REUTLINGEN. Mit »viel Freude« startet Thomas Herbst seine neue Aufgabe als Cheftrainer beim Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen. Mit sofortiger Wirkung übernimmt der 38-Jährige, der zuletzt beim Liga-Rivalen 1. CfR Pforzheim das Sagen hatte, als Coach die erste Mannschaft. Der bisherige Interimstrainer Marvin Petzschner wird ihm als »Co« zur Seite stehen. Dies gab der Club am Montag bekannt.
»Die ehrliche Analyse der Situation und die Perspektive dieses Vereins haben mich überzeugt, diese Aufgabe jetzt zu übernehmen«, sagt Herbst. »Im ersten Schritt geht es darum, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu sichern und zugleich die Grundlage für kommende sportliche Schritte zu legen.« Die Nullfünfer verabschiedeten sich trotz großer Ambitionen auf Platz 15 und damit in akuter Abstiegsgefahr in die Winterpause.
Trainerlaufbahn früh eingeschlagen
Nun blicken die Verantwortlichen nach vorne: »Thomas Herbst kennt die Liga, er kennt die Anforderungen – und er hat bewiesen, dass er auch in schwierigen Phasen arbeiten und Ergebnisse erzielen kann. Das war für uns in der aktuellen Situation entscheidend«, betont Sportvorstand Christian Grießer. Herbst hatte im Januar 2024 die Verantwortung in Pforzheim übernommen und das Team auf Platz vier geführt. In der Folgesaison beendete der 1. CfR die Runde unter seiner Regie auf Rang fünf. Im November dieses Jahres gab der dreifache Familienvater seinen Rücktritt bekannt. Danach wurde er bei den Nullfünfern als Kandidat gehandelt (wir berichteten).
Herbst schlug die Trainerlaufbahn nach einer schweren Knieverletzung im jungen Alter von 25 Jahren beim FV Löchgau ein und sammelte bei seinem Heimatverein unter anderem in der Verbands- und Landesliga Erfahrung, bevor er nach Pforzheim wechselte. »Über die Zeit habe ich eine gewisse Ruhe entwickeln können«, erklärt der Coach, der in der Nähe von Bietigheim-Bissingen lebt, im Gespräch mit dem GEA. Auch als Spieler kickte Herbst für Löchgau und übernahm als Kapitän »gerne Verantwortung«.
Attraktiven Fußball spielen lassen
Seine Idee vom Spiel beschreibt er so: »Ich würde sagen, dass ich eine Handschrift habe, die für attraktiven Fußball steht.« Seine Teams lässt der Kommandogeber taktisch variabel agieren. Auch in Pforzheim habe er die Spieler mal hoch pressen lassen, dann wieder tief verteidigen. An der Kreuzeiche will der B+-Lizenz-Inhaber »die Jungs abholen und gemeinsam etwas entwickeln«. Jedenfalls nichts krampfhaft erzwingen. Auf intensive Einheiten können sich die Nullfünfer einstellen, »um das Maximum aus der Zeit rauszuholen«, sagt Herbst. Wöchentlich im Wechsel wird drei- beziehungsweise viermal trainiert. Wer auf dem Platz sein letztes Hemd gibt, hat beim ehemaligen Kicker, der früher »zerfressen vom Ehrgeiz« war, gute Karten. »Wer brennt, wird bei mir belohnt. Jeder hat eine Chance.«
Die Trainer-Entscheidung ist die Fortsetzung einer turbulenten Phase an der Kreuzeiche. Mitte November gab der SSV die Trennung von Alexander Strehmel nach einer 1:5-Pleite gegen den Aufsteiger Türkischer SV Singen bekannt und installierte Petzschner bis zur Pause. Der neue Co-Trainer zeigt sich glücklich mit der neuen Konstellation sowie seiner künftigen Rolle. »Es ist eine sehr gute Lösung für den Verein«, betont der 35-Jährige und berichtet von einem »tollen Kennenlernen« mit seinem neuen Partner an der Linie. Menschlich passe es hervorragend. »Das ist die Basis auf jeder Ebene.«
Großer Optimismus
Einig ist sich das Trainergespann, dass sich der SSV von den unteren Tabellenplätzen entfernen wird, wenn die Runde Ende Februar weitergeht. »Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen, sonst wäre ich nicht angetreten«, stellt Herbst klar. »Die Qualität ist vorhanden.« Er selbst bleibt ehrgeizig und sieht sich maximal im Frühling seiner Karriere: »Ich will was erreichen im Fußball.« Die freien Tage nutzt er deshalb schon mal, um zu tüfteln und den einen oder anderen Spieler zu kontaktieren, bevor es am 10. Januar in die Vorbereitung geht. (GEA)

