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German Masters in Stuttgart: Der »Oldie« lässt der Konkurrenz keine Chance

Die Bayerin Jana Lang dominiert in der Dressur-Einlaufprüfung beim Stuttgarter Weltklasse-Turnier German Masters. Europameister Richard Vogel gewinnt S-Springen der Landes-Elite. Christa Jung und der Reiz des Parcoursaufbaus.

Haushohe Favoritin auf den Sieg im Dressur-Cup am Donnerstag: Die Bayerin Jana Lang und ihr bereits 19-jährigen Wallach Baron, m
Haushohe Favoritin auf den Sieg im Dressur-Cup am Donnerstag: Die Bayerin Jana Lang und ihr bereits 19-jährigen Wallach Baron, mit dem sie am Mittwoch die Einlaufprüfung überlegen gewinnt. Foto: Buerke/Eibner
Haushohe Favoritin auf den Sieg im Dressur-Cup am Donnerstag: Die Bayerin Jana Lang und ihr bereits 19-jährigen Wallach Baron, mit dem sie am Mittwoch die Einlaufprüfung überlegen gewinnt.
Foto: Buerke/Eibner

STUTTGART. Der Mittwoch ist der Auftakt-Tag des Stuttgarter Weltklasse-Hallenturniers German Masters. Dann haben die baden-württembergischen Top-Reiter ihre Bühne. Es ist die Gelegenheit, die Pferde für kommende Aufgaben vorzubereiten. Aber das heißt nicht, dass es die Favoriten langsam angehen lassen.

Vogel Klasse für sich

In der Einlaufprüfung für das Hallenchampionat am Donnerstag (20.15 Uhr) setzte einer der ganz großen Stars ein Ausrufezeichen. Der gebürtige Riedlinger Richard Vogel zeigte im S-Springen über die zwölf Hindernisse den 25 Konkurrenten gleich mal, wie's gemacht wird. Auf Cubi Cubells setzte der fehlerlose Europameister überlegen die Bestzeit, nachdem er mit einer kurzen Wendung nach dem achten Hindernis, einem Steilsprung, viel Zeit gespart hatte. Da ging ein Raunen durch die Schleyerhalle. Auffallend die Sprungkraft der zehnjährigen Stute, die mehrfach noch viel Luft zur Stange hatte. »Sie ist nicht die Größte, hat aber ein großes Herz. Ich hoffe, dass wir das morgen ausspielen können«, sagte der Schwabe, der inzwischen in Bensheim lebt, mit Blick auf das Hallenchampionat. Der Ex-Reutlinger Sönke Aldinger, der wie 14 weitere Starter fehlerlos blieb, belegte auf der Stute Quest van de Vossendries Rang fünf.

Lang - wer sonst?

Selten war auf Baden-Württemberger-Ebene, die vor Jahren auch auf bayrische Starter erweitert worden war, die Favoritenrolle für den Dressur-Cup am Donnerstag (14.30 Uhr) so eindeutig vergeben. Vier Mal trat Jana Lang (Nonnhof) in den Qualifikationen mit ihrem Baron an - vier Mal hatte die Konkurrenz das Nachsehen. In Stuttgart machte das Paar in der Intermedaire I, die Lektionen bis zur Pirouette und fliegenden Galoppwechseln bereithält, dort weiter, wo es zuletzt in Ising aufgehört hatte. Überlegen gewann die junge Bayerin auf ihrem bereits 19-jährigen Wallach, der seinen x-ten Frühling erlebt, mit 72,39 Prozent der möglichen Punkte. »Es geht nach diesem tollen Jahr hauptsächlich darum, hier Spaß zu haben«, sagte die strahlende Gewinnerin. Baron sei ein Showman: »Er will sich präsentieren und liebt die Atmosphäre hier.« Der »Oldie« hielt die deutlich jüngere Konkurrenz locker in Schach. An Pferde-Rente ist noch nicht zu denken. Lang: »Solange er so gut ist, darf er gerne weitermachen.«

Juniorinnen geben Ton an

Der Nürnberger Burg-Pokal ist die prestigeträchtigste Nachwuchs-Serie im Land. In der Dressur-Kategorie war die Bernlocherin Allegra Elisabeth Hüttig Mitte Oktober beim Reutlinger Top-Turnier zur Siegerin gekürt worden. Nun folgte das Finale der besten baden-württembergischen Junioren im Springparcours. Die einzigen beiden männlichen Teilnehmer dieses Ein-Stern-M-Springens hatten mit der Entscheidung nichts zu tun. Landeskader-Mitglied Mia Cara Brugger (Rindelbach) war in der Qualifikation in Ellwangen-Killingen bereits siegreich gewesen. Nun fegte sie im Stechen, in dem weibliche Talente unter sich waren, mit der Stute Incognito durch den Parcours, als würde sie Abkürzungen in Serie nehmen. Am Ende lag sie fast dreieinhalb Sekunden vor der zweitplatzierten Lena Habisreutinger (Meckenbeuren). Für Klara Enzinger war der Vorstoß in den Final-Wettbewerb bereits ein Erfolg. Die junge Springreiterin vom Reit- und Fahrverein Bühl kam in Stuttgart mit Charlotte auf den 15. Rang. Sie hatte im Umlauf zwei Abwürfe und Zeitfehler.

Dauerbrennerin Jung

Christa Jung gehört zum German-Masters-Turnier wie die Wilhelma zu Stuttgart. Seit 2008 ist die Bad Friedrichshallerin inmitten des Parcours zu finden. Anfangs noch an der Seite des Glemsers Hauke Schmidt, später dann alleinverantwortlich baute und baut sie die Kurse, auf denen die Weltklasse-Reiter um Ruhm, Ehre und Preisgelder kämpfen. Bereits seit fast 40 Jahren trägt sie den Titel des Pferdesport-Weltverbandes »International Course Designer« - das alleroberste Prädikat. Jung hat bei Welt- und Europameisterschaften aufgebaut. Die pensionierte Lehrerin fehlte nur beim Turnier 2023, als sie zu Hause von einem Pferdehuf am Kopf getroffen wurde und mehrere Operationen erforderlich waren. Was macht nach der langen Zeit als Pacourschefin immer noch den Reiz der Stuttgarter Top-Veranstaltung für sie aus? »Die Atmosphäre. Die gigantische Halle mit den vielen Zuschauern«, sagt sie. »Und das Weltcup-Springen am Sonntag ist auch etwas Besonderes.«

Ire im Indoor vorn

Die Indoor-Prüfung am Mittwochabend ist seit jeher ein Highlight. Weil Publikumsliebling Michael Jung am Start ist und die Zwei-Phasen-Prüfung Sprünge über Naturhindernisse - wie etwa das unübersehbare Looping - und dazu den Charakter eines Stechens bietet. Starter aus fünf Nationen kämpften in der diesmal nicht ausverkauften Schleyerhalle um den Sieg. Ein Ex-Champion triumphierte, allerdings nicht Michael Jung, der Fünfter wurde und damit weiter auf seinen zehnten Triumph warten muss. Der Ire Cathal Daniels, der bereits 2019 hier den Sieg feierte, war mit seiner Stute Shannondale Mari in 30,65 Sekunden nicht zu toppen. Als bester Deutscher kam Arne Bergendahl aus Mecklenburg-Vorpommern auf Rang zwei. (GEA)