STUTTGART. . Motocross »zieht«. Nicht nur im Freien. Gerade auch in der Halle haben die Rennen und Freestyle-Shows ihre festen Fans. Und obwohl die Stuttgarter Supercross-Veranstaltung Jahr für Jahr sehr gut besucht ist, sind zwei ausverkaufte Tage in Folge, wie es am Wochenende der Fall war, etwas Besonderes. »Das ist nicht die Regel. Deshalb genießt man das auch«, sagte Michael Saur, der Vorsitzende des veranstaltenden ADAC Württemberg.
Insgesamt 16.800 Anhänger des Action- und Motoren-Spektakels in der Schleyerhalle sahen in diesem Jahr erneut dominierende französische Fahrer, obwohl wieder eine ganze Reihe starker US-Boys am Start war. So krönte sich nach 2017 und 2022 zum dritten Mal Cedric Soubeyras zum »König von Stuttgart«. Der 36-Jährige lieferte ein beeindruckendes Comeback ab, nachdem er sich vor einem Jahr bei der Supercross-WM in Kanada die Hüfte gebrochen hatte. »Es war fraglich, ob ich wieder aufs Motorrad steigen kann«, blickte der Champion nach seinem Triumph zurück.
Auch Supercross-Serie im Freien
Bester deutscher Teilnehmer in der SX1-Klasse war Maximilian Spies, der nach den beiden Tagen als Gesamt-Siebter notiert wurde. Der 21-Jährige aus Ortrand (Brandenburg) war in den Final-Läufen dabei, etwas, das auch Mark Scheu angepeilt hatte. Für den Grabenstetter Spätstarter, der in dieser Saison unter anderem WM-Rennen in Argentinien, Spanien und Schweden bestritt, war in Stuttgart jeweils in den Hoffnungsläufen Endstation. Er belegte dort zwei Mal die Ränge acht, je einmal sieben und fünf. Im Gegensatz zu früheren Jahren, wo Supercross in Deutschland ausschließlich in großen Arenen ausgetragen wurde, gibt es inzwischen auch eine SX-Serie im Freien. Solche Rennen könnte man sich auch in Reutlingen vorstellen, wo sich das technisch anspruchsvolle Streckenlayout gut dafür anbietet.
Scheu hatte sich auf einer Supercross-Strecke in Thüringen vorbereitet. Im Vorjahr hatte der Neo-Profi in der Schleyerhalle debütiert. Zum Motocross besteht ein frappierender Unterschied. »Supercross ist für Körper und Kopf doppelt so anstrengend«, schilderte der 26-Jährige seine Erfahrung. Saur ist überzeugt, dass der für den MSC Frickenhausen antretende Suzuki-Pilot in absehbarer Zeit auch bei diesen Veranstaltungen seine Ziele erreicht: »Das ist etwas ganz anderes als outdoor zu fahren. Wenn er das eine Weile macht, kommt er ins Finale.« In der SX2-Klasse setzte sich der Franzose Jules Pietre durch.
Maier trifft auf ältere Konkurrenz
Wie Scheu hatte sich auch Ben Maier viel vorgenommen. Der Vorjahres-Gewinner in der Klasse SX5, in der mit Elektro-Motorrädern angetreten wird, tritt nun eine Kategorie höher an. Der Youngster vom 1. RMC Reutlingen sagte: »Supercross liegt mir. Es macht ziemlich Spaß.« Seine Hoffnung auf eine Top-Fünf-Platzierung in der SX4-Klasse (65 ccm) erfüllte sich für das große Talent allerdings nicht. Als Neunjähriger ist er gegenüber den bis zu drei Jahre älteren und teilweise größeren oder körperlich stärkeren Konkurrenten im Nachteil. Hinzu kam, dass er beim Start nicht gut wegkam. So fuhr Maier als Achter ins Ziel, RMC-Kollege Maximilian Brandau wurde Elfter. In der SX5-Kategorie erreichte Leon Kuttler Rang sieben, Paul-Jakob Renz (beide ebenfalls RMC) Platz zehn. Voraussetzung für einen Start in Stuttgart ist in diesem Alter die Qualifikation über den BW-Cup.
Um das Event der Supercross-Veranstaltung aufzulockern, werden immer mal wieder neue Programm-Punkte ausprobiert. Diesmal feierte die Next-Klasse Premiere. Hier können Fahrer aus der zweiten Reihe Supercross-Luft schnuppern. Zudem gab es erstmals ein »SX Fan-Race« (ohne Motorräder), in dem acht Teams von Motocross-Anhängern bei Wettkämpfen wie Reifenrollen und Schubkarren-Parcours das Publikum mitrissen. Ob diese Neuerungen beibehalten werden, ist laut Aussage von Michael Saur, dem Vorsitzenden des ADAC Württemberg, noch offen. (GEA)

