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90 Jahre alter Reutlinger tritt bei WM in Rom an

90 Jahre - und noch immer erstaunlich vital. Richard Luber vom SSV Reutlingen startet bei den Tischtennis-Senioren-Weltmeisterschaften in Rom.

Immer noch voller Energie: Richard Luber.
Immer noch voller Energie: Richard Luber. Foto: JoBaur
Immer noch voller Energie: Richard Luber.
Foto: JoBaur

REUTLINGEN. Vor geraumer Zeit klingelte bei Richard Luber das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Kai Merimaa aus Finnland. »Kai hat mich gefragt, ob ich mit ihm bei den Weltmeisterschaften Doppel spielen will«, erzählt Luber. Der 90 Jahre alte Reutlinger überlegte - und gab schließlich dem Finnen sein Ja-Wort. »Nach meinen letzten internationalen Titelkämpfen vor vier Jahren wollte ich eigentlich nicht mehr bei Groß-Veranstaltungen mitmachen«, berichtet Luber. »Doch am Ende habe ich mich von Kai umstimmen lassen.«

Luber packt nun in den nächsten Tagen seinen Koffer und reist zu den Tischtennis-Weltmeisterschaften der Senioren nach Rom. Der Akteur des SSV Reutlingen, der regelmäßig auch beim SV Würtingen trainiert, tritt in der »Ewigen Stadt« im Einzel und Doppel in der Altersklasse 90 an.

Richard Luber erhält eine Torte von seinen Teamkollegen des SSV Reutlingen.
Richard Luber erhält eine Torte von seinen Teamkollegen des SSV Reutlingen. Foto: privat
Richard Luber erhält eine Torte von seinen Teamkollegen des SSV Reutlingen.
Foto: privat

In den vergangenen 30 Jahren sei er im Einzel häufig auf Merimaa getroffen, »wir haben aber noch nie gemeinsam Doppel gespielt«. Der Grund: In den vergangenen Jahrzehnten hatte Luber zumeist Klaus Krüger als Partner an seiner Seite. »Klaus Krüger will aber nicht mehr aktiv spielen«, erklärt der Reutlinger, der kürzlich bei seinem 90. Geburtstag von seinen Teamkollegen des SSV reichhaltig beschenkt worden ist. »Bei meiner Feier waren über 30 Leute vom SSV da, das hat mich gefreut.«

Luber, der bei der zweiten Mannschaft des SSV in der Bezirksliga immer mal wieder in die Bresche springt (»ich will die Mannschaft nicht im Stich lassen«) ist im Tischtennis ein Spätstarter. Er war Anfang der 1960-Jahre Gründungsmitglied des SV Rosenfeld. Als er 1969 in die Achalmstadt zog und die Reutlinger Knopffabrik eröffnete, schloss er sich dem SSV an. Damals hatte die Leitung seiner Firma logischerweise Priorität, so dass er beim SSV lediglich in den unteren Mannschaften zum Schläger griff. »Turniermäßig bin ich erst mit 60 eingestiegen«, blickt er zurück.

Richard Luber und seine Pokalsammlung.
Richard Luber und seine Pokalsammlung. Foto: privat
Richard Luber und seine Pokalsammlung.
Foto: privat

Der nach wie vor mit einer erstaunlichen Vitalität und Energie um jeden Punkt kämpfende Luber hat seither eine imposante Erfolgsbilanz hingelegt. 2006 in Bremen wurde er an der Seite von Krüger (SV Neckarsulm) in der Altersklasse Ü70 erstmals Weltmeister. »Im Endspiel waren über 5.000 Zuschauer im AWD-Dome, einfach fantastisch«, wurde der damals 72-Jährige im GEA zitiert. Seinen zweiten WM-Titel holte er in der Ü75 mit Krüger 2012 in Stockholm.

Bei Europameisterschaften triumphierte Luber 2011 in Liberec, ebenfalls mit Krüger als Partner. 2015 in Tampere holte der Reutlinger zusammen mit Rolf Groß (Spvgg Neuwirtshaus) EM-Silber. Luber gewann in seiner Laufbahn weitere Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften. Bei deutschen Titelkämpfen stand er kürzlich in Hamm zum 18. Mal auf dem obersten Podest.

Ob Richard Luber in Rom für einen weiteren Paukenschlag sorgt? Falls er im Doppel mit Merimaa weit vorne landen sollte, dürfte er im nächsten Jahr bei der nächsten internationalen Groß-Veranstaltung wieder einen Anruf aus Finnland erhalten. (GEA)