REUTLINGEN. Für die Frauen-Mannschaft des TV Reutlingen war die Ausgangslage klar: Bei einer Niederlage am Sonntag gegen den VfL Sindelfingen III ist der Abstieg in die Tennis-Oberliga endgültig besiegelt. Doch im Keller brennt noch Licht. Die Reutlingerinnen setzten sich zu Hause an der Rudolf-Harbig-Straße überraschend deutlich mit 8:1 durch und feierten den ersten Saisonsieg im vierten Spiel. »Ich weiß nicht, wie wir es gemacht haben. Aber wir haben sie paniert«, sagte Mannschaftsführerin Lisa-Marie Wurst und grinste. Damit können die 23-Jährige und ihre Teamkolleginnen wieder Hoffnung im Abstiegskampf schöpfen.
Erfreulich ist, dass Nadja Laubheimer, Ela Altuntas und Noelle Frenzel jeweils ihren ersten Einzelsieg diese Saison einfahren konnten. Insbesondere für Laubheimer war der erste Erfolg längst überfällig. Schließlich hatte die 24-Jährige in den ersten beiden Matches jeweils im entscheidenden Match-Tie-Break ganz knapp das Nachsehen. Ein kleiner Schachzug beim ersten Saisonsieg war auch, dass die beiden Spitzenspielerinnen Wurst und Emma Glaser sich trotz des bereits feststehenden Sieges im Doppel zum ersten Mal aufteilten. »Wir wissen, dass es in der Endabrechnung auf jedes einzelne Spiel ankommen kann«, berichtete Wurst und ergänzte: »Nächste Woche beim Doppelspieltag erwartet uns ein sehr schweres Spiel gegen den Tabellenführer Ludwigsburg und Tübingen, die ebenfalls gut aufgestellt sind.« Doch die Leistung am Sonntag ist ein Mutmacher, dass die TVR-Frauen den zweiten Abstieg in Folge doch noch verhindern können.
Jetzt ist es also amtlich, was nicht mehr schiefgehen konnte: Der TC Metzingen ist Meister in der Männer-Oberliga und feiert nach zwei Jahren die Rückkehr in die Württembergliga. Die Metzinger hatten beim 9:0-Erfolg gegen das abgeschlagene Liga-Schlusslicht TC Bernhausen leichtes Spiel und dominierten ihre Gegner nach Belieben. Im gesamten Match gaben die Schützlinge von Cheftrainer Markus Gentner nur zwei (!) Minispiele ab. Es war der krönende Abschluss einer perfekten und ungeschlagenen Saison.
»Wir hatten es uns den Aufstieg schon letztes Jahr zum Ziel gesetzt, deshalb ist es super, dass es jetzt geklappt hat. Gleichzeitig ist klar: Wenn ich mir die extrem starke Württembergliga anschaue, dann müssen wir alle noch ein Schippchen drauflegen. Weil dort weht nochmal ein ganz anderer Wind. Das ist allerdings keine Kritik. Aber ich weiß einfach, dass das Niveau dort wirklich phänomenal ist«, betonte der ehrgeizige Gentner, der in dieser Woche als Turnierdirektor beim ITF-Turnier Metzingen Open alle Hände voll zu tun hat.
Wie wichtig der Aufstieg in die Württembergliga für den Verein ist? »Ich finde es unfassbar wichtig, dass ein Verein heutzutage auch ein Statement in Richtung des Leistungsbereichs setzt. Vor allem für solch einen Club wie den TC Metzingen mit dieser Tradition und Größe. Das sportliche Niveau ist für mich die Grund-DNA eines Tennisvereins. Das geht übrigens überhaupt nicht auf Kosten des Breitensports, der ebenfalls sehr wichtig ist. Das Eine schließt das Andere nicht aus«, entgegnete der langjährige Trainer der diesjährigen Wimbledon-Viertelfinalistin Laura Siegemund mit klaren Worten.
Ebenfalls voll in der Erfolgsspur ist die zweite Männer-Mannschaft des TV Reutlingen, die in der Tennis-Württembergliga ein dickes Ausrufezeichen gesetzt hat. Das Team um Kapitän Peter Mayer-Tischer gewann am Doppelspieltag nicht nur beide Partien, sondern bezwang am Sonntag gleichzeitig den Tabellenführer TEC Waldau Stuttgart vor heimischer Kulisse mit 6:3. »Sie waren mit ihrer besten Aufstellung da, dementsprechend war das wirklich ein ganz toller Sieg gegen den Spitzenreiter. Was will man mehr?«, freute sich Routinier Mayer-Tischer. Kurios: Einen Tag zuvor setzten sich die Achalmstädter mit 7:2 gegen die zweite Mannschaft des TEC Waldau durch, die ebenfalls im württembergischen Oberhaus aufschlägt.
Besonders für einen Akteur hatte Mannschaftsführer Mayer-Tischer ein großes Lob übrig: Nico Hornitschek. Der 25 Jahre alte Metzinger war in den vergangenen Jahren auf der ITF-Profi-Tour unterwegs (Top-Weltranglistenplatzierung: 1.029/Oktober 2024), bevor er viele Monate verletzt pausieren musste. Pünktlich zum Start der neuen Württembergliga-Saison vor drei Wochen kehrte Hornitschek dann wieder auf den Platz zurück und kam bislang in allen Spielen im Einzel und Doppel. »Wie er sich in den Dienst der Mannschaft stellt, ist schon Wahnsinn. Ihm fällt es körperlich schon manchmal noch schwer, aber er spielt trotzdem jede Woche im Einzel und im Doppel. Dass er an Position eins dafür sorgt, dass jeder Spieler eine Position weiter hinten spielen kann, ist ein positiver Nebeneffekt. Noch viel wichtiger ist aber, dass Nico eine so gute Energie mitbringt, von Außen die Mitspieler coacht und kräftig anfeuert«, lobte Mayer-Tischer.
Zwei Spieltage vor Schluss, auch am kommenden Wochenende warten auf den TVR wieder zwei Partien, herrscht Hochspannung an der Tabellenspitze: Mit dem TEC Waldau, TV Reutlingen II und dem SV Böblingen stehen gleich drei Mannschaften mit jeweils vier Siegen aus fünf Begegnungen punktgleich oben.
Auf den letzten Drücker etwas zu feiern hat auch der Oberligist TC Markwasen. Zwar unterlagen die Reutlinger am letzten Spieltag dem Cannstatter TC mit 3:6, doch weil der VfL Sindelfingen II gegen den schärfsten Verfolger TC Leonberg parallel mit 6:3 siegte ist der Ligaverbleib aufgrund der mehr gewonnen Matches amtlich. »Wir haben gerade noch so unser Ziel erreicht. Das war extrem wichtig, weil zweimal in Folge abzusteigen schon extrem bitter gewesen wäre«, sagte Cheftrainer Marek Kimla erleichtert. (GEA)




