FREIBURG. Manchmal verblüffen Ereignisse dadurch, dass sie sich wiederholen. Im Vorjahr hatten gesundheitliche Probleme Martin Frey zurückgeworfen. Auch in dieser Saison musste er nach Infekten Zwangspausen einlegen - dieses Mal fielen gleich sieben Trainingswochen weg. »Es war nochmal schwieriger dieses Jahr«, sagt der Bad Uracher Mountainbike-Profi im Rückblick. Doch es gab eine weitere Gemeinsamkeit 2024 und 2025 - eine positive. Am Schluss fand er wieder Form, Rhythmus und Stabilität und schloss das Jahr erneut mit einem Sieg ab.
Ein versöhnliches Ende, das zugleich Mut macht für die neue Saison. »Die letzten drei Rennen haben gezeigt, dass ich's draufhab'. Das gibt Zuversicht statt mit einem schlechten Gefühl ins neue Jahr zu gehen«, fasst der 31-Jährige die abschließenden Wochen zusammen.
.Infekt und Trainingsrückstand
Der Hochsommer ließ noch keineswegs erahnen, dass der Herbst wieder richtig gut für ihn laufen würde. Bei zwei Rennen hintereinander kam er nicht ins Ziel. Nach einer Erkrankung war der Trainingsrückstand zu groß, um bei der deutschen Marathon-Meisterschaft in Schierke im Harz konkurrenzfähig zu sein. Erst fünf Wochen später nahm Frey sein nächstes Rennen in Angriff. Doch der Wettkampf im nordostspanischen Girona, wo er im Vorjahr als Erster ins Ziel gekommen war, hatte in diesem Jahr Weltcup-Charakter. Die internationale Elite war am Start, der Wahl-Freiburger hatte auf dem extrem rutschigen Untergrund nach eigener Aussage den falschen Reifen aufgezogen, riss sich dann bei einem Sturz den Ellbogen auf. Weil er den Lenker nicht mehr festhalten konnte, gab er kurz vor Schluss auf. Frey: »Da lief irgendwie nichts zusammen.«
.Form kehrt zurück
In Frankreich war er dann schon fast wieder der Alte. Obwohl der Boden ziemlich matschig war und 2.500 Höhenmeter bewältigt werden mussten, kam Frey beim »Estreme sur Loue« in Ornans als Dritter - und damit bester Deutscher - ins Ziel. Sein Rückstand auf den 37 Jahre alten siegreichen Schweizer Martin Fanger betrug 1:48 Minuten. Zweiter wurde der Franzose Axel Roudil-Cortina. Lange fuhr Frey in der Spitzengruppe, fiel dann nach einem Sturz in der Renn-Hälfte zurück auf die Plätze vier, fünf, um schließlich wieder unter die ersten Drei zu kommen. »Am Schluss konnte ich noch ein bisschen aufdrehen. Der Podestplatz war eine große Erleichterung. Das hat Selbstvertrauen gegeben«, schildert der WM-Vierte von 2022, wie ihm dieser Wettkampf Auftrieb gab.
Er blieb gleich in Frankreich, wo das nächste Rennen in Frejus, etwa auf halber Strecke zwischen Cannes und St. Tropez gelegen, auf dem Programm stand. Die Besetzung hatte beinahe Weltcup-Charakter, die Schwierigkeit war entsprechend. Auf der 102 Kilometer langen Strecke forderten 3.000 Höhenmeter den Startern alles ab. Wie schwer die Anforderungen waren, zeigt sich daran, dass Fanger, der Gewinner der Vorwoche, hier als Zehnter acht Minuten Rückstand auf Sieger Wout Alleman (Belgien) aufwies. Nur wenige Meter hinter dem Eidgenossen fuhr Frey über den Zielstrich. Lange lag der Bad Uracher im Bereich der Plätze zehn bis 20, phasenweise hatte er Kontakt zu den Rängen fünf, sechs. Dann ließen die Kräfte nach. »Hinten raus bin ich kaputtgegangen«, kommentiert er den zeitlichen Abstand zum Ersten. Aber das Rennen habe ihm gezeigt, »dass ich wieder da bin«.
.Highlight bei der Zugabe
Im ursprünglichen Renn-Kalender wäre damit seine Saison vorüber gewesen. Doch Frey fühlte sich gut und weil er aufgrund der gesundheitlichen Probleme mehrere Rennen ausfallen lassen musste, hatte er Nachholbedarf. Als Zugabe zum Saison-Programm wählte er den Castro Legend Cup im tiefsten Süden Italiens. Frey kannte das Rennen noch nicht. Hier am »Stiefelabsatz« galt es, 80 Kilometer mit 1.200 Höhenmetern zu meistern. Nicht allezu bergig, dafür umso schneller ging es direkt an Apuliens Küste entlang. Die Besetzung reichte zwar nicht an Frejus heran, aber mehrere starke Italiener und der Kolumbianer Leonardo Paez waren hoch einzuschätzen. »Ich war sehr motiviert und hoffte, das ich vielleicht aufs Podium fahren kann.«
Weil's in der Nach feucht war, fanden die Teilnehmer eine rutschige, selektive Strecke vor, auf der mehrere Engstellen eine passende Strategie erforderten. Kurz: Ein Terrain und technische Anforderungen, die Frey entgegen kamen. Der Fahrer des Singer-KTM-Racing-Teams lag dann auch immer in der Spitzengruppe, zwischendurch führte er. Etwa 35 Kilometer vor dem Ziel sei auf dem Trail »eine kleine Lücke aufgegangen«, berichtet er. Frey witterte seine Chance, trat in die Pedale und fuhr den Konkurrenten davon. Schnell baute er den Vorsprung auf etwa 30 Sekunden aus. Zehn Kilometer vor dem Ziel tauchte hinter ihm Paez auf. Der Südamerikaner, einer der weltbesten Bergfahrer, hatte zu diesem Moment aber bereits die Aufholjagd in den Beinen. Am letzten Anstieg attackierte Paez nur verhalten. Frey wusste: »Im Sprint hab' ich ihn im Griff.« Also fuhr er die letzten 1.500 Meter von vorne und erarbeitete sich gut 20 Meter Vorsprung, Paez war geschlagen. Frey: »Ich konnte stressfrei ins Ziel fahren. Cool, dass der Plan so funktioniert hat.«
Ende nächsten Jahres läuft Freys Vertrag beim Team aus Schwenningen aus. Wie's danach weitergeht - darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Der Weltranglisten-29. will 2026 vor allem eines: Möglichst dort anknüpfen, wo er im Oktober aufgehört hat. (GEA)

