REUTLINGEN. Exakt in der Spielstätte, in der sich der SSV Reutlingen seit 14 Jahren im grauen Mittelmaß der Fußball-Oberliga bewegt, wehte am Sonntag plötzlich ein Hauch von internationalem Spitzensport. Die European League of Football (ELF), die nach der nordamerikanischen NFL inzwischen zur attraktivsten Liga weltweit zählt, war zu Gast in Reutlingen. Besser gesagt der amtierende Vizemeister Stuttgart Surge, der aufgrund der Fußball-EM seine Heimspiele nicht wie üblich im Degerlocher Gazi-Stadion austragen kann, weil dort die Schweizer Nationalmannschaft ihre Trainingseinheiten abhält. Das Kreuzeichestadion ist deshalb die vorübergehende Heimspielstätte der Stuttgarter.
Schätzungsweise 4.000 Football-Fans sollen am Sonntagmittag beim deutlichen 55:9-Erfolg der Surge über das italienische Team Milano Seamen in Reutlingen dabei gewesen sein. Das Problem: Aufgrund technischer Schwierigkeiten im Ticketing-Bereich war keine genaue Auskunft über die Zuschauer-Zahl möglich, berichtete Pressesprecher Sascha Müller am Sonntagabend auf GEA-Nachfrage.
Reutlingen Eagles sehr präsent
Nichtsdestotrotz sei es ein mehr als ein gelungener Football-Nachmittag gewesen. »Wir hatten super Unterstützung von der Stadt Reutlingen und dem Sportamt, die uns im Vorfeld, als auch am Spieltag selbst, unglaublich unterstützt haben. Gleiches gilt für die SSV Reutlingen 05 Eagles, das ist wirklich eine ganz tolle Zusammenarbeit«, betonte Müller mit Blick auf den hiesigen Regionalligisten, der seine Heimspiele ebenfalls im Kreuzeichestadion austrägt und rund um die Partie ebenfalls sehr präsent war. Unter anderem mit einem Essensstand sowie verschiedenen Mitmachaktionen.
Überragender Mann aufseiten der Stuttgarter, bei denen der ehemalige Reutlinger Spieler Luis Leatherman zum Einsatz kam, war Passempfänger Louis Geyer mit drei erzielten Touchdowns. Zudem überzeugte Quarterback Reilly Hennessey mit vier Touchdown-Pässen. Für die Surge war es der dritte Sieg im dritten Spiel. Damit grüßt das Team von Headcoach Jordan Neuman in der Central Conference von Rang eins.
Das zweite »Heim-Gastspiel« im Kreuzeichestadion bestreiten die Stuttgarter in zwei Wochen, am Sonntag, den 30. Juni, gegen die Helvetic Mercenaries. Auch in diese Partie geht der Vizemeister als Favorit. Ob sich die geschätzte Kulisse von 4.000 Fans dann sogar noch toppen lässt? Man darf gespannt sein. (GEA)
BESONDERE EHRE FÜR DABO
Vor der Partie stand ein Reutlinger im besonderen Rampenlicht. Marcel Dabo, der für die Indianapolis Colts in der NFL spielt, durfte vor der Partie den traditionellen Cointoss – vergleichbar mit der Seitenwahl im Fußball – ausführen. Der 24-jährige Safety spielte sich 2021, in der ersten ELF-Saison überhaupt, bei den Stuttgart Surge in den Fokus der US-amerikanischen Scouts und gewann am Ende der Saison die Auszeichnung des besten jungen Verteidigers. Im Anschluss schaffte er über das International Player Pathway Program den Sprung in die NFL. (ott)


