FRICKENHAUSEN. Er hat die kürzeste Anreise aller Teilnehmer, ist also der Lokalmatador - und er freut sich auf die vieltausendköpfige Unterstützung in der Stuttgarter Porsche-Arena: Nationalspieler Bastian Steger vom Bundesligisten TTC Frickenhausen startet mit viel Selbstbewusstsein in die Tischtennis-Europameisterschaft. Steger ist richtig heiß auf die Titelkämpfe. »Denn im eigenen Land zu spielen, motiviert mich noch mehr. Es wird Zeit, dass es losgeht«, sagt der 28-Jährige im Gespräch mit GEA-Redakteur Michael Grimm.
GEA: Hallo, Herr Steger. Was machen Sie am späten Sonntagvormittag?
Bastian Steger (lacht): Da haben wir gegen Frankreich unser erstes Gruppenspiel. Wie meine Rolle dabei aussieht, weiß ich jedoch noch nicht. Wer spielen wird, erfahren wir am Tag zuvor. Wer am besten drauf ist, wird eingesetzt, denn beim Leistungsniveau gibt es in der Mannschaft nicht so viele Unterschiede.
Bei der vergangenen EM in St. Petersburg haben Sie entscheidend zum Team-Titelgewinn beigetragen und sind im Einzel bis ins Achtelfinale vorgedrungen. Ist das auch in Stuttgart Ihr Anspruch?
»Ich glaube nicht, dass wir mehr Druck verspüren. Denn der Druck ist immer da«
Steger: Die Sache wird nicht so leicht. Es gibt genug Mannschaften, gegen die man verlieren kann. Ich werde jedenfalls mein Bestes geben. Na ja, und im Einzel ist so ziemlich alles möglich. Viel hängt natürlich auch von der Auslosung ab. Timo Boll und Wladimir Samsonov sind fast nicht zu schlagen. Timo habe ich schon mal besiegt und gegen Samsonov habe ich in St. Petersburg erst im siebten Satz mit 9:11 verloren. Gegen alle Spieler, die nach Boll und Samsonov kommen, habe ich schon mal gewonnen. Ich gehe selbstbewusst ins Turnier.
Und welche Chancen rechnen Sie sich mit Doppelpartner Dimitrij Ovtcharov aus?
Steger: Bei der WM waren wir eines von zwei europäischen Doppeln, die im Achtelfinale standen. Ich traue uns ein gutes Resultat zu.
Also das Endspiel.
Steger: Schön wär’s ja. Und ich denke schon, dass sogar eine Medaille für uns möglich ist.
Als Unterensinger haben Sie die kürzeste Anreise aller Starter, sind also der Lokalmatador. Ist der Druck für die deutschen Spieler bei diesem Heimspiel höher als sonst?
Steger: Nein, ich glaube nicht, dass wir mehr Druck verspüren. Denn der Druck ist immer da, egal, wo du spielst. Mir jedenfalls macht es mehr Spaß, im eigenen Land zu spielen, weil die Unterstützung der Fans größer ist. Wenn Freunde und die Familie im Publikum sitzen, motiviert mich das noch mehr. Voraussetzung ist freilich, dass die eigene Leistung stimmen muss.
Und wie schätzen Sie Ihr Leistungsvermögen ein?
Steger: Ich gehe fit ins Turnier. Aber es wird Zeit, dass die EM losgeht. Denn zuletzt hatten wir wenig Wettkämpfe. Und ich mag es eben lieber, wenn ich viele Spiele habe. Ich habe in der Vorbereitung viel Aufschlagtraining gemacht. Es gibt ein gutes Gefühl, wenn das Service sicher ist. Und die Rückhand, die muss halt kommen. (GEA)
