SINGEN. »Für die zweite Halbzeit müssen wir uns schämen«, stellte SSV-Trainer Alexander Strehmel schonungslos fest. »So kann es nicht weitergehen«, meinte ein am Boden zerstörter Sportlicher Leiter Christian Grießer. »Derzeit läuft alles gegen uns«, sagte Kapitän Yannick Toth. Für die Reutlinger Oberliga-Fußballer kam es am Sonntag knüppeldick, gingen sie doch beim Aufsteiger Türkischer SV Singen mit 1:5 (1:0) unter. Bis zur 62. Minute legen die Reutlinger in Führung. Danach kam der Total-Einbruch. Zudem gab's eine Gelb-Rote Karte für Sladan Puseljic.
Die Nullfünfer haben in diesen Wochen in der Tat kein Glück. Und dann kommt auch noch riesiges Verletzungspech hinzu. Die neueste Hiobsbotschaft: Torjäger Konstantinos Markopoulos fällt wegen eines Kreuzbandanrisses für den Rest des Jahres aus. In Singen fehlten zudem Moritz Kuhn, Marlon Gangloff, Riccardo Gorgoglione, Jonah Adrovic, Philipp Majewski, Marcel Binanzer, Jonas Meiser (alle verletzt), Leander Vochatzer (Rotsperre) sowie die Langzeitverletzten Tim Wöhrle und Manuel Walz. Das ist eine komplette Elf. Neben Ersatz-Keeper Louis Seeger saßen nur vier Feldspieler auf der Bank.
»Für die zweite Halbzeit müssen wir uns schämen«
16 Spiele hat der SSV, der in der Tabelle auf den 15. Platz abrutschte, bislang absolviert. In zwölf dieser 16 Begegnungen gingen die Reutlinger mit 1:0 in Führung. Lediglich vier Mal sprang am Ende ein Sieg heraus. Fünf Mal schlichen die Strehmel-Schützlinge nach einem 1:0-Vorsprung als Verlierer vom Platz, drei Mal gab es ein Unentschieden. Das sind bedenkliche Fakten.
Die Knackpunkte in der Partie beim Türkischer SV Singen, der seinen vierten Sieg in Folge einfuhr: Im ersten Durchgang wäre für den SSV mehr drin gewesen als ein 1:0-Vorsprung. Maxim Schmalz hatte drei Schuss-Chancen, zudem hämmerte Sauerborn den Ball in aussichtsreicher Position über das Tor. Der Reutlinger Führungstreffer war sehenswert. Nach einer Spielverlagerung von Luca Plattenhardt setzte sich Schmalz auf dem linken Flügel durch und seine Flanke verwertete Tom Ruzicka. Ganz bitter für den Kreuzeiche-Club war allerdings der Ausfall von Jonas Vogler, der in der 49. Minute vom Platz musste, weil er wegen eines geschwollenen Auges nichts mehr sah.
»Das war verständlich, dass die Fans gehen «
Die Auswechslung von Vogler hatte einen weiteren bitteren Beigeschmack. Kurz vor dem Seitenwechsel erwischte der Singener Abdoulie Mboob den Reutlinger Innenverteidiger mit dem Ellenbogen am Auge. »Für mich war das eine Rote Karte«, ereiferte sich Grießer. Gelb hätte Schiedsrichter Tobias Bartschat bei dieser heftigen Attacke auf jeden Fall geben müssen. Jener Mboob attackierte wenige Minuten später SSV-Keeper Dominik Hozlinger und sah dafür die Gelbe Karte. Der Singener Torjäger hätte also durchaus vom Platz fliegen können. Das Ausscheiden von Vogler zeigte einmal mehr, dass der ehemalige Balinger Regionalliga-Spieler eminent wichtig für die Nullfünfer ist. Der 28-Jährige ist der Stabilisator der Reutlinger Defensive.
Es lief Vieles gegen den SSV vor 430 Zuschauern in Singen. Dabei ließen die Gäste bis zur 62. Minute wenig zu. Zu Beginn der zweiten Hälfte verstärkten die Singener den Druck, kamen aber zunächst nur zu einer Chance für Mboob, dessen Kopfball jedoch weit über das Gehäuse flog. Ab jener 62. Minute allerdings zerfielen die Reutlinger in alle Einzelteile. Nach einem Eckstoß glich der ehemalige Stuttgarter-Kickers-Akteur Daniel Niedermann aus. Drei Minuten später erzielte Mboob per Handelfmeter das 2:1. Puseljic wurde wegen des Handspiels mit der Gelben Karte bedacht. Zwei Zeigerumdrehungen später leistete er sich an der Mittellinie ein unnötiges Foul - Gelb-Rot. Nach 71 Minuten schließlich landete ein Sonntagsschuss von Ali Bey Yilmaz im SSV-Gehäuse - 3:1.
Die Reutlinger Fan-Szene E hatte genug gesehen und machte sich nach dem 3:1 auf den Nachhauseweg. »Das war verständlich, dass die Fans gehen«, meinte Toth. Man muss allerdings hinzufügen, dass es in Halbzeit eins etwas Stress mit den SSV-Fans gab, weil die aufs Übelste provoziert worden sein sollen. So die Aussagen einiger Augenzeugen.
Die Reutlinger bemühten sich in der Endphase um den zweiten Treffer, verloren jedoch in Unterzahl jegliche Kompaktheit. Die Quittung: Dominik Emminger (78.) und Ege Öztürk (83.) stellten mit ihren Toren den 5:1-Endstand her.
Vor der Winterpause hat der SSV nun noch drei Heimspiele gegen Essingen, Villingen und Neckarsulm vor der Brust. In diesen Partien ist das Strehmel-Team zum Punkten verdammt. Andernfalls gibt es eine unruhige Weihnachtspause. (GEA)

