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Metzingen Open: Das sagt Turnierdirektor Markus Gentner vor dem Start

Vor dem Start des ITF-Tennis-Profiturniers am Montag spricht Turnierdirektor Markus Gentner über die Aufstockung der Metzingen Open, was diese bedeutet und darüber, warum junge Menschen offenbar doch nicht so faul sind, wie ihnen häufig nachgesagt wird.

Markus Gentner ist der Cheftrainer beim TC Metzingen.
Markus Gentner ist der Cheftrainer beim TC Metzingen. Foto: Pieth
Markus Gentner ist der Cheftrainer beim TC Metzingen.
Foto: Pieth

METZINGEN. 2023 feierte der Tennisclub Metzingen sein 90-jähriges Bestehen. Die Verantwortlichen wollten dazu etwas Besonderes machen. Die Idee: Ein internationales und hochklassiges Profi-Turnier am heimischen Bongertwasen veranstalten. Der Rest ist Geschichte. Weil die Planungen bereits 2022 sehr weit waren, entschieden sich Markus Gentner und Co. bereits ein Jahr vor dem offiziellen Jubiläum, ein ITF-Turnier auszurichten.

Am Montag (Qualifikation ab 10 Uhr) starten die Metzingen Open bereits in ihre vierte Auflage. Im GEA-Interview spricht Turnierdirektor Gentner über die Aufstockung des Turniers, was diese bedeutet und darüber, warum junge Menschen offenbar doch nicht so faul sind wie ihnen häufig nachgesagt wird.

Zur Person

Markus Gentner ist 48 Jahre alt, Gründer und Inhaber der 4winners-Tennisakademie. Zwischen 2010 und 2021 war er Trainerin der Weltkklassespielerin Laura Siegemund (Top-Ranking: Platz 27). Gentner ist Turnierdirektor der Metzingen Open. (ott)

GEA: 2022 habt Ihr Euch in ein großes Abenteuer gestürzt. Jetzt gehen die Metzingen Open bereits in die vierte Auflage und wurden kürzlich vom Tennisweltverband ITF und dem Deutschen Tennis Bund (DTB) sogar ausgezeichnet. Habt Ihr Euch das damals vor dem Start erträumt?
Markus Gentner: Ein ganz klares Nein. Die Auszeichnungen sowieso nicht. Wir haben auch wirklich nicht damit gerechnet. Denn diese Auszeichnungen erhalten in der Regel die etwas größeren Turniere, die schon sehr lange im Turnierkalender dabei sind. Dass wir das bereits in unserem dritten Jahr bekommen haben, ist eine wahnsinnige Auszeichnung und große Ehre für uns. Es war aber schon unser Ziel, dass wir hier in Metzingen etwas kreieren, das für die Region einzigartig ist. Gleichzeitig war zum Start 2022 für uns klar, dass es keine einmalige Sache wird. Wir konnten viele Dinge damals allerdings noch nicht richtig einschätzen.

Zum Beispiel?
Gentner: Wie ist der Zuschauerzuspruch? Wie funktioniert es in der Region mit Sponsoren? Und wie auch innerhalb des Clubs, was beispielsweise freiwillige Helfer angeht? Und findet es eine Akzeptanz? Schließlich ist die Anlage zwei Wochen lang fast komplett belegt. All das konnte man davor nicht wissen, wenn man es auf die Art und Weise macht, wie wir es tun: Über die hauptsächlich ehrenamtliche Schiene. Doch wir haben schnell gemerkt, dass das Turnier innerhalb des Vereins eine hohe Akzeptanz gefunden hat. Von alleine passiert so etwas aber nicht. Über allem steht die Wertschätzung. Man muss den Leuten das Gefühl geben, dass sie ein ganz wichtiger Teil von einer Veranstaltung sind, die für den Verein und die Reputation extrem wertvoll ist. Wir schätzen es unglaublich wert, was die vielen ehrenamtlichen Helfer für das Turnier und den Verein machen.

Die Metzingen Open sind ein Zuschauermagnet. Hier ist die proppevolle Haupttribüne auf dem Center Court zu sehen.
Die Metzingen Open sind ein Zuschauermagnet. Hier ist die proppevolle Haupttribüne auf dem Center Court zu sehen. Foto: Ulmer
Die Metzingen Open sind ein Zuschauermagnet. Hier ist die proppevolle Haupttribüne auf dem Center Court zu sehen.
Foto: Ulmer

Was hat das Turnier mit dem Image des TC Metzingen gemacht?
Gentner: Es hat den Bekanntheitsgrad nochmals unglaublich gesteigert. Ich komme durch meine Tätigkeit als Tennistrainer sehr viel rum und merke, dass das Turnier in den Köpfen der Leute ist. Was das Image angeht? Über das Turnier transportieren wir als Verein die klare Botschaft: Dieser Club ist vital und macht etwas, was andernorts nicht der Fall ist.

