KIRCHHEIM. Der Fauxpas des Kirchheimer Hallensprechers ließ alles etwas harmloser erscheinen aus Tigers-Sicht. Zu Beginn der Pressekonferenz redete Daniel Zirn von einem 83:82-Erfolg seiner Knights. Damit sprach er den Tübinger Zweitliga-Basketballern stattliche 20 Punkte mehr zu, als diese in den vorangegangenen 40 Spielminuten erzielt hatten. Mit einer deutlichen 62:83 (30:35)-Niederlage im Gepäck mussten die Schützlinge von Cheftrainer Henrik Sonko nach dem Derby die Heimreise antreten. Nur nach der ersten erfolgreichen Aktion, einem Dreier von Miles Tention zum 3:2 (2.) sowie dem insgesamt schon vorletzten verwandelten Wurf des US-Amerikaners zum 9:7 (4.) lag der vom Papier her haushohe Favorit in der mit 1.051 Zuschauern ordentlich gefüllten Sporthalle Stadtmitte der Teckstadt in Front.
Es hatte einige Zeit gedauert, ehe Sonko nach dem Spiel versuchte, der Handvoll übrig gebliebenen Besucher die Pleite gegen den vor diesem Doppelspieltag mit nur einem einzigen Sieg aus sechs Spielen Tabellenvorletzten zu erklären. »Ich hatte das Bedürfnis, einige Dinge anzusprechen, die wohl besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen«, berichtete der Tübinger Trainer ernüchtert, nachdem er zuvor klare Worte an seine Spieler gerichtet hatte. Kirchheim hatte mit einer deutlich höheren Intensität gespielt. »Dagegen haben wir kein Mittel gefunden«, musste der Schwede eingestehen. Ex-Tigers-Spieler und Trainer Igor Perovic hatte sein Team nach dem 80:76-Erfolg am Freitag im Kellerduell bei den Karlsruhe Lions auch auf den zweiten Lokalrivalen »gut eingestellt. Sie haben uns attackiert und waren nicht in der Lage so zu verteidigen, wie wir das im bisherigen Saisonverlauf getan hatten«. Auch taktisch hätten sich seine Mannen keine 48 Stunden nach dem packenden 84:82-Thriller gegen Gießen nicht gut verhalten.
Der Kirchheimer Trainer-Fuchs Perovic hatte seine Spieler optimal auf die Gäste vorbereitet, sodass die Mannschaft ein komplett anderes Gesicht zeigte als zuletzt. Gegen die von ihm angeordnete Zonen-Verteidigung fanden die Sonko-Schützlinge kein Mittel. »Das Entscheidende war unsere Intensität«, verriet der Serbe. Perovic' »Ritter« hätten durch den zweiten Saisonsieg vor zwei Tagen im Badischen »viel Selbstvertrauen erlangt« und nun gegen seinen ehemaligen Club »mit viel Energie gespielt und unsere gemachten Fehler durch großen Kampf ausgeglichen«. Ansonsten eher zurückhaltend präsentierte sich der mittlerweile 51-Jährige am Sonntagnachmittag richtig emotional an der Seitenlinie. Vier Jahre als Spieler und sogar sechs Jahre als Coach machen für ihn Spiele gegen Tübingen auch ziemlich genau ein Jahrzehnt nach seinem Rücktritt bei den Tigers am 23. Dezember 2015 zu etwas ganz Besonderem. »Der Verein ist ein Teil von mir. Ich hatte dort eine großartige Zeit«, verriet der ehemalige Publikumsliebling der Tigers-Fans.
Nun sorgte Perovic mit seinen Kirchheimern dafür, dass Sonko und sein Team mit gemischten Gefühlen auf den Doppelspieltag zurückblicken. Mit fünf Siegen bei drei Niederlagen steht Tübingen auf dem sechsten Tabellenplatz. »Wir müssen aus dieser Niederlage lernen und verstehen, dass wir in jedem Spiel alles auf dem Platz lassen müssen«, machte Sonko deutlich. In dieser Pro A gäbe es für den ehemaligen Bundesligisten keine einfachen Spiele. »Wir müssen uns nun gezielt auf die nächste Partie gegen die Paderborn Baskets vorbereiten, um in allen Bereichen eine bessere Leistung abrufen zu können.« Nach vier Erfolgen und der damit drittbesten Serie der Liga musste sein Team wieder eine Niederlage einstecken. Dabei fanden die Raubkatzen nie ins Spiel. Je länger die Partie ging, desto besser wurde der Gegner. In der 39. Minute hatten die Teckstädter schließlich beim Stand von 81:60 die höchste Führung herausgespielt, die sie dann auch ins Ziel brachten.
Bei den Tigers war wie gegen Gießen Bernard Pelote mit 22 Zählern bester Punktesammler. Von seinen Teamkollegen kam insgesamt viel zu wenig, um ein besseres Ergebnis erzielen zu können. Nur Melkisedek Moreaux (14) konnte neben Pelote zweistellig punkten. Aus der Distanz sollten nur sechs von 23 Versuchen (26 Prozent) ihr Ziel finden. Nur das zweite Viertel sollte mit 17:16 knapp an die Gäste gehen. Pelote hatte in den folgenden zehn Minuten durch 13 Punkte quasi im Alleingang dafür gesorgt, dass die Chance auf einen Erfolg zumindest ein wenig am Leben blieb. Dann geriet die Tübinger Aufholjagd zusehens ins Stocken. Die zahlreich mitgereisten Tigers-Fans hatten lange Zeit für eine würdige Stimmung gesorgt. Nach dem 77:60 (38.) durch Topscorer Philipp Russell (23) fingen die Kirchheimer Spieler auf der Bank an, sich abzuklatschen und die Fans der Hausherren skandierten lautstark »Derby-Sieger«. Den Gästen blieb nur das Nachsehen. (GEA)

