Der Sohn, das ist Thomas Greiss. Seit 2006 schon verdient er sein Geld als Eishockey-Torhüter in den USA, aktuell spielt er für die New York Islanders. »Wir haben einen amerikanischen Sender abonniert, da können wir für 100 Dollar im Monat alle Spiele sehen. Gut ist dabei, dass dies auch zeitversetzt geht. Wir schauen dann immer nachmittags bei Kaffee und Kuchen. Nachts brauchen wir ja doch unseren Schlaf«, erzählt Papa Greiss im Gespräch mit dieser Zeitung.
Ausgeflogen nach Köln
In nächster Zeit aber wird es in Roßhaupten noch ruhiger. Die Greissens sind ausgeflogen, auf nach Köln. Schließlich findet dort die Eishockey-Weltmeisterschaft statt, und Sohn Thomas ist einer von drei Torhütern der deutschen Nationalmannschaft. Dass der 31-Jährige im Eröffnungsspiel gegen die USA zwischen den Pfosten steht, gilt als ziemlich sicher. »Das ist ja doch eine spezielle Partie für mich. Es wird hoffentlich lustig, gegen meine beiden Club-Kameraden Anders Mark Lee und Brock Nelson anzutreten«, sagt Greiss.Der sollte dann allerdings auch im weiteren Turnier-Verlauf zumeist das deutsche Tor hüten. Denn erstens holt Bundestrainer Marco Sturm keinen Akteur aus den USA, um ihn nur auf die Bank zu setzen und zweitens sprechen die Leistungen für Greiss. Seit Januar ist er unumstritten die Nummer eins der Islanders. Vor allem wegen seiner Paraden hätten die Kufenflitzer aus Brooklyn ihre Aufholjagd in der Liga beinahe doch noch mit der Qualifikation für die Play-offs gekrönt.
Am Ende reichte es knapp nicht – für das deutsche Team ein Glücksfall. Denn für Greiss war es keine Frage, sich sofort ins Flugzeug zu setzen. »Eine WM ist etwas ganz Großes, und gerade in Köln für mich natürlich besonders toll zu spielen«, sagt Greiss.
Bei den Kölner Haien schaffte er nach seinem Wechsel aus der Jugend des EV Füssen von 2003 bis 2006 den Sprung zu den Profis. »Ich habe beim KEC viel gelernt, es waren überragende Jahre in Köln«, sagte Greiss. Für den Schweiger sind solche Sätze fast schon eine Rede-Flut. Worte mag er nur selten verlieren, Interviews sind erst recht nicht sein Ding. Nach den Spielen verbringt er die Zeit am liebsten mit Ehefrau Brittney – einer ehemaligen Miss North Dakota – und der 18 Monate alten Tochter im Häuschen auf Long Island. »Thomas ist eben ein ruhiger Typ«, sagt Papa Greiss. Vielleicht aber war es genau diese ruhige Art, die den Filius in der NHL lange auf den Durchbruch hat warten lassen.
Zwar lieferte der Allgäuer auch bei seinen vorherigen Clubs San Jose Sharks, Phoenix Coyotes und Pittsburgh Penguins stets verlässliche Leistungen ab. Als Nummer Zwei aber stand er überall im Schatten des Stammkeepers. Erst vor sechs Monaten schlug die große Stunde. Nach dem derben Fehlstart schickten die Islanders den Slowaken Jaroslav Halak in die Wüste. Greiss erhielt das Vertrauen und einen ausschließlich auf die NHL bezogenen Vertrag bis 2020.
»Es hat gedauert. Schön, dass ich die Chance nun bekam. Ich denke, ich habe sie genutzt«, sagt Greiss. Wohl wahr. Greiss besticht durch seine Konzentration, dazu ist er bei Abprallern fix wieder auf den Beinen und schließt die Winkel des Tores. Paul Greiss freut der Karriere-Sprung – allein schon aus pragmatischen Gründen. »Thomas musste ja langsam auch mal existenziell denken«, sagt der Papa angesichts der jährlichen Gehaltsaufstockung von 1,9 auf 3,1 Millionen Euro. Das Abo für den US-Sender der Eltern ist da sicher drin. (GEA)