Was ist alles neu in diesem Jahr?
Gentner: Mit der Verdoppelung des Preisgeldes und dem Aufstieg in der Turnierkategorie haben wir jetzt einen Riesenschritt gemacht. Das hätten wir schon sehr gerne im Vorjahr gemacht, hat aber leider nicht geklappt von Seiten des Tennis-Weltverbands (ITF). Generell versuchen wir, jedes Jahr das Schräubchen noch weiterzudrehen und das Turnier durch verschiedene Aktivitäten größer und attraktiver zu machen. Wir machen das bewusst in kleinen Schritten, weil wir auch nicht überpacen wollen. Wir werden in diesem Jahr für die Zuschauer in unserem Food Village zum Beispiel ein anderes Essensangebot haben. Außerdem ist es uns in diesem Jahr gelungen, mit Patrik Kühnen einen deutschen Tennis-Promi und dreifachen Davis-Cup-Sieger nach Metzingen zu holen. Er wird am Samstag als Markenbotschafter für Wilson vor Ort sein, wo die Zuschauer verschiedene Schläger testen und sich von ihm beraten lassen können. Gleichzeitig haben wir in diesem Jahr gegenüber von der Haupttribüne erstmals eine mobile Tribüne mit weiteren 150 Sitzplätzen, die dem Center Court einen kleinen Schüssel-Charakter gibt (schmunzelt). Dazu kommt, dass wir dieses Jahr erstmals einen Livestream haben. Das heißt, die Metzingen Open können global verfolgt werden.

Eine der Hauptattraktionen in diesem Jahr bei den Metzingen Open: Rudolf Molleker.
Eine der Hauptattraktionen in diesem Jahr bei den Metzingen Open: Rudolf Molleker. Foto: Horky/Witters
Eine der Hauptattraktionen in diesem Jahr bei den Metzingen Open: Rudolf Molleker.
Foto: Horky/Witters

Was bedeutet der Aufstieg in der Turnierkategorie konkret?
Gentner: Das Teilnehmerfeld ist noch attraktiver. Das diesjährige Qualifikationsfeld ist ganz grob das Hauptfeld aus dem vergangenen Jahr. Mit dem Bolivianer Juan Carlos Prado Angelo haben wir einen Spieler bei den Metzingen Open, der auf Platz 268 in der Weltrangliste steht. Die Hauptzahl der Spieler liegt zwischen Platz 300 und 400. Das ist richtig stark undsuperattraktivv. Wir erhoffen uns dadurch, dass noch mehr Zuschauer kommen werden. Auch, weil wirklich einige interessante deutsche Spieler dabei sind. Zum Beispiel Rudi Molleker, der bereits auf Rang 146 in der Welt lag.

Wie schwer war es angesichts der wirtschaftlichen Lage, Sponsoren zu finden oder weiter an Bord zu halten?
Gentner: Schwerer als die letzten Jahre. Interessanterweise haben allerdings viele Sponsoren durch die höhere Kategorie noch einmal was draufgelegt. Das empfinden wir als eine große Form der Wertschätzung. Die Großzahl der Sponsoren ist geblieben, einige sind sogar noch dazugekommen. Insgesamt gibt es nur ein, zwei Sponsoren, die ausgestiegen sind. Das ist schon bemerkenswert.

Florian Broska, der Sieger aus dem vergangenen Jahr, hat wieder gemeldet und schlägt bei den Metzingen Open auf.
Florian Broska, der Sieger aus dem vergangenen Jahr, hat wieder gemeldet und schlägt bei den Metzingen Open auf. Foto: Ulmer
Florian Broska, der Sieger aus dem vergangenen Jahr, hat wieder gemeldet und schlägt bei den Metzingen Open auf.
Foto: Ulmer

Wie stolz sind Sie auf den Verein?
Gentner: Das macht mich abartig glücklich (grinst). Es ist jedes Mal wieder toll zu sehen, wie viele Leute mit einer großen Freude mithelfen. Alle tragen eine Riesenbegeisterung in sich und arbeiten gemeinsam auf ein großes Ziel hin. Und das in Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, engagierte und ehrenamtliche Leute zu finden. Vor allem finde ich es auch cool, dass bei uns so viele junge Leute mit dabei sind und sie für sich daraus ein richtiges Projekt machen. Das macht mich schon sehr stolz. Oftmals heißt es ja: Die jungen Leute hängen nur noch rum und können sich für nichts begeistern. Das ist bei uns ganz sicher nicht der Fall. Die jungen Leute schlüpfen in Rollen, wachsen da nach und nach rein und übernehmen mit der Zeit immer mehr Verantwortung. Das finde ich einen super Nebeneffekt von den Metzingen Open, wenn man es als Vehikel für die Entwicklungsmöglichkeit von jungen Menschen nimmt.

Warum sollte jeder Tennisbegeisterte ab Montag an den Bongertwasen zu den Metzingen Open kommen?
Gentner: Weil es wieder unfassbar gutes Tennis zu sehen gibt. Das war in den vergangenen drei Jahren bereits der Fall und wird nun durch das Upgrade noch besser werden. Und wegen dem Ganzen drumherum. Wir haben eine gute Mischung zwischen Professionalität und einer familiären Atmosphäre. Zudem haben wir wieder einige coole Side Events geplant, um den Zuschauern die Zeit auf der Anlage noch schöner zu machen. Vorbeischauen lohnt sich. Versprochen! (GEA)