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KOMMENTAR Der Kampf gegen die Chinesen Boll sucht die Balance

VON MANFRED KRETSCHMER

Zehn Goldmedaillen bei Europameisterschaften hat Timo Boll in den vergangenen sieben Jahren gewonnen. Eine beeindruckende Bilanz. Gestern in Stuttgart verpasste der 28-Jährige den vierten Titelgewinn im Einzel - er hat allerdings einige wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Zum Einen war der souveräne Einzug ins Halbfinale für ihn die Bestätigung, in puncto Vorbereitung die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Boll verzichtete im Vorfeld dieser EM auf Wettkämpfe, arbeitete dafür sehr hart an seiner Fitness. Nun muss der seit vielen Jahren mit Rückenproblemen kämpfende Weltranglisten-Dritte - nicht zum ersten Mal in seiner Karriere - die nötige Balance auf dem Weg zu seiner ersten Einzel-Medaille bei Weltmeisterschaften finden. Nicht zu wenig Wettkämpfe, aber auch nicht zu viele, noch mehr Fitness-Training - so sieht der Plan an.

Die übermächtigen Chinesen fürchten seit Jahren in erster Linie den mit einer außerordentlichen Begabung ausgestatteten Timo Boll. Um die chinesische Mauer wenigstens ab und an zu durchbrechen, benötigt Boll Hilfe aus Europa. Und da könnte Michael Maze ein neuer Verbündeter werden. Der Däne kann mit seinem in Stuttgart zelebrierten kompromisslosen Spiel auch Ma Lin, Wang Hao & Co in Verlegenheit bringen. Und wenn dann noch die deutschen Talente Dimitrij Ovtcharov, Christian Süß und Patrick Baum eine Schippe drauflegen würden, dann muss sich die chinesische Über-Generation zumindest kräftig ins Zeug legen, um weiterhin alle Titel abzugrasen.

Bei den Frauen setzte Wu Jiaduo in der Porsche-Arena ein Ausrufezeichen. Es zeichnet die Deutsche aus, sich neue Ziele zu setzen und zum Angriff auf die Asiatinnen zu blasen. Aber: Die besten Europäerinnen hinken vor allem den Chinesinnen meilenweit hinterher. Bei den letzten Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften stand nur einmal eine Europäerin unter den letzten Acht. Daran dürfte sich in absehbarer Zukunft nichts ändern.