SONDELFINGEN. Zwei Tage lang herrschte in der Sondelfinger Turn- und Festhalle zwar keine Stimmung wie im Londoner Alexandra Palace, aber Darts gespielt wurde mit genauso großer Leidenschaft wie aktuell im berühmten Austragungsort der Weltmeisterschaft in Englands Hauptstadt. Die Partien dort waren aber zumindest per Videoleinwand zugeschalten. Veranstalter in Sondelfingen war der Darts Sport Verein (DSV) Reutlingen, der zu einem Einzel- und Doppelwettbewerb eingeladen hatte.
Während Dennis Haller das Finale im Best-of-Nine-Modus souverän mit 5:0 gegen Simon Harder gewonnen hatte, fehlte dem Lokalmatador tags drauf im Endspiel des Doppelwettbewerbs das nötige Quäntchen Glück. Zusammen mit seinem Partner Patrick Allzeit verlor er gegen die »Fighters«, Daniel Thomas und Fabian Eichstädt mit 3:5.
Nur einmal war Haller, der hauptberuflich Rechtsanwalt ist, an beiden Turniertagen in Gefahr geraten. In der Runde der letzten 32 (Best of Five) gewann er nur knapp mit 3:2 gegen Leopold Frick. »Ich war selbst ein bisschen überrascht. Es waren doch einige schwere Kaliber dabei. Aber nach dem Sieg gegen Leopold Frick kam ich in einen richtigen Flow und der hat gehalten bis zum Finale«, so Haller.
»Nach dem Sieg gegen Leopold Frick kam ich in einen richtigen Flow«
Der DSV wurde 1991 gegründet und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Rund 100 Mitglieder gehen im Café Metropol im Sondelfinger Gewerbegebiet ihrem Sport nach. Der Verein nimmt mit zwei Mannschaften am Ligaspielbetrieb teil, wobei bei der Ersten die berechtigte Hoffnungen besteht, dass dies sich in der zweiten Saisonhälfte über die Baden-Württemberg-Liga den begehrten Startplatz in der Bundesliga-Aufstiegsrunde des Deutschen Darts Verbands (DDV) zu sichern.
Das wachsende Interesse und den Mitglieder-Zulauf hat der Darts-Sport in Deutschland Übertragungen der WM und anderen hochkarätigen Turnieren auf Sport 1 zu verdanken. »Wir trainieren zwei Mal die Woche mit der Mannschaft, aber jeder von uns verbringt noch viel Zeit im eigenen Keller und trainiert dort zusätzlich«, berichtet Haller.
Sowohl im Einzel- als auch im Doppelwettbewerb waren so genannte »Keller-Darter« dabei. Haller selbst spielt auch erst seit 2023 im Team. Die Entwicklung der Sportart sei »sehr positiv«. Darts gelinge es zunehmend, das Kneipen-Image abzulegen. Viele Jüngere interessieren sich für den Sport.
Im Einzel traten stattliche 129 Spieler an; im Doppel waren es immerhin 53. Das große Interesse hatte sicherlich auch damit zu tun, dass als Anreiz rund 2.500 Euro Preisgeld für beide Tage ausgelobt wurden – kein Vergleich natürlich mit den Profis in London, bei denen der Sieger eine Million Pfund (1,146 Mio. Euro) erhält.
Im Doppel-Halbfinale (Best of Seven) hatten es Haller und Allzeit mit Max Herdlitschka (Woringen) und Marcel Braith (vereinslos) zu tun. Die Reutlinger erlaubten sich nur eine kurze Schwächephase im vierten Spiel, das verloren wurde, gewannen das fünfte und zogen damit ins Finale ein. Herdlitschka und Braith holten sich im Spiel um Platz drei Bronze mit einem 3:1-Erfolg über das Team Perisic/Nicevic.
Im Finale der 3. RT-Open warteten die Lokalmatadoren Daniel Thomas und Fabian Eichstätt. Nach einem starken ersten Satz, den Haller/Allzeit relativ leicht gewannen, schienen die beiden doch ein wenig nervös zu werden, während ihre Gegner eine deutlich höhere Punktzahl mit den jeweils drei Würfen schafften. Und auch beim »Auschecken« hatten sie eine glücklicheres Händchen. So gingen Thomas/Eichstädt mit 3:1 in Führung. Haller/Allzeit verkürzten auf 2:3 und 3:4, mussten sich am Ende aber mit 3:5 geschlagen geben. »Es war knapp, aber es hat leider nicht ganz gerreicht«, meinte Haller und tröstete seinen Mitspieler. (GEA)
AUF NULL MIT DOPPELFELD
Beim Darts geht es darum, pro Runde nacheinander drei Pfeile von einer 2,37 m entfernten Linie (Oche) auf ein Board zu werfen. Dabei zählen nur steckgebliebene Pfeile, und ein Fuß des Werfers muss den Boden berühren. Um zu gewinnen gilt es beim Standardspiel »501« genau auf Null zu kommen, wobei mit dem letzten Pfeil ein Doppelfeld (Double Out) getroffen werden muss. (ber)

