REUTLINGEN. »Das wird eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich bin zum ersten Mal für Deutschland im Einsatz.« Svenja Götting fiebert ihren ersten internationalen Auftritten entgegen. Die 17 Jahre alte Eningerin wurde vom Deutschen Schwimmverband (DSV) für die Junioren-Europameisterschaften im slowakischen Samorin nominiert, die vom 30. Juni bis zum 6. Juli ausgetragen werden.
Svenja Götting ist nicht nur erstmals für den DSV bei einer Groß-Veranstaltung im Einsatz. Auch in den vergangenen Wochen und Monaten ging sie neue Wege. »Ich war mit dem DSV-Kader in der Sierra Nevada zum ersten Mal in meiner Laufbahn im Höhen-Trainingslager.« 18 Tage lang. Nach der Rückkehr startete sie aus dem vollen Training heraus bei den deutschen Jahrgangs-Meisterschaften in Berlin. Götting hat das glänzend bewältigt. Bei den »Deutschen« wurde sie über 100 Meter und 200 Meter Freistil Zweite, über 200 Meter Lagen holte sie Bronze, über 400 Meter Freistil landete sie auf dem vierten, über 50 Meter Freistil auf dem fünften und über 100 Meter Schmetterling auf dem sechsten Platz. »Zwölf Rennen in fünf Tagen, das war schon sehr anstrengend«, blickt sie auf die Titelkämpfe und ihr Hammer-Programm zurück.
Umzug vor eineinhalb Jahren nach Heidelberg
Die für die SSG Reutlingen/Tübingen startende Athletin wählte vor eineinhalb Jahren einen Weg, der ihr Leben total umkrempelte - sie zog von Eningen nach Heidelberg, verließ das Reutlinger Johannes-Kepler-Gymnasium und besucht seither die Eliteschule des Sports in Heidelberg, wo sie derzeit die elfte Klasse absolviert. 2027 will sie ihr Abi bauen. »Die Bedingungen am Kepler-Gymnasium waren für mich gut, ich konnte auch Frühtraining absolvieren«, lobt sie das Lehrer-Kollegium in Reutlingen. Das spricht für die 17-Jährige, die mit beiden Beinen fest im Leben steht und, wenn man sie so reden hört, eine exzellente Teamplayerin ist.
Um sportlich den nächsten Schritt zu vollziehen, war der Wechsel nach Heidelberg quasi alternativlos. Die Bedingungen am dortigen Olympia-Stützpunkt sind ideal. »Wir haben ein 50-Meter-Becken für uns. Die Trainingsgruppe und die Trainingsmöglichkeiten sind optimal.« In zwei Minuten ist sie von ihrem Zimmer im Internat in der Schwimmhalle, in 15 Minuten ist sie mit dem Fahrrad in der Schule. Pro Woche absolviert Götting acht bis neun Einheiten. Viele Tage sehen wie folgt aus: 6.50 Uhr Aufwärmen, 7 bis 8.30 Uhr Schwimm-Training, danach Schule, 15.30 Uhr bis 16.45 Uhr Kraft-Training, ein anderes Mal von 16 bis 17 Uhr Yoga oder Athletik-Training, 17 bis 19 Uhr Schwimm-Training.
Vereinswechsel ist kein Thema
Göttings Übungsprogramm ist überaus anspruchsvoll. »Ich habe noch viele Reserven«, hat sie festgestellt. Das spornt sie an. Sie weiß, dass sie sportlich enorm viel Potenzial hat. »Ich kann meine Technik verbessern, mein Trainingspensum weiter steigern, ich kann überall zulegen«, zählt sie mit einem Lächeln im Gesicht auf.
Erstaunlich, dass Götting weiterhin für die SSG Reutlingen/Tübingen an den Start geht, würde doch ein Wechsel zum SV Nikar Heidelberg nahe liegen. »Von Heidelberg gibt es überhaupt keinen Druck, die SSG steht und stand immer hinter mir.« Sie habe nach wie vor gute Kontakte zur SSG und zu ihren Team-Mitgliedern. Zudem, gibt sie zu, finde sie es faszinierend, »eine Vorbildfunktion« für die Talente der SSG einzunehmen.
Hoffnung auf einen Start über 100 Meter Freistil
Während sie bei nationalen Titelkämpfen quasi ein alter Hase ist, geht sie in den nächsten Tagen in Samorin neue Wege. »Bei deutschen Meisterschaften kenne ich fast alles und jede. Das ist nun bei der EM überhaupt nicht der Fall.« In welchen Disziplinen und wie häufig sie bei den kontinentalen Titelkämpfen an den Start geht, steht noch nicht fest. »Ich werde möglicherweise in einigen Staffeln eingesetzt.« Im Einzel hofft sie auf eine Nominierung für die 100 Meter Freistil. Fakt ist: Die EM in der Slowakei ist ein Meilenstein in ihrer Laufbahn. »Das wird eine völlig neue Erfahrung für mich.« (GEA)

