TÜBINGEN. Noch acht Minuten waren im letzten Viertel auf der Uhr, da blickten die Fans in der Paul-Horn-Arena in versteinerte Mienen. Die Blicke der Spieler bei den Tigers Tübingen auf der Ersatzbank gingen ins Leere. Hallensprecher Claus Sieghörtner wollte die Zuschauer zu »Tigers, Tübingen«-Rufen animieren. Doch bei einem Rückstand von 60:86 war den Anhängern der Raubkatzen die Lust vergangen. Verständlich.
Auch wenn die Tübinger Basketballer am Samstag auf den Tabellenführer Phoenix Hagen trafen, so herrschte nach der Schlusssirene und einer 78:104 (40:52)-Pleite Ernüchterung. Die Niederlage an sich war nicht der Hauptgrund dafür. Damit musste man im Duell mit dem derzeitigen Ligaprimus rechnen. Es lag vielmehr daran, dass nach der bereits zehnten Niederlage in dieser Zweitliga-Saison die Erkenntnis herrschte: An eine Play-off-Teilnahme der Tigers sollte man aktuell nicht einmal im Traum denken.
Tigers-Fanblock boykottiert Spiel
Am Samstagabend boytkottierte der gesamte Fanblock der Tigers Tübingen das Spiel gegen Hagen. Der Grund: Beim Spiel der Raubkatzen in Karlsruhe am 5. Dezember 2025 wurden drei Tübinger Fans nach einem Vorfall mit einem Hallenverbot von drei Partien bei den Heimspielen in der Paul Horn-Arena belegt. Dazu gab es eine Geldstrafe gegen die Tigers Tübingen. Aus Solidarität mit den Betroffenen boykottierten der Fanklub Neckar Tigers e. V. sowie die Fangruppierung Massimo 03 die aktive Unterstützung. (GEA)
Trainer Henrik Sonko hatte zwar recht mit seinen Aussagen nach der Partie, als er sagte: »Hagen war das beste Team, gegen das wir diese Saison gespielt haben. Das war eindrucksvoll. Sie sind bereit, den Aufstieg ins Visier zu nehmen.« Trotzdem sind die basketballverrückten Fans an diesem Traditionsstandort anderes gewöhnt, als nur ein Sparringspartner gegen einen solchen Gegner zu sein. Zumal sich Vorstandschef Michael Bamberg vor der Saison euphorisch zeigte und davon sprach, unter die Top Vier kommen zu wollen.
Nur zu Beginn bestand ein wenig Anlass zur Hoffnung, dass den Unistädtern gegen den Ruhrpott-Club die Überraschung gelingen könnte. Nach 42 Sekunden führten die Hausherren mit 5:0. Eng war es auch noch beim 33:35 in der 16. Minute. Dann verwandelte die Mannschaft von Phoenix-Coach Chris Harris allerdings zwei schwere Dreier und zog bis zur Pause auf 50:42 davon. Auffällig war, dass die Tübinger zahlreiche haarsträubende Turnover produzierten. Bereits in den ersten 20 Minuten schmissen die Tigers neun Bälle weg. Normalerweise leisten sich die Sonko-Schützlinge im Schnitt 12 Mal pro Partie einen Ballverlust.
Nach der Halbzeitpause war die Begegnung schließlich komplett einseitig. Die Westdeutschen spielten ihre Qualitäten in der Offense und Defense vermehrt aus und lagen nach 36 Minuten mit 99:68 am höchsten in Führung. Nur weil ihnen dann drei Minuten lang kein Korb mehr gelang, blieb den Tigers eine noch deutlichere Niederlage erspart. Ohnehin ist es die Höchststrafe, 100 Punkte des Gegners in eigener Halle zuzulassen. Bis auf die Blocks (3:2), alle übrigens durch Tigers-Topscorer Bernard Pelote, gingen alle Statistiken an die Gäste. Sie setzten immer wieder auf eine Zonen-Verteidigung, mit der die Raubkatzen nicht zurechtkamen. Vieles im eigenen Angriff war Stückwerk und nicht schön anzusehen. Zudem kämpften die Neckarstädter wieder einmal mit Problemen bei der Dreier-Wurfquote (nur 8 von 30 - 27 Prozent). Die deutlich größeren Probleme lagen aber in der Defensive. Ein unauffälliges Debüt gab der nachverpflichtete Tübinger Point Guard Larry Thomas (drei Punkte in zehn Minuten).
»Erstmal möchte ich loswerden, dass es immer eine Ehre ist, hier zu gewinnen«, sagte Phoenix-Trainer Harris, der sich nach der Partie fleißig zeigte und Sprudelkisten zum Bus vor der Halle schleppte. So etwas sieht man im Profi-Geschäft selten. Der 46-Jährige, seit nun schon November 2018 Headcoach bei den Donnervögeln, berichtete aus eigener Erfahrung: »Ich habe hier einige Niederlagen kassiert. Es ist, glaube ich, drei Jahre her, dass wir hier gewonnen haben, weswegen es für uns eine tolle Sache ist.«
Zwei schwere Brocken in den nächsten drei Partien
Sein Gegenüber Sonko betonte enttäuscht: »Wir waren leider nicht auf dem Level der letzten Wochen, was ich auch auf meine Kappe nehme. Die Trainingswoche war nicht so intensiv wie sonst.« Das hätte auch daran gelegen, dass mit Thomas ein neuer und mit Isaiah Sanders und Connor Nelson zwei wiedergenesene Akteure ins Training integriert werden hätten müssen. Der 47 Jahre alte Schwede ergänzte: »Man hat in den Köpfen der Spieler gemerkt, dass die letzten Wochen hart für sie waren. Wir machen weiter und hoffen auf neue Impulse von den Spielern, die jetzt langsam zurückkehren.«
Einfacher wird's in den kommenden Wochen jedenfalls nicht. Erst müssen die Tigers am Samstag zum unangenehmen Auswärtsgegner Bochum. Anschließend reist der Tabellenzweite Göttingen in die Paul-Horn-Arena, ehe es für das Sonko-Team zum schnellen Re-Match nach Hagen geht. (GEA)


