METZINGEN. Der frischgebackene Deutsche Meister im Profiboxen, Victor Daniel, konnte sein Glück kaum fassen, reckte mit Stolz den Meistergürtel des Bundes Deutscher Profiboxer (BDB) in die Höhe und ließ sich von seinen vielen Fans, die in die Metzinger Motorworld gekommen waren, feiern. Und dies zu später Stunde. Kurz vor Mitternacht hatte der 33 Jahre alte Daniel bereits zu Beginn der zweiten Runde seinen Kontrahenten Osasu Otobo mit einem rechten Haken zu Boden gestreckt und so den über zehn Runden angesetzten Titelkampf im Schwergewicht vorzeitig entschieden.
Volles Programm
Wer erst zu später Stunde in der Alten Schmiede eintraf, dem blieb möglicherweise nur ein kurzes Vergnügen, doch die Mehrzahl der über 1.000 Zuschauer in der Halle interessierten sich für die ganze Bandbreite dieses Boxspektakels, das bereits im März in der Motorworld seine Premiere feierte.
Bereits am späten Nachmittag hatten die Kämpfe begonnen: Fünf Amateurfights, drei Kickbox- und sieben Mal Profikämpfe standen auf dem Programm. Die Alte Schmiede entpuppte sich dabei erneut als die ideale Location. Der raue Charme der alten Industriehalle diente als ideale Plattform.
Victor Daniel, Hauptkämpfer des Abends, fungierte quasi nebenher als Veranstalter, ging auf Sponsorensuche, arbeitete in seinem Beruf als Projekt-Manager und absolvierte ein umfangreiches Trainingsprogramm zur Vorbereitung.
So richtig spannend wurde es im zweiten Teil des Abend als zunächst nacheinander die Hoffmann-Zwillinge Alexander und Rudi in den Ring mussten. Beide wechselten 2020 ins Profilager, beide holten sich schon 2021 den BDB-Meistertitel. Beide wollen im nächsten Jahr nach dem europäischen Titel greifen.
Rudi Hoffmann, der im Superleichtgewicht kämpfte (-63 Kilogramm) hatte im Vorfeld eine besondere Herausforderung zu meistern. Sein Gegner Federico Sebastian Pedraza aus Argentinien sagte kurzfristig ab, neuer Gegner am Samstagabend war der Kolumbier Bryan Zapata. Der 24-Jährige machte dem Rosenfelder Hoffmann über die volle Distanz das Leben schwer. Dem 30 Jahre alten Rudi Hoffmann gelang es jedoch, den Kolumbianer auf Distanz zu halten und am Ende einen sicheren Punktsieg nach acht Runden zu verbuchen. Richtig laut wurde es anschließend als der Pfullinger Schwergewichtler Alban Cimili in den Ring stieg. Der 1,78 Meter große Cimili, der im März in der Motorworld sein Profidebüt gab und durch K.O. gewann, bekam es mit dem Venezolaner Angel Adrian Barroso zu tun. Es entwickelte sich über vier Runden ein packender Fight auf hohem Niveau. Am Ende reichte es für Cimili zu einem knappen Sieg (split decision).
Mit großer Spannung erwartet: der Hauptkampf. Gegner des Orschel-Hageners war der in Wiesbaden lebende Osasu Otobo. Wer Chef im Ring ist, daran ließ Daniel von der ersten Minute an keinen Zweifel. Konzentriert marschierte er nach vorne, deckte Otobo mit Schlägen ein. Schon in der zweiten Runde kam Daniel mit einem rechten Haken aufs Ohr durch, dem er einen Leberhaken folgen ließ. Für Otobo war der Kampf gelaufen. »Ich bin stolz und glücklich der erste Deutscher Profimeister aus Reutlingen zu sein und in einer Linie mit Max Schmeling zu stehen«, meinte Daniel hinterher und versprach ein neues Event. (GEA)

