REUTLINGEN. Es ist das Spiel eins nach der Trennung von Trainer Alexander Strehmel. Es ist das Spiel eins für Interimscoach Marvin Petzschner. Es ist das erste von drei richtungsweisenden Begegnungen für den Tabellen-15. SSV Reutlingen. Noch drei Mal dürfen die Nullfünfer in diesem Jahr in der Fußball-Oberliga um Punkte kämpfen. An diesem Samstag (14.30 Uhr) gastiert mit dem TSV Essingen eine der Überraschungs-Mannschaften im Kreuzeiche-Stadion, am 22. November kommt der FC 08 Villingen und am 29. November erwarten die Reutlinger Türkspor Neckarsulm. »Wir müssen alles reinhauen für den Verein und so viele Punkte wie möglich holen«, gibt Abwehrchef Jonas Vogler als Devise für den Jahres-Endspurt aus.
Der am Dienstag als Interimstrainer installierte Petzschner, der seit Saisonbeginn beim SSV für die Oberliga-C-Junioren verantwortlich und als Koordinator für die Altersklassen U13 bis U15 zuständig ist, ist nicht zu beneiden. Zumindest die Aufgabe gegen Essingen muss er quasi mit dem letzten Aufgebot bestreiten. Am vergangenen Sonntag, bei der 1:5-Pleite in Singen, fehlten elf Akteure. Davon kehrt nur einer in den Kader zurück: Riccardo Gorgoglione steht nach längerer Krankheitspause wieder zur Verfügung. Eine kleine Hoffnung gibt es bei Moritz Kuhn. Dafür fällt Sladan Puseljic aus. Der Innenverteidiger wurde in Singen mit der Gelb-Roten Karte bedacht und ist somit für eine Partie gesperrt.
»Die Mannschaft hat es mir sehr leicht gemacht. Das sind Top-Jungs«, beschrieb Petzschner seine Eindrücke nach seinen ersten Übungseinheiten. Wie geht der 35-Jährige die Aufgabe gegen Essingen an? Was will er verändern? »Ich werde Essingen analysieren, aber primär müssen wir uns auf uns selbst konzentrieren.« Taktisch werde er an »ein paar Stellschrauben drehen« und kleine Anpassungen vornehmen.
Mal bekommt er einen Turban verpasst, mal muss er sich übergeben, mal zieht er sich eine blutige Nase zu, zuletzt in Singen wurde ihm mit einem nicht geahndeten Ellbogenschlag ein blaues Auge zugefügt, so dass er ausgewechselt werden musste - man könnte Innenverteidiger Vogler als Pechvogel bezeichnen. Er selbst sieht das ganz nüchtern: »Ich gebe alles, dann passiert so etwas. Das gehört zu meinem Spiel.« Der in Sigmaringen wohnende Abwehrrecke verweist darauf, dass er in dieser Saison in allen 16 Begegnungen dabei war. Glücklicherweise für den SSV, denn Vogler ist ohne Wenn und Aber die Abwehrstütze schlechthin bei den Reutlingern. Herausragend seine Einstellung, sein Zweikampfverhalten, seine Cleverness.
Auffallend beim SSV in dieser Saison ist, dass er in 16 Spielen zwölf Mal mit 1:0 in Führung, aber dabei lediglich vier Mal als Sieger vom Platz ging. Mehr noch: Wenn die Begegnungen nach 45 Minuten beendet worden wären, hätte Reutlingen 28 Punkte auf dem Konto. In der Realität sind es 16. Ebenfalls auffallend: Nach etwa einer Stunde Spielzeit hat der SSV oft einen Hänger in seinem Spiel. Dafür hat Vogler eine Erklärung: »Zum einen ist das eine Willenssache. Zum zweiten können wir wegen unseres riesigen Verletzungspechs kaum von der Bank nachlegen. Es liegt nicht an der Fitness.«
Der TSV Essingen hat zwei ungewöhnliche Serien hingelegt. In der zurückliegenden Saison starteten die Schützlinge von Trainer Simon Köpf mit acht Niederlagen und wurden am Ende mit 48 Punkten Zehnter. In der laufenden Runde gewannen die Ostälbler ihre ersten fünf Spiele und werden vor dem letzten Vorrunden-Spieltag auf Position drei notiert. (GEA)

