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Aktuell Kommentar

Die Trainersuche ist ein Drahtseilakt für die Macher des SSV Reutlingen

Die Verantwortlichen des Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen stehen vor einer schwierigen Entscheidung, meint GEA-Sportchef Manfred Kretschmer. Welcher Trainertyp ist für die Mannschaft am geeignetsten?

Hat sich am Dienstag mit emotionalen Worten von der Mannschaft verabschiedet: Alexander Strehmel.
Hat sich am Dienstag mit emotionalen Worten von der Mannschaft verabschiedet: Alexander Strehmel. Foto: Joachim Baur
Hat sich am Dienstag mit emotionalen Worten von der Mannschaft verabschiedet: Alexander Strehmel.
Foto: Joachim Baur

REUTLINGEN. Alle Jahre wieder. Kurz vor Weihnachten beginnt für die Trainer des Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen nicht die besinnliche, sondern die bedrohliche Zeit. Kurz vor Weihnachten wackelt an der Kreuzeiche der Trainerstuhl. Im Dezember 2022 musste Albert Lennerth gehen, im Dezember 2023 Maik Stingel, im Oktober 2024 wurde Philipp Reitter verabschiedet. Nun durfte am Montag Alexander Strehmel sein Kündigungsschreiben entgegen nehmen.

Die Verantwortlichen des SSV stehen vor einem Drahtseilakt: Welcher Trainer-Typ soll's denn nun sein? Während Stingel und Reitter sehr konzeptionell arbeiteten, war Strehmel der Arbeiter, der Kämpfer, der die Mannschaft mit intensivem Training zu einer besseren Fitness und besseren Ergebnissen führen wollte. So war er als Spieler, wo er mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister wurde und mit der Spvgg Unterhaching in die Bundesliga aufstieg. Seine Kämpfer-Mentalität machte sich in der vergangenen Runde bezahlt. Unter der Regie von Strehmel holten die Reutlinger in 22 Punktspielen 37 Punkte. Letztlich stand Platz neun zu Buche. In der laufenden Saison allerdings sprangen in 16 Partien lediglich 16 Punkte heraus. Einmal mehr geht bei dem Traditionsverein die Abstiegsangst um.

Ob sich die SSV-Macher trauen, ein Greenhorn zu verpflichten, dem Talent bescheinigt wird, der aber wenig Erfahrung hat? Ob die Verantwortlichen eher auf einen Feuerwehrmann setzen, um das Klassenziel zu erreichen? Fakt ist: Der Neue darf mit einer Mannschaft arbeiten, die viel stärker ist als der derzeitige Tabellenplatz 15 widerspiegelt. Ihm stehen zahlreiche erfahrene Oberliga-Kräfte, aber auch viele talentierte Youngster zur Verfügung. Die jungen Spieler, die vergangene Saison noch für die A-Junioren spielberechtigt waren, können den SSV in den nächsten Jahren - unter der Führung der Haudegen - in eine goldene Zukunft führen. Dafür benötigen die Funktionäre ein goldenes Händchen bei der Trainersuche. Und der neue Coach muss der Mannschaft seine klare Handschrift einimpfen, als Talent-Entwickler glänzen und im Umgang mit dem Team ein feines Gespür für Stimmen und Stimmungen unter Beweis stellen.

manfred.kretschmer@gea.de