen?
Bamberg: Nein, der Etat bewegt sich in der gleichen Größenordnung wie in der vergangenen Saison. Übrigens hängt das auch stark davon ab, wie viele Zuschauer kommen. Das sind sehr wichtige Einnahmequelle für uns. Wenn wir statt 2.200 Fans, 2.600 oder 2.700 Zuschauer in der Paul-Horn-Arena haben, macht das einen riesengroßen Unterschied.
»2032 bräuchten wir eine größere Halle. Mein größter Wunsch wäre eine große Mehrzweckhalle zwischen Tübingen und Reutlingen.«
Ist eine dauerhafte BBL-Rückkehr mit den zunehmend größer werdenden Anforderungen für einen so kleinen Standort wie Tübingen wirklich realistisch?
Bamberg: Fakt ist: 2032 bräuchten wir eine größere Halle. Mein größter Wunsch wäre eine große Mehrzweckhalle zwischen Tübingen und Reutlingen. Mit 5.000 Zuschauerplätzen, wo beide Städte und auch andere Mannschaften aus der Region davon profitieren würden. Doch da müsste man erst einmal jemand finden, der das finanziert. Bis 2032 wird das wohl nicht zu schaffen sein. Aber wir glauben, dass wir es schaffen können, wenn wir uns eben nicht nur auf Tübingen begrenzen, sondern die gesamte Neckar-Alb-Region für den Basketball-Sport miteinbeziehen und begeistern. Ludwigsburg hat ja auch nicht mehr Einwohner als Tübingen und spielt seit vielen Jahren erfolgreich in der Bundesliga. Mein Appell: Liebe Reutlinger, in 20 Minuten seid ihr bei uns in der Halle und könnt tolle Spiele sehen. Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und dazu bald einen Namenssponsor finden, bin ich überzeugt davon, dass sich die Tigers Tübingen langfristig in der Bundesliga etablieren können. (GEA)

