Logo
Aktuell Fussball

Die Zeit für Experimente beim SSV Reutlingen ist vorbei

Am Donnerstag gastiert der Fußball-Oberligist SSV Reutlingen im WFV-Pokal beim Bezirksligisten VfL Pfullingen II. Wer beim SSV jetzt in den Fokus rückt, welcher Top-Spieler ausfällt und wie die Stimmung im Pfullinger Lager ist.

Kämpft noch mit Anlaufschwierigkeiten beim SSV Reutlingen: Oskar Prokopchuk (links).
Kämpft noch mit Anlaufschwierigkeiten beim SSV Reutlingen: Oskar Prokopchuk (links). Foto: Joachim Baur
Kämpft noch mit Anlaufschwierigkeiten beim SSV Reutlingen: Oskar Prokopchuk (links).
Foto: Joachim Baur

REUTLINGEN. Alexander Strehmel will eine Reaktion sehen. Alexander Strehmel will Leidenschaft sehen. Alexander Strehmel will seine Jungs ackern sehen. »Wir dürfen uns nicht ans Verlieren gewöhnen«, sprudelt es aus dem Coach der Reutlinger Oberliga-Fußballer heraus. Die vier aufeinanderfolgenden Pleiten sind ganz offensichtlich im Kopf des 57-jährigen Ex-Profis geblieben: »Fakt ist, wir haben vier Spiele verloren. Egal ob gegen gute Gegner oder nicht.« Erst am Dienstag verabschiedeten sich seine Schützlinge mit einem 3:4 im Gepäck beim eine Klasse tiefer angesiedelten FC Holzhausen. Etwas Ähnliches darf am Donnerstag (19 Uhr) in der ersten Runde des WFV-Pokals beim VfL Pfullingen II nicht passieren. Vor dem Derby mit dem Bezirksligisten schaltet Strehmel in den Wettkampfmodus.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Bedeutet: Die Zeit der Belastungssteuerung und der großen Experimente ist wohl vorbei. Auf die leichte Schulter genommen wird das Match gegen die drei Ligen tiefer angesiedelte Auswahl nicht. »Es ist ein ganz wichtiges Spiel«, betont der Fitness-Liebhaber und warnt: »Im Pokal spielt die Liga-Zugehörigkeit keine Rolle. Wir wollen gewinnen, müssen gewinnen, denn wir brauchen unseren Rhythmus, der abhandengekommen ist, wieder.«

Große Rotationen wie in Holzhausen, als sage und schreibe zehn Spieler der Startformation 23 Jahre oder jünger waren, sind deshalb nicht zu erwarten. Ab sofort sollen »die Automatismen verbessert werden«. Da kommt es gerade recht, dass der frischgewordene Vater Marcel Binanzer wieder bereitsteht. Den Kapitän und Stammtorwart will der ehemalige Spieler des VfB Stuttgart direkt in die Startformation beordern, um nichts anbrennen zu lassen und ein Zeichen zu setzen.

Markopoulos fehlt

Verzichten muss Strehmel weiter auf die Langzeitverletzten Tim Wöhrle und Moritz Kuhn, die nach wie vor noch nicht im Mannschaftstraining sind. Und auch der beste Torjäger der Vorsaison aus den eigenen Reihen kann nicht helfen. Konstantinos Markopoulos (12 Treffer in 14 Partien für den SSV) ist aufgrund einer »familiären Angelegenheit« in Griechenland. Umso wichtiger dürfte eine gute Leistung der beiden Offensiv-Zugänge Oskar Prokopchuk und Willie Sauerborn sein, die bereits bei ihren vorigen Vereinen unterstrichen, wie torgefährlich sie sind. Bei den Nullfünfern aber haben sie bisher Anlaufschwierigkeiten.

»Vielleicht brauchen sie noch ein bisschen Zeit, um die Spielidee anzunehmen«, räumt Strehmel ein. Insgesamt sei er mit beiden aber zufrieden. Genau wie mit Maxim Schmalz. Der 19 Jahre junge Offensivmann, der aus der A-Jugend aufgerückt ist, sei ein Gewinner der Vorbereitung und damit sicher auch eine spannende Option gegen Pfullingen. Mit seinen schnellen Dribblings und der engen Ballführung bringt er ein belebendes Element ins Spiel.

Mut macht auch der Fitnesszustand. Denn der habe sich während der Vorbereitung deutlich verbessert, meint der SSV-Trainer, der einen laufintensiven und aggressiven Fußball sehen will. »Vielleicht hat zuletzt auch deswegen ein bisschen die Frische und die Spritzigkeit gefehlt.«

Hübner bleibt Realist

»Das ist eine schier unmögliche Aufgabe für uns«, sagt Pfullingens Trainer Benjamin Hübner vor dem Pokal-Derby. »Wir haben nur eine Chance, wenn alles für uns und gegen den SSV läuft«, lautet seine Einschätzung. »Wenn es normal läuft, müsste uns der SSV auseinanderschrauben.« Der 35-Jährige, der zuvor den A-Ligisten TSV Sondelfingen coachte, steht bei der zweiten Garde des VfL im dritten Jahr auf der Kommandobrücke. In der ersten Saison stürmte er mit seinem Ensemble zur Meisterschaft in der Reutlinger Kreisliga A und in der zurückliegenden Runde landete er mit seiner Elf in der Bezirksliga auf Platz fünf. Zudem triumphierten die Pfullinger im Bezirkspokal.

»Meine Spieler sollen mit Freude und Mut in die Partie gehen«, gibt Hübner als Devise aus. »Für sie ist es ein schönes Erlebnis.« Die bisherigen Testspiele gegen Altdorf (8:0) und Nellingen (2:1) haben die Pfullinger siegreich gestaltet. »Wir haben aber derzeit viele Urlauber. Gegen Nellingen haben 21 Leute gefehlt«, so der Coach, dem ein 30-Mann-Kader zur Verfügung steht. Aus der dritten Mannschaft, die in der A-Liga um Punkte kämpft, haben sich drei Akteure für die Zweite empfohlen: Tim Krapf, Tom Beck und Jaime Piachatzek. (GEA)