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Mit Zuckerbrot und Peitsche

MÜNCHEN. Der große Zampano ist tot. Trainer-Legende Max Merkel starb am Dienstagabend neun Tage vor seinem 88. Geburtstag nach langer Krankheit in seinem Haus in Putzbrunn bei München. Die Familie des gebürtigen Wieners, der Frau Marion und Tochter Maxi (34) hinterlässt, bestätigte den Tod, der überall Betroffenheit auslöste. »Sein Tod erfüllt mich mit Trauer«, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. »Er war ein großartiger Trainer und auch ein Unterhaltungskünstler.« Ehrenspielführer Uwe Seeler bezeichnete Merkel als »tollen Trainer, wirklich netten Menschen und Spaßvogel, der bis ins hohe Alter immer einen Spruch auf den Lippen hatte.«

Bei Münchner Wegefährten hinterließ Merkels Tod Trauer. »Ein Stück meines Fußballerlebens ist weggebrochen«, sagte Fredi Heiß, der unter Merkel 1966 mit dem TSV 1860 München deutscher Meister wurde. Auch der 1. FC Nürnberg, den Merkel zwei Jahre später zum Titel führte, trauert um den Meistermacher. »Er war ein großer Trainer. Der FCN und der Fußball in Deutschland haben ihm unendlich viel zu verdanken«, erklärte Präsident Michael A. Roth.

Wie kaum ein anderer hatte Merkel den Fußball in seiner Trainerzeit und später als zynischer, aber auch humorvoller Kritiker verkauft. Doch in den letzten zwei Jahren scheute er die Öffentlichkeit. »Er hat sich nicht mehr vor die Tür getraut«, sagten Bekannte. Zuletzt sei der Kontakt abgerissen, erzählte Paul Breitner, der wie Merkel beißende Kommentare für die »Bild«-Zeitung schreibt. »Er war unbezahlbar für dieses Geschäft und quasi der Obertrommler«, erinnerte sich der ehemalige Kapitän des FC Bayern München. Und seine Kolumne pflegte Merkel bis zuletzt. Mit Biss, Ironie, nicht selten polemisch und verletzend. Oft zitiert wurde sein Urteil über Mario Basler. Diesen bezeichnete er als »die teuerste Parkuhr der Welt. Er steht rum - und die Bayern stopfen das Geld rein«.

Mit »frecher Schnauze«, so Eintracht Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel, ging er mit spitzer Feder und respektlos mit Freunden und Gegnern um. Bayern-Coach Felix Magath meinte: »Er war in seiner Zeit einer der besten Trainer in Deutschland. Der deutsche Fußball beklagt den Verlust einer Persönlichkeit.«

Aber auch als Trainer kannte Merkel keine Gnade. »Mit ihm hatten wir bei 1860 die erfolgreichsten Jahre«, sagte Torwart-Legende Petar Radenkovic, »aber wir Spieler hatten kein gutes Verhältnis zu ihm. Er war ein rücksichtsloser Mann.« Mit »Zuckerbrot und Peitsche« gewann Merkel als damals bestbezahlter Bundesligatrainer (17000 Mark monatlich) neben der Meisterschaft auch den Pokal (1964) und erreichte das Europacupfinale der Pokalsieger (1965).

Der oft umstrittene »MM« verkörperte nahezu perfekt den Typus des Erfolgstrainers und war ein Markenzeichen im internationalen Fußball.(dpa/sid)