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Tübinger Triathlon: Hitzeschlacht am Neckar

Anja Knapp verpasst beim Bundesliga-Wettkampf einen Podestplatz. Lasse Lührs gewinnt spannendes Rennen

Die Dettingerin Anja Knapp greift nach dem Rennen erst einmal zur Wasserflasche.
Die Dettingerin Anja Knapp greift nach dem Rennen erst einmal zur Wasserflasche. Foto: Uschi Pacher
Die Dettingerin Anja Knapp greift nach dem Rennen erst einmal zur Wasserflasche.
Foto: Uschi Pacher

TÜBINGEN. Im Ziel sacken die Triathleten reihenweise in sich zusammen, die Helfer kommen mit dem Verteilen der Trinkflaschen kaum hinterher. Die Hitzeschlacht bei bis zu 34 Grad Celsius bei der vierten Auflage des Mey Generalbau Triathlon in Tübingen hat ihren Tribut gefordert. »Es war unglaublich hart«, sagte Zsofia Kovacs, obwohl sie scheinbar mühelos das Bundesliga-Rennen der Frauen in 1:01:15 Stunden für sich entschied. Die Ungarin vom Team Witten hatte einen Vorsprung von 23 Sekunden auf die für den TV Buschhütten startende Französin Emmie Charayron.

Anja Knapp aus Dettingen/Erms verpasste ihr Ziel, bei ihrem »Fast-Heimspiel« auf dem Podest zu landen – sie wurde Siebte. »Es ist schon schade, aber wirklich enttäuscht bin ich nicht.« Für die 29-Jährige, die für Witten startet, war klar, dass es nach vier Wettkämpfen in den vergangenen vier Wochen nicht einfach werden würde.

Schon während der 750 Meter langen Schwimmstrecke hatte Knapp leichte Probleme und verließ nach der Spitzengruppe den Neckar, der trotz Hitzewelle genügend Wasser für einen Triathlon führte. Bis zum zweiten Disziplin-Wechsel hatte sie nach 20 Kilometern den Anschluss zwar wieder hergestellt, »allerdings habe ich durch meine Attacken auf dem Rad zu viele Körner gelassen«, erzählte Knapp. Die Quittung bekam sie beim Fünf-Kilometer-Lauf.

Michael Göhner im Pech

Dadurch konnte sie auch ihr zweites Vorhaben nicht verwirklichen, nämlich den Tabellenführer TV Buschhütten zu ärgern. Weil Spitzen-Triathletin Anne Haug sie überlief, gewann Buschhütten die Teamwertung, Witten wurde Zweiter. »Es gibt Wichtigeres«, sagt Knapp. Schon nächste Woche steht für sie ein Weltcup auf dem Programm.

Pech hatte Greta Groten vom Mey Post-SV Tübingen. Die 22 Jahre alte Hoffnungsträgerin stürzte mit dem Fahrrad, schleppte sich noch ein paar Kilometer durch den Lauf-Parcours, gab dann aber auf. »Zum Glück sind meine Teamkolleginnen in die Bresche gesprungen«, meinte Groten. Mit Platz acht waren die Lokalmatadorinnen recht zufrieden.

Beim Bundesliga-Rennen der Männer bot sich ein seltenes Schauspiel. Bis zum Wechsel in die Laufschuhe war das 72 Mann starke Teilnehmerfeld dicht beisammen – nur 30 Sekunden trennte den Führenden vom Letzten. Erst dann setzte sich Lasse Lührs vom TV Buschhütten langsam ab und überquerte in 55:30 Minuten, drei Sekunden vor Ignacio Gonzales Garcia (Darmstadt), als Erster die Ziellinie. »Ich habe schon lange davon geträumt, ein Bundesliga-Rennen zu gewinnen«, sagte der 22-Jährige im Zielbereich. In Tübingen erfüllte er sich drei Wochen nach seinem Titel bei der deutschen Meisterschaft in Düsseldorf diesen Traum. Und das bei einer »tollen Atmosphäre«, wie Lührs betonte. Vor allem die zuschauerreiche Wechselzone auf der Eberhardsbrücke und die lautstarke Unterstützung auf der Laufstrecke durch die Innenstadt imponierte ihm.

Michael Göhner aus Altenburg hätte über die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen) für einen Heimsieg sorgen können – wenn ihm nicht ein Missgeschick passiert wäre: Göhner verpasste mit dem Rad in Führung liegend den Wendepunkt in Bebenhausen. »Es gab keinerlei Hinweis«, kritisierte der 38 Jahre alte Profi-Triathlet, der deshalb einen Kilometer zu weit fuhr. Erst nach ihm habe man einen Ordner dort platziert, um die Anderen zu informieren. Für Göhner war der Rückstand zu groß, er kam auf Platz drei. »Diese Kleinigkeit trübt etwas das Gesamtbild.« Seine gute Laune fand er aber bald wieder und verfolgte die Hitzeschlacht seiner Kollegen aus der angenehm klimatisierten VIP-Lounge. (GEA)