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SSV Reutlingen geht gegen die TSG Balingen übers Limit hinaus

Dank eines aufopferungsvollen Kampfes gewinnt der SSV Reutlingen beim 1:1 gegen die TSG Balingen einen Punkt. Was den Oberliga-Fußballern beider Teams sonst schwer zu schaffen macht.

Luca Plattenhardt stoppt Halim Eroglu mit vollem Einsatz im letzten Moment.
Luca Plattenhardt stoppt Halim Eroglu mit vollem Einsatz im letzten Moment. Foto: Joachim Baur
Luca Plattenhardt stoppt Halim Eroglu mit vollem Einsatz im letzten Moment.
Foto: Joachim Baur

REUTLINGEN. Mit schweren Schritten und einem schmerzverzerrten Grinsen auf dem Gesicht humpelte Luca Plattenhardt nach dem 1:1 (0:0) gegen die TSG Balingen in Richtung Kabine. Beim 26-Jährigen ging nach einem aufopferungsvollen Kampf des SSV Reutlingen über 90 Minuten nichts, aber auch gar nichts mehr. Der Innenverteidiger wollte sich einfach nur noch hinsetzen, durchschnaufen und einen Moment Ruhe genießen. Kein Wunder, dass auch die Antworten auf Reporterfragen freundlich, aber entsprechend kurz ausfielen.

Von starken Schmerzen im Oberschenkel schon in der Halbzeitpause erzählte Plattenhardt. »Eigentlich ging es nicht mehr.« Aber es musste gehen, denn Alternativen auf seiner Position gab es nicht. Und so zog »Platte« wie viele seiner Kollegen auf der letzten Rille durch und warf sich gegen den favorisierten Tabellenzweiten der Fußball-Oberliga in alle möglichen Zweikämpfe, hielt Top-Stürmer Halim Eroglu in der 80. Minute im Strafraum mit einem Spagat-Tackling, das selbst beim Zusehen wehtat, vom Abschluss ab.

»Jeder, der heute im Stadion war, hat Herz von der ganzen Mannschaft gesehen«

Über seine Verletzung führte Plattenhardt trocken aus: »Wir haben es bandagiert, dass es irgendwie hebt. Aber egal, Winterpause«, und humpelte weiter. Über letztere freute sich auch der zweite Innenverteidiger Jonas Vogler, der nach seinem Comeback nach einer Adduktoren-Verletzung genauso gezeichnet war. »Naja, fit ist was anderes«, sagte er. Für die 90 Minuten habe es gerade so gereicht. Stolz war der regionalliga-erfahrene Fußballer über den Auftritt seines Teams. »Jeder, der heute im Stadion war, hat Herz von der ganzen Mannschaft gesehen. Mit dem 1:1 können wir sehr gut leben.«

So sah es auch Cheftrainer Alexander Strehmel. »Die Jungs haben das angesichts der Personalsituation super gemacht. Wir wollten ein Kampfspiel draus machen. Das haben wir geschafft. Den Punkt haben wir am Ende verdient. Jetzt müssen wir die Batterien ein bisschen aufladen.«

»Ich bin echt schockiert über diesen seifigen Platz. Ich kenne diesen Platz ganz anders zu meiner Zeit in Reutlingen noch«

Und weil der SSV bissig war und der Rasen schlecht, sahen 1.340 Zuschauer ein Derby ohne die spielerisch großen Highlights. Dafür ein spannendes Auf und Ab. Gerade das Geläuf machte den Kickern am Samstagnachmittag zu schaffen. »Der Platz ist halt ganz schlecht. Ganz, ganz schlecht«, meinte SSV-Kapitän Yannick Toth. »Ich bin echt schockiert über diesen seifigen Platz. Ich kenne diesen Platz ganz anders zu meiner Zeit in Reutlingen noch. Ich finde einfach, für den SSV Reutlingen gehört sich so etwas nicht. Ich weiß nicht, ob er nicht gepflegt oder zu viel in Betrieb ist«, sagte Balingens Coach Murat Isik.

Zufrieden war der ehemalige Trainer des SSV dagegen mit »65 Minuten, in denen wir es sehr gut gemacht haben«. Für mehr Spielkontrolle belohnte Amnay Moutassime die Balinger (58.) per sehenswertem Distanzschuss mit der Führung. Kurz darauf kam die scharfe Freistoßflanke von Jonas Meiser auf Toth, der mit seinem Kopfball alles auf Null stellte.

»Mit ein bisschen Glück hätten wir sogar in Führung gehen können«

In Folge hatten die Nullfünfer ihre stärkste Phase und mit zwei Distanzschüssen von Tom Schiffel (68. und 69.) und einem Konter über Tobias Dierberger (73.) ein weiteres Tor auf dem Fuß. »Mit ein bisschen Glück hätten wir sogar in Führung gehen können«, resümierte Strehmel. Aufgrund der Balinger Feldüberlegenheit wäre das dann aber auch »zu viel des Guten gewesen«.

Bei den Gästen sorgte Ole Deininger, der in der Vorsaison noch das Trikot des SSV getragen hatte, über die rechte Seite mit schnellen Antritten immer wieder für Akzente, zwei seiner Schüsse flogen übers Tor. Einmal verpasste er im Strafraum den Ball wegen eines Reutlinger Tacklings ganz knapp. Überraschend stand auch der ehemalige Reutlinger Mirhan Inan erstmals in der Startformation.

»Ich habe in Reutlingen mit schwarzen Haaren angefangen, nach drei Jahren waren sie komplett grau«

Während sich in Reutlingen alle auf die Winterpause und einen hart erkämpften Zähler zum Abschluss freuten, hatte der Balinger Trainer nach dem Hin und Her »Schwierigkeiten, die Emotionen einzuordnen«. Lob gab es aber für den Auftritt der Heim-Elf. »Reutlingen hat eine gute Energie auf dem Platz gehabt. Für die Zuschauer war es ein sehr spannendes Spiel.«

Und am Ende eines kräftezehrenden Kampfes hatten sich alle wieder lieb und waren auch zu kleinen Seitenhieben aufgelegt. An SSV-Trainer Strehmel gerichtet sagte Isik: »Ich habe in Reutlingen mit schwarzen Haaren angefangen, nach drei Jahren waren sie komplett grau.« Auf diese Einladung ließ sich der Fan des Schwabenlandes nicht lange bitten. »Ich blondiere die Haare, dann fällt es nicht so auf«, meinte er und verabschiedete sich mit einem breiten Grinsen und einem »Merry Christmas an alle« in die spielfreie Zeit. (GEA)