REUTLINGEN. Kollektives Aufatmen an der Kreuzeiche. Der Fußball-Oberligist SSV Reutlingen hat seinen Negativlauf beendet. Nach fünf sieglosen Partien mit lediglich einem Punkt bezwangen die Nullfünfer den Tabellendritten TSV Essingen mit 3:0 (2:0) und kletterten in der Tabelle vom 15. auf den zwölften Platz nach oben. Für Interimstrainer Marvin Petzschner war's ein Traumeinstand. Wie lief das Spiel eins nach der Trennung von Alexander Strehmel?
- Der Neue: Am vergangenen Montag trennte sich der SSV von Strehmel, am Dienstag wurde Petzschner als Interimstrainer für die restlichen drei Spiele in diesem Kalenderjahr präsentiert. Nach lediglich zwei Übungseinheiten feierte der 35-Jährige gegen Essingen sein Debüt im Männerbereich. Petzschner nutzte die gesamte Breite seiner Coaching-Zone, gab ständig Anweisungen, fuchtelte mit den Armen, ging mit einem nachdenklichen Blick in die Hocke, richtete aufmunternden Applaus an seine Schützlinge, holte Spieler an die Seitenlinie, um ihnen Anweisungen zu geben. Der bisherige C-Juniorentrainer spulte ein großes Pensum an der Seitenlinie ab. Und richtete hinterher ein dickes Kompliment an seine Mannschaft: »Wir haben ein sehr cooles und gutes Spiel gezeigt. Für die Jungs waren die letzten Tagen extrem dynamisch.«
- Die Tore: In den ersten Minuten habe man seinem Team die Unsicherheit noch angemerkt, stellte Petzschner fest. »Das 1:0 hat uns dann Sicherheit gegeben.« Vor 1.060 Zuschauern im Kreuzeiche-Stadion setzte sich Nedim Pepic in der 14. Minute im Mittelfeld gegen zwei Essinger Akteure energisch durch, spielte zu Lino Kuhn, der bediente Maxim Schmalz. Der 19 Jahre alte Wirbelwind dribbelte auf der linken Außenbahn in den Strafraum und überwand den ehemaligen SSV-Keeper Jerome Weisheit mit einem strammen Flachschuss. Beim 2:0 (44. Minute) luchste Schmalz dem Essinger Janik Wiedmann den Ball ab, machte sich auf der linken Seite auf den Weg in Richtung Gäste-Gehäuse, hatte den Blick für seinen Mitspieler Ben Schaal - und der drückte den Ball über die Linie. Beim 3:0 (68.) bediente Pepic in mustergültiger Manier Noah Maurer. Der 19-Jährige fackelte nicht lange und jagte den Ball flach und scharf in die Maschen.
- Die Entdeckung: Der vor Saisonbeginn vom Oberliga-Absteiger Calcio Leinfelden-Echterdingen zum SSV zurückgekehrte Nedim Pepic war quasi die Entdeckung des Spiels. Der 27-Jährige, der bereits als A-Jugendlicher unter Trainer Jochen Class erste Einsatzminuten in der Männer-Oberliga erhielt, kam in dieser Saison bislang acht Mal zum Einsatz und blieb dabei unter den Erwartungen und unter seinen Möglichkeiten. Gegen Essingen wurde er auf der Zehner-Position aufgeboten und trumpfte groß auf. »Nedim hat das Vertrauen, das ich in ihn gesetzt habe, voll gerechtfertigt«, erklärte Petzschner. »Wir haben als Team eine Super-Leistung gebracht«, formulierte Pepic. Und fügte dann in eigener Sache hinzu: »Ich bin froh, dass ich mal wieder gespielt habe. Das könnte die Wende für mich gewesen sein.« Pepic war an zwei Toren beteiligt, bediente Tom Ruzicka (58.), der mit seinem Schuss den Innenpfosten traf. Zudem hatte er immer einen guten Blick für die Situation. Einziges Manko: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte schnappte er dem Ex-SSVler Lennart Ruther den Ball ab, hatte dann freie Bahn, hätte das 3:0 nachlegen können, zögerte aber viel zu lange.
- Die Umstellungen: Da zehn Akteure auf der Ausfall-Liste standen, hatte Petzschner nicht viele Möglichkeiten für personelle Wechsel. Gegenüber der 1:5-Pleite in Singen rückten Johannes Wally (für Jonathan Hageloch/Bank) und Pepic (für Sladan Puseljic/Gelb-Rot-Sperre) in die Anfangsformation. Pepic durfte sich auf der Zehner-Position präsentieren, dafür rückte Yannick Toth in die Abwehr-Viererkette und bildete mit Jonas Vogler das routinierte Innenverteidiger-Duo.
- Der Wunsch: »Wir haben es über die gesamten 90 Minuten gut gemacht«, stellte SSV-Rechtsverteidiger Luca Plattenhardt fest. »Jetzt bleiben wir hoffentlich in den beiden restlichen Spielen ungeschlagen, dann können wir ruhig in die Weihnachtspause gehen.« Die Reutlinger bestreiten in diesem Jahr noch zwei Rückrunden-Begegnungen an der Kreuzeiche: Am Samstag kommt der FC 08 Villingen, am 29. November Türkspor Neckarsulm.
- Doppelte Freude: Petzschner durfte sich am Samstag über zwei Siege freuen. Zum einen gewann die von ihm betreute Erste gegen Essingen, zum zweiten siegten die bislang von ihm gecoachten Oberliga-C-Junioren bei Waldhof Mannheim unter der Regie von Patrick Brosch ebenfalls 3:0. »Ich habe mit den Jungs mitgefiebert«, erzählte Petzschner. (GEA)

