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Dußlinger Marius Mayrhofer fährt zum zweiten Sieg als Rad-Profi

Rad-Profi Marius Mayrhofer glänzt mit einem Etappensieg im Westen Frankreichs. Der Dußlinger, der dabei Weltklasse-Fahrer hinter sich lässt, hat Chancen auf eine Nominierung für die Tour de France.

Marius Mayrhofer feiert seinen Sieg auf der Etappe im französischen Laval. Der Dußlinger gewinnt mit 32 Sekunden Vorsprung vor d
Marius Mayrhofer feiert seinen Sieg auf der Etappe im französischen Laval. Der Dußlinger gewinnt mit 32 Sekunden Vorsprung vor dem Hauptfeld. Foto: Bellier
Marius Mayrhofer feiert seinen Sieg auf der Etappe im französischen Laval. Der Dußlinger gewinnt mit 32 Sekunden Vorsprung vor dem Hauptfeld.
Foto: Bellier

LAVAL. Dass die Form stimmte, wusste er schon vorher. Doch hatte sich die gute Verfassung in den vorherigen Rennen nicht in eine Top-Platzierung ummünzen lassen. Bei der viertägigen Rundfahrt Boucles de la Mayenne im Westen Frankreichs war es dann soweit: Marius Mayrhofer gewann die letzte Etappe überlegen und feierte damit seinen zweiten Sieg als Rad-Profi, nachdem er vor zwei Jahren in Australien im Trikot des niederländischen DSM-Teams schon einmal als Erster ins Ziel gefahren war.

Jetzt legte er im Dress des Schweizer Rennstalls Tudor Pro Cycling nach, für den der Dußlinger seit dem Vorjahr fährt. Mayrhofer ließ dabei Weltklasse-Fahrer hinter sich. Der Wettkampf der zweiten Kategorie war fünf Wochen vor Beginn der Tour de France ein Pflichttermin für zahlreiche World-Tour-Teams. Umso höher ist sein Sieg einzuschätzen.

»Das ist ein Riesen-Erfolg für mich«

»Top, dass es mit dem Sieg geklappt hat. Das ist ein Riesen-Erfolg für mich«, kommentierte der 24-Jährige seinen starken Auftritt auf der Etappe von Javron-les-Chappelles nach Laval, das in der Mitte zwischen Le Mans und Rennes liegt. Zum Auftakt der Rundfahrt war er 69. im Prolog über fünf Kilometer geworden. Danach folgte bereits Rang 14 auf der ersten Etappe (166 Kilometer). »Ich hatte alle drei Tage richtig gute Beine«, sagte Mayrhofer. Umso bitterer war der Verlauf für ihn im nächsten Abschnitt. An diesem Tag mussten auf der anspruchsvollen Strecke von 210 Kilometern knapp 3.000 Höhenmeter überwunden werden. Am letzten Berg bekam der gebürtige Tübinger unerwartete Krämpfe an der Vorder- und Rückseite des Oberschenkels. Sie waren so heftig, dass das Bein nach seiner Aussage in keine Richtung mehr bewegbar war. »Ich war richtig am Limit.« Mayrhofer musste anhalten und etwa zehn Sekunden pausieren, bis sich die Muskeln erholten. Danach nahm er das Rennen wieder auf und kam als 52. ins Ziel.

Das Vorkommnis wurmte ihn. Auf der Abschluss-Etappe hatte er sich deshalb einiges vorgenommen. »Ich war noch genervt und wollte unbedingt etwas erreichen.« Dieses Vorhaben setzte er auf der Strecke über 164 Kilometer in die Tat um. Als sich eine vierköpfige Spitzengruppe absetzte, gehörte Mayrhofer dazu. Zusammen mit Florian Senechal (Arkea-B&B Hotels), Oliver Knight (Cofidis) und Johan Meens (Wagner Bazin WB) fuhr sich das Quartett rund vier Minuten Vorsprung heraus. Nachdem Senechal zurückfiel, nahm das restliche Trio die letzten 25 Kilometer in Angriff. 15 Kilometer vor dem Ziel trat Mayrhofer am Berg an und hängte Knight und Meens ab.

»Die Teamkollegen haben schon davor für mich gearbeitet«

Auf der Zielgeraden feierten ihn zuerst zahlreiche Zuschauer in Laval, ehe nach dem Triumph auch die Freude bei den Teamkollegen groß war. »Sie haben schon davor für mich gearbeitet. Mit dem Sieg ist ein großer Druck abgefallen.« Ein Druck, der auch daher rührte, dass, wie Mayrhofer selbst sagt, er »auch ein Leader« ist. Ein Anführer, den die Teamleitung vor dem Rennen festlegt, einer, für den die Mannschaftskollegen fahren, dem sie auf der Strecke Windschatten geben und ihn möglichst in jeder Phase des Rennens in eine gute Position zu bringen versuchen.

Und der daher viel Verantwortung hat. Von dem Top-Platzierungen erwartet werden. Mayrhofer: »Meine Aufgabe ist, Siege einzufahren. Ich will und sollte weiter performen.« Für Platz eins gab es bei der Siegerehrung eher unspektakuläre Geschenke: Einen Blumenstrauß und ein Trikot von Lavals Bürgermeister. Tudor-Teamchef Fabian Cancellara, der in seiner aktiven Zeit einer der weltbesten Rad-Profis war, postete eine Instagram-Story über Mayrhofers Gala. Im Ziel hatte der Dußlinger 32 Sekunden Vorsprung auf das Peloton, in dem sich die erfahrenen Tour-de-France-Sprinter Biniam Girmay (Intermarché-Wanty) und Bryan Coquard (Cofidis) im Sprint die Ränge zwei und drei erkämpften.

»Mein Ziel ist es, die Tour zu fahren«

Stichwort Tour de France: Die Teilnehmer für die Frankreich-Rundfahrt (5. bis 27. Juli) wurden vom Tudor Pro Cycling Team noch nicht benannt. Mayrhofer weiß, dass er zum Kreis der Kandidaten für einen Start gehört: »Mein Ziel ist es, die Tour zu fahren.« (GEA)