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Markus Gaugisch über die kommende Frauen-WM: »Ich habe ein gutes Gefühl«

Handball-Bundestrainer Markus Gaugisch hat mit der Frauen-Nationalmannschaft schon Olympia, Welt- und Europameisterschaft erlebt. Eine Heim-WM ist aber auch für den Nehrener etwas Besonderes.

Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch (Mitte) bestreitet mit seiner Mannschaft in Stuttgart das Auftaktspiel am Mittwoch (18 Uhr)
Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch (Mitte) bestreitet mit seiner Mannschaft in Stuttgart das Auftaktspiel am Mittwoch (18 Uhr) gegen Island. Foto: Brandt/dpa
Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch (Mitte) bestreitet mit seiner Mannschaft in Stuttgart das Auftaktspiel am Mittwoch (18 Uhr) gegen Island.
Foto: Brandt/dpa

REUTLINGEN. Am Mittwoch starten die deutschen Handballerinnen in die Heim-Weltmeisterschaft. Bei Markus Gaugisch, der seit drei Jahren Bundestrainer ist und mit dem Team im Vorjahr die deutschen Farben bei den Olympischen Spiele vertrat, ist die Vorfreude groß. »Ich habe ein gutes Gefühl«, sagt der Nehrener, der mit der Mannschaft in Göppingen an diesem Samstag (14.30 Uhr) gegen die Schweiz die Generalprobe vor der WM bestreitet.

Sohn hat schon WM-Medaille

Ganz unabhängig, wie die Welmeisterschaft für Gaugisch verläuft - eine WM-Medaille gibt's bereits in seiner Familie. Vielleicht ist es ja ein gutes Omen: Sohn Kalle hat vor wenigen Wochen mit der U17-Nationalmannschaft den WM-Titel geholt. »Für ihn ist das geil«, sagt der Vater und fügt lachend hinzu: »Das hat den Druck erhöht.« Bei diesen Worten macht »Gaugi« einen völlig entspannten Eindruck. »Es hat mich sehr für ihn gefreut.«

Heimvorteil soll Rückenwind geben

Mit den eigenen Fans im Rücken soll es endlich gelingen, erstmals seit 2007 wieder eine Medaille zu gewinnen. Damals gab's WM-Bronze. Gaugisch weiß um den Vorteil, die Vorrunde vor den eigenen Fans in Stuttgart bestreiten zu können. Die Hauptrunde und zwei Viertelfinals werden in Dortmund ausgetragen. Erst die Endrunde geht in den Niederlanden über die Bühne. »Das ist ein Geben und Nehmen«, sagt der Coach, der als Club-Trainer mit der SG BBM Bietigheim acht Titel geholt hatte. Die Fans hätten das Bedürfnis, das Team siegen zu sehen.

Er hofft, dass die Anhänger die Nationalmannschaft daher entsprechend unterstützen und damit den Gegner unter Druck setzen. »Das macht schon etwas mit dir. Ich hoffe, dass wir es gemeinsam hinbekommen. Dass die Fans für uns Rückenwind sind, für andere Gegenwind.« Allerdings gibt's auch ein Gegenbeispiel: 2017 wurde die Frauen-WM ebenfalls hierzulande ausgetragen. Nach gutem Beginn aber wirkte das Team unter dem selbst auferlegten Druck wie gelähmt und schied bereits im Achtelfinale gegen Dänemark aus. Gaugisch betont, er blicke nicht zurück: »Wir brauchen diesen Schub durch die Fans.«

Fernsehen hält sich zurück

Ausgerechnet bei der Heim-Weltmeisterschaft glänzt das öffentlich-rechtliche Fernsehen zunächst mit Abwesenheit. Erst ab dem Viertelfinale würde das ZDF live übertragen, im Halbfinale oder dem Finale das ZDF oder die ARD. Lediglich die Streamingplattform sporteurope.tv ist von Beginn an präsent und überträgt das komplette Turnier. In Eurosport werden Partien zeitversetzt zu sehen sein. »Das ist schon bitter. Das hätte ich mir anders gewünscht«, sagt Gaugisch. Die Vor- und Hauptrunde bleibe damit in der Handball-Bubble. Bei Menschen, die eh danach suchen würden.

Er berichtet aus eigener Erfahrung, dass durch die Teilnahme an Olympia und die dortigen Übertragungen die Wahrnehmung danach eine ganz andere gewesen wäre. Hätten bei Nachwuchs-Sichtungen zuvor die Teilnehmer nur wenige Namen von aktuellen Handballerinnen gekannt, seien nach Olympia plötzlich die Namen aller Nationalspielerinnen geläufig gewesen. Gaugisch: »Das könnte man so interpretieren, dass sich eine breitere Sichtbarkeit lohnt, dass dadurch mehr hängenbleibt.«

Überraschung Aimée von Pereira

»Die Mischung im Kader passt«, sagt Gaugisch über die 17 Hoffnungsträgerinnen. Einzige Überraschung: Aimée von Pereira, die erst im März ihr Debüt im Nationalteam gefeiert hatte, ist nun auch bei der World Championship dabei. Die Rückraumspielerin wurde 2017 bei der U17-Europameisterschaft zur wertvollsten Spielerin gekürt. Ihr Karriereweg ist ungewöhnlich. In der Bundesliga spielte sie für den Buxtehuder SV, ehe sie ins Ausland ging. Erst nach Dänemark, danach spielte die Rechtshänderin in Frankreich, nun steht sie wieder in Dänemark bei Kopenhagen Handbold unter Vertrag. »Ihr Name war über die Jahre immer im Blick. Sie ist eine sehr gute Abwehrspielerin und bringt eine gewisse Körperlichkeit und Emotionalität mit«, hebt Gaugisch ihre Stärken hervor.

Metzingerinnen nicht dabei

Im Frühjahr gehörten die beiden Metzingerinnen Marie Weiss (Torhüterin) und Sabrina Tröster (Rechtsaußen) noch zum erweiterten deutschen Kader. Für die WM wurden sie indes nicht berücksichtigt. Was sind die Gründe? Gaugisch betont in beiden Fällen, dass sie es »super machen« würden. »Es ist keine Entscheidung gegen sie gewesen.« Für Rechtsaußen wurde mit Jenny Behrend nur eine Akteurin nominiert, Julia Maidhof steht als »Hybridspielerin, die auf Außen wie im Rückraum spielen kann«, zur Verfügung. Im Tor waren die erfahrenen Katharina Filter und Sarah Wachter erste Wahl.

Was ist möglich?

Gaugisch baut auf den Heimvorteil, der im Vorjahr auch dafür sorgte, dass Ungarn bei der Europameisterschaft im eigenen Land Dritter wurde. Aber dazu ist ein herausragender Turnier-Auftritt notwendig. Gaugisch: »Die Realität ist, dass wir eines der Teams nach den Top Vier Norwegen, Dänemark, Frankreich und Schweden sind. Wir haben Fortschritte gemacht dieses Jahr. Eine normale Leistung wird aber nicht reichen. Wir müssen eine Super-Leistung bringen, um unter die letzten Vier zu kommen.« (GEA)